Thüringen Monitor Viele Corona-Skeptiker sind rechtsextrem

 Foto: Bastian Frank

Zum zwanzigsten Mal analysiert der Thüringen Monitor die politischen Einstellungen der Menschen im Freistaat. Dabei untermauert er, was sich seit Monaten kaum übersehen lässt: Corona-Skeptiker sind häufig demokratiefeindlich eingestellt.

Erfurt – Thüringer, die die Gefahren durch das Coronavirus leugnen oder die coronabedingten Beschränkungen kritisch sehen, haben nach Einschätzung des aktuellen Thüringen Monitors häufig rechtsextreme Einstellungen. Auch wenn die Gruppe der sogenannten Corona-Skeptiker politisch heterogen sei und sie sich selbst politisch von ganz links bis ganz rechts verorteten, sei „die Verharmlosung des Corona-Virus besonders stark im politisch rechten Spektrum verbreitet“, heißt es in einer Zusammenfassung des Thüringen Monitor 2020, die unserer Zeitung vorliegt. „Diese Verknüpfung von rechtsextremen und Corona-skeptischen Einstellungen stellt eine Herausforderung für die Demokratie in Zeiten der Pandemie dar.“

Der Thüringen Monitor soll am Dienstag in Erfurt vorgestellt werden. Mit der von der Landesregierung beauftragten, repräsentativen Studie wird seit 2000 Jahr für Jahr die politische Einstellungen der Menschen im Freistaat gemessen. Zudem fragen die Forscher nach der Haltung der Thüringer zu einem, jedes Jahr anderen Themenkomplex. Das Schwerpunktthema in diesem Jahr ist die Corona-Pandemie in Thüringen.

Nach Angaben aus der Zusammenfassung gibt es in Thüringen eine „deutliche Überlappung von pandemieskeptischen und rechtsextremen Einstellungen“: Von den rechtsextrem eingestellten Thüringern seien etwa zwei Drittel gleichzeitig auch Corona-Skeptiker. Von den Corona-Skeptikern wiederum sei ein Drittel rechtsextrem eingestellt – signifikant mehr als mit Blick auf den Vergleichswert unter allen Thüringern, der bei neun Prozent liege.

In den vergangenen Monaten hatte es immer wieder Hinweise darauf gegeben, dass zum Beispiel unter den Teilnehmern an sogenannten Hygienespaziergängen häufig Menschen mit demokratiefeindlichen Einstellungen sind. Ein Sprecher der Demokratieberater von Mobit hatte zum Beispiel schon im Mai 2020, also kurz nach Beginn der Pandemie, gegenüber unserer Zeitung erklärt, bei diesen Protesten sähen die Berater „viele der Leute wieder, die wir aus den vergangenen Jahren schon kennen“. Unter anderem seine Beobachtungen sagten, „dass die große Mehrheit der Corona-Protestierenden oder Hygienespaziergänger die sind, die wir zuletzt immer wieder auf der Straße gesehen haben: Menschen, die sich irgendwo zwischen Neonazis und Reichsbürgertum bewegen, Pegida-Klientel.“

Alles in allem gab es Ende 2020 ausweislich der Ergebnisse des Thüringen Monitors zwar einerseits eine große Unterstützung unter den Menschen im Land für die coronabedingten Einschränkungen. Dennoch habe ein nicht unerheblicher Anteil der Thüringer Corona-skeptische Einstellungen vertreten, steht in der Zusammenfassung: So hätten 35 Prozent der Befragten „das Virus für nicht schlimmer als eine Grippe“ gehalten. Zudem hätten 43 Prozent bei der Befragung für die Studie angegeben, sie vertrauen ihren Gefühlen mehr als Experten, 53 Prozent hätten die Medienberichterstattung über das Corona-Virus für „stark übertrieben“ gehalten. „Dass diese Wahrnehmung in Thüringen stärker vertreten ist als im Bundesdurchschnitt, könnte möglicherweise auch an der geringen Betroffenheit Thüringens während der ersten Welle liegen“, heißt es in der Zusammenfassung der Studienergebnisse.

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