Kai Lehmann hat längst mit einem Vorurteil aufgeräumt. "Die sogenannten Hexen sind weder rothaarig, noch sind es alles Frauen oder gar nur Hebammen", sagt der promovierte Historiker. Und er muss es wissen. Seit er vor Jahren begann, sich intensiv mit Hexenverfolgungen zu befassen, hat ihn das Thema nicht losgelassen. Im Dezember 2011 wurde unter seiner Regie die viel beachtete Ausstellung "Luther und die Hexen" auf Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden eröffnet. Damals konnte der Museumsdirektor auf 1000 Hexenprozesse in Südthüringen verweisen - und das bei einer Einwohnerzahl in jener Zeit, die ihm zufolge zwischen 40 000 und 50 000 lag. "Südthüringen war eine der Hochburgen der Hexenverfolgung in ganz Europa", ist Lehmann überzeugt. Inzwischen hat er bundesweit recherchiert - von Nord nach Süd und von Ost nach West. "Die Zahlen sind erschreckend. Dies ist eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte."