GREIZ – Neun Matratzen. Sieben im Wohnzimmer, zwei im Vorraum. Hier schlafen Abdul und Halim, die großen Jungs. Bevor sie sich betten, müssen der Tisch verrückt werden und die Stühle gestapelt, sonst kommt Busra nicht raus, wenn sie wegen der Knötchen im Hals wieder Durst hat. Manchmal, wenn die Autos am Greizer Schloßberg die Kurve nehmen in die Straße mit dem seltsamen Namen Siebenhitze, holt das Licht der Scheinwerfer das Bild ihres Großvaters aus dem Dunkel. Als ob er, den die Elfjährige so sehr vermisst, zu Besuch käme und schon mal durchs Fenster schaut. Aber es ist nur eine Fotografie hinter Glas, blass, unscharf. Das einzige, was sie noch haben von ihrem Haus, ihrem Dorf, ihrem Leben in der Türkei.