Suhl - Zahlreiche Knochenbrüche und Blechschäden sind die Folge von plötzlichem Glatteis am Dienstagvormittag. Besonders heftig traf es die Region Südthüringen und hier vor allem den Raum Suhl, Meiningen und Ilmenau. Die Notaufnahmen der Krankenhäuser meldeten „Land unter“, die Polizei musste zu zahlreichen Unfällen ausrücken. Hier blieb es glücklicherweise bei Blechschäden.

Zwischen neun und elf Uhr seien der Landespolizeiinspektion in Suhl allein acht Unfälle wegen Straßenglätte gemeldet worden, sagte Polizeisprecher Fred Jäger. Der schwerste Unfall ereignete sich bei Bad Liebenstein, wo ein Pkw von der Straße rutschte, in den Graben kippte und auf der Fahrerseite liegen blieb. Ein anderes Fahrzeug sei hier nicht beteiligt gewesen. In Suhl, Benshausen und Meiningen stießen den Angaben zufolge Autos gegen andere geparkte Fahrzeuge, weil auf den rutschigen Fahrbahnen kein Halten mehr war. Ebenfalls in Suhl, Meiningen und Gleimershausen (Gemeinde Rhönblick) seien Autos auch mit Hausecken, Mauern, Verkehrsschildern oder größeren Steinen kollidiert, so die Polizei. Zudem rechnen die Beamten mit einer Reihe weiterer Unfälle, zu denen die Polizei erst gar nicht gerufen wurde.

In den Notaufnahmen der Krankenhäuser blieb angesichts des Andrangs von Patienten keine Zeit für Statistiken. Auf Anfrage unserer Redaktion hieß es nur: „Land unter“ oder „Wir laufen über.“ Eine Klinik-Sprecherin in Meiningen sagte: „Wir haben unwahrscheinlich viele Frakturen zu versorgen.“ Die Ilm-Kreis-Kliniken in Arnstadt bestätigten, dass sie Patienten aus Ilmenau übernehmen müssten, weil dort schon alles voll sei.

Im SRH Zentralklinikum Suhl hörte man am Dienstag sicherheitshalber gleich den Funk der Rettungsleitstelle mit, um auf größere Zwischenfälle vorbereitet zu sein. „Weil doch“, wie Dr. Michael Leber sagte, „einiges zu erwarten war aufgrund der Wetterprognose.“ Als der Oberarzt der Suhler Notfallaufnahme seine Schicht um 8 Uhr begonnen hatte, fielen kurze Zeit später die ersten Regentropfen vom Himmel. Die gefroren sofort auf dem Boden. „Gegen 9 Uhr kam der erste Patient in die Notaufnahme.“ Während auf den Straßen offenbar gut gestreut wurde, war es vor allem auf den Gehwegen spiegelglatt. Bis zum späten Nachmittag stand fest: Mindestens doppelt so viele Patienten wie an einem normalen Wintertag mussten Leber und seine Kollegen in der Notaufnahme in Suhl behandeln – vor allem ältere Menschen, aber auch ein Kind, das gestürzt war und sich die Lippe aufschlagen hatte.

Meist zogen sich die Patienten Frakturen an Händen und Füßen sowie an der Hüfte und den Oberschenkeln zu. Gerade Brüche des Oberschenkelhalses seien für ältere Menschen sehr unangenehm, sagte Leber. „Sie müssen oft mit einem künstlichen Gelenk versorgt werden. Außerdem kann es nach der Behandlung zu Folgeerkrankungen kommen.“ Doch Leber machte auch Hoffnung: „Derartige Blitzeissituationen haben wir meist nur einmal im Jahr.“

Der Wetterdienst hatte vor allem für Nord- und Ostdeutschland vor Blitzeis in der Nacht gewarnt. Dieses war jedoch ausgeblieben. So herrschten auch in Erfurt am frühen Morgen bereits Plusgrade, so dass der einsetzende Regen nicht mehr gefrieren konnte. Anders jedoch die Situation im Thüringer Wald: Hier traf der Regen auf einen gefrorenen Boden, so dass sich rasch eine tückische Eisschicht bildete.