Erfurt - Noch nie waren Ein- und Zweifamilienhäuser in Thüringen so teuer wie derzeit. Allein im vergangenen Jahr sind die Preise im Durchschnitt um sieben Prozent gestiegen. Das geht aus dem am Mittwoch von Bauministerin Birgit Keller (Linke) in Erfurt vorgelegten Immobilienmarktbericht der Landes hervor. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr mit Immobilien, Häusern, Wohnungen, Bauland, aber auch Agrar- und Waldflächen mehr als 2,2 Milliarden Euro umgesetzt. Drei Jahre zuvor waren es noch unter 1,9 Milliarden Euro.

Nach dem Immobilienmarktbericht kosten freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser in Thüringen derzeit im Schnitt rund 102 000 Euro - mit sehr starken regionalen Schwankungen. Ihr Preise habe sich damit seit 2006 um etwa ein Fünftel erhöht.

In Jena, wo die Preise innerhalb eines Jahres um fast zwölf Prozent stiegen, kosten Ein- und Zweifamilienhäuser im Schnitt 339 0000 Euro; im Kyffhäuserkreise im Schnitt nur 54 000 Euro. Eine Tendenz zu stärker rückläufigen Preisen gab es danach im vergangenen Jahr nur in der Stadt Gera und dem Kreis Weimarer Land. Das Landesamt für Vermessung und Geoinformation hat für den Marktbericht rund 30 000 Verträge ausgewertet. «Er sorgt für Transparenz», sagte die Ministerin.

Sie führte den Immobilienboom auf die stabile Konjunktur, historisch niedrige Kapitalmarkt- und Hypothekenzinsen und sehr geringe Sparzinsen zurück. «Immobilien sind gefragter denn je. Die Menschen investieren in Betongold», so Keller. Allein im vergangenen Jahr sei die Zahl der Baugenehmigungen um zehn Prozent gestiegen.

Nach Einschätzung der Fachleute ist der Thüringer Immobilienmarkt trotz der sinkenden Einwohnerzahl stabil. Es gebe nach wie vor viel Bewegung beim Kauf- und Verkauf von Immobilien, selbst in ländlichen Regionen mit einer schrumpfenden Bevölkerung, erklärte der Präsidenten des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation, Uwe Köhler.

Nach Angaben von Ministerin Keller will das Land mit seinen Förderprogrammen dafür sorgen, dass das Wohnen auch in den größeren Städten mit einem engen Wohnungsmarkt bezahlbar bleibt. Gefördert werde der Wohnungsneubau durch kommunale und genossenschaftliche Unternehmen. Keine Möglichkeit habe das Land, «in den Immobilienmarkt hinein zu regieren.» dpa