Thüringen Martinsgänse in diesem Jahr nur als Lieferung

Aus Gösseln werden solch prächtige Gänse, die im Herbst mit vier bis sechs Kilogramm Masse schlachtreif sind. Bis dahin leben die Tiere im Grabfeld unter Bedingungen, die artgerechter kaum sein könnten. Quelle: Unbekannt

Das traditionelle Gänse-Essen im Restaurant am Martinstag muss in diesem Jahr ausfallen. Gastronomen setzen deshalb verstärkt auf den Außer-Haus-Verkauf und innovative Produkte.

Wolfmannshausen/Zella-Mehlis - Trotz Corona-Pandemie und Teil-Lockdown der Gastronomie müssen die Freunde deftiger Gansgerichte zum Martinstag und in der Weihnachtszeit nicht auf die traditionellen Spezialitäten verzichten. Die Gastronomie setzt verstärkt auf die Gans to go.

Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft hatte bereits frühzeitig auf die Möglichkeit des Außer-Haus-Verkaufs verwiesen und angeraten, das Gänse-Essen vielleicht auch auf den Dezember zu verschieben.

In Thüringen haben Gänsemast-Betriebe bislang offenbar keine Absatz-Probleme für ihre Tiere. Das Hauptgeschäft laufe ohnehin zu Weihnachten, erklärte Lukas Günther, der in Wolfmannshausen (Kreis Schmalkalden-Meiningen) einen Geflügelzuchtbetrieb führt.

Auch im Hotel "Waldmühle" in Zella-Mehlis, das seit Jahren traditionell zum Martinstag Gänse-Essen anbietet, hat man reagiert. Die bereits geschlachteten Gänse werden nun über den Außer-Haus-Verkauf angeboten, nachdem das Gänse-Essen im Restaurant wegen Corona abgesagt werden musste, so Juniorchefin Susen Renner. Bereits im ersten Lockdown im Frühjahr hatte die Hotelküche mit einem Abholservice auf die verordnete Schließung reagiert.

Den Angaben der Branche zufolge werden nur 15 bis 16 Prozent des deutschen Marktes von hiesigen Gänsezüchtern gedeckt. Der Rest komme als Importware meist tiefgekühlt aus den osteuropäischen Ländern.

In Thüringen gibt es laut Statistik - die aktuellsten Zahlen stammen aus dem Jahr 2016 - insgesamt 133 Gänsezucht-Betriebe. In der Statistik ist eine Zahl von knapp 5200 Tieren angegeben. Erfasst werden die Bestände alle sechs Jahre, und das zum Stichtag 1. März. Viele Mastbetriebe schaffen die Tiere aber erst nach dem Stichtag an und ziehen sie auf.

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