Polizei sperrt Ort ab Gierstädt steht unter Wasser

, aktualisiert am 06.06.2021 - 14:25 Uhr
Helfer beseitigen Unrat aus einem Dorfbach nach heftigen Regenfällen am Sonntagmorgen. Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa/dpa

Wassermassen, die wie aus Eimern über kleine Örtchen ausgeschüttet werden: In Thüringen sind mehrere Orte überflutet worden. Keller liefen voll, Straßen wurden unpassierbar. So schnell das Wasser kam, war es dann auch wieder weg.

Gierstädt - Gegen halb acht am Sonntagmorgen erklingt in dem kleinen Ort Gierstädt der erste Sirenenton, wenige Stunden später steht das Dorf komplett unter Wasser. "Das Wasser kam aus dem Wald geschossen", sagte Bürgermeister Ulf Henniger (parteilos) am Sonntagvormittag. Da war das Schlimmste für Gierstädt wohl vorbei, doch der Schaden, den der Starkregen in den wenigen Stunden angerichtet hatte, war groß: Laut Henninger liefen etliche Keller in Gierstädt voll und mit dem Wasser aus dem Wald kam auch Schlamm in den Ort.

Die Polizei sperrte Gierstädt zwischenzeitlich komplett ab - alle Zufahrtsstraßen waren nicht mehr passierbar. Zehn Feuerwehren waren im Einsatz mit mehr als 70 Einsatzkräften, wie ein Sprecher der Rettungsleitstelle Gotha sagte."Wie ein Fluss auf der Straße lief das Wasser hier durch den Ort", sagte Henniger. Was ihn wundert: Die umliegenden anderen Ortsteile der Verwaltungsgemeinschaft Großfahner waren kaum von Überflutungen betroffen. Vor mehr als 30 Jahren habe es in dem Dorf ein ähnliches Starkregenereignis gegeben, sonst sei Gierstädt bei Unwettern immer glimpflich davon gekommen. Immerhin: Bevor die meisten Wassermassen kamen, hätten viele Bewohner ihre Autos in Sicherheit bringen können, nur eines sei nach ersten Erkenntnissen durch die Flut beschädigt worden.

Anders als in Mosbach, einem kleinen Ortsteil von Wutha-Farnroda im Wartburgkreis, nahe Eisenach. Dort hatte Starkregen bereits am Freitagabend zu Überschwemmungen geführt. Zwei Bäche waren so heftig angeschwollen, dass die Wassermassen mehrere Autos davon spülten. Nach Angaben des Landkreises mussten auch mehrere Menschen aus ihren Autos befreit werden.Binnen kurzer Zeit hätten sich der Mosbach und der Hainbach in "reißende Ströme" gewandelt, wie der Wartburgkreis mitteilte. Kniehoch sei das Wasser durch das Dorf geflossen, hieß es - und dabei Keller, Gärten, Garagen und teils auch Hausflure geflutet. Bei einem Gebäude, hieß es, wurde ein Teilabsturz durch einen Hangabrutsch befürchtet. Es musste von Einsatzkräften gesichert werden. Wie auch in Gierstädt schien der Starkregen eher lokal begrenzt auf die Erde gefallen zu sein.

Ein ähnliches Bild in Altenburg. Laut Rettungsleitstelle Ostthüringen habe es am Samstag allein in Altenburg 180 Einsätze wegen des Wetters gegeben. Straßen seien teils unpassierbar gewesen, etliche Keller vollgelaufen. Am Sonntag aber, sagte ein Sprecher, habe sich die Situation wieder deutlich entspannt.Auch in Gierstädt floss das Wasser schnell ab - Sonntagmittag war kaum noch etwas davon zu sehen, die Aufräumarbeiten bereits im Gange. Henniger sagte, die Lage sei im Griff. Eine Prognose, ob es das gewesen ist mit Starkregen für Gierstädt, wagte er nicht. In ganz Thüringen waren auch Anfang kommender Woche weitere Regenfälle angekündigt.

Dass der Regen in den vergangene Tagen in Thüringen teils ganz lokal begrenzt so heftig fiel wie in Gierstädt, Mosbach oder Altenburg, habe mit fehlenden Höhenströmungen zu tun, sagte Thomas Hain, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst in Leipzig. Sehr feuchte Luft über Thüringen - und kaum Bewegung: "Wenn dann Schauer und Gewitter entstehen, bleiben sie einfach stehen", sagte Hain. So könne es sein, dass Starkregen auf engstem Raum herabfalle und nur drei Kilometer weiter kein Regen falle.Auch am Sonntag könne es lokal zu stärkerem Regen in Thüringen kommen, so Hain, allerdings wohl nicht mehr in der Intensität wie am Wochenende. Dennoch bleibe es auch kommende Woche regnerisch.

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