Erfurt/Meiningen - Das erste Geothermiekraftwerk in Thüringen soll in Meiningen stehen. «Der Untergrund unter Meinigen ist hervorragend für Geothermie geeignet», sagte Peter Maasewerd, Vorstand der Firma Daldrup und Söhne, am Montag in Erfurt.
Sie hat im Auftrag des Wirtschaftsministeriums eine Machbarkeitsstudie über Tiefengeothermie an zwei Thüringer Standorten erarbeitet. Bei der Tiefengeothermie wird Wasser in den Untergrund gepumpt, durch das heiße Gestein erhitzt und wieder nach oben geleitet. Die Technik ist nicht unumstritten. Es müsse bis in eine Tiefe von rund 4000 Metern gebohrt werden. Das Gesamtprojekt schätzt das Wirtschaftsministerium auf rund 45 Millionen Euro.
Erste Standortpriorität hat laut der Studie Meiningen. Die Stadtwerke Meiningen und die westfälische Bohrtechnik-Firma hätten bereits grundsätzliches Interesse an einem solchen Projekt signalisiert. Das notwendige Temperaturniveau (130 Grad Celsius) wird laut Studie im Raum Meiningen ab einer Tiefe von 3.800 Metern erreicht. Als Standort für ein Erdwärme-Kraftwerk kämen das Industriegebiet „Rohrer Berg“ in Betracht.
Als zweiter möglicher Standort wird in der Studie das Gewerbegebiet „Am Schießstand“ bei Zella-Mehlis genannt. Hier werde das notwendige Temperaturniveau ab etwa 4.000 Metern erreicht.
Die Investitionskosten für die Errichtung eines Tiefengeothermie-Kraftwerks werden mit rund 45 Millionen Euro veranschlagt. Unter Nutzung der EEG-Einspeisevergütung würde sich diese Investition innerhalb von 20 Jahren amortisieren. Zudem gibt es Fördermöglichkeiten des Bundesumweltministeriums und der KfW, die genutzt werden sollen. Die Fördersumme kann zehn Prozent, im günstigsten Fall sogar bis zu 50 Prozent der Investitionssumme betragen.
Die elektrische Leistung eines solchen Kraftwerks läge bei 2,74 Megawatt, die verfügbare Strommenge pro Jahr bei 22.784 Megawattstunden. Das entspricht dem jährlichen Strombedarf von rund 5.000 Haushalten. Besonders effizient werde das Kraftwerk dadurch, dass ein Teil des heißen Wassers in das Fernwärmenetz eingespeist werden soll. Mit den Vorarbeiten für ein solches Projekt könnte umgehend begonnen werden. Der Realisierungszeitraum betrage 24 Monate ab Bohrbeginn.
Umweltschützer und Bürgerinitiativen kündigten bereits ihren Widerstand an. "Das ist ein absurdes Projekt, das sich niemals rechnen wird", sagte Hartwick OswaldHartwick Oswald von der Bürgerinitiative gegen Erdgasbohrungen im Gothaer Land in der Thüringer Allgemeine. Nirgendwo in Deutschland habe eine derartige Erdwärme-Bohrung bislang zu den erhofften Erfolgen geführt. Dafür sei es mehrfach zu leichten Erdbeben gekommen, nachdem im Untergrund das Gestein über das sogenannte Fracking-Verfahren aufgebrochen wurde.
Deutschlandweit sind bislang 20 Kraftwerke der Tiefengeothermie in Betrieb. Die tiefste Geothermie-Bohrung reicht 3446 Meter in den Untergrund und versorgt das bayrische Unterhaching mit Fernwärme. Bundesweit sind 93 Anlagen in Bau oder Planung. dpa/maz
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Redaktion 18.02.2013 - 14:37 Uhr