Der Herbst hat Einzug gehalten in diesen Tagen im Thüringer Wald. Grau, kühl und feucht. Der Weg über die Landstraße nach Gotha zieht sich hin. Nieselregen in Zella-Mehlis, aufsitzende Wolken in Oberhof, Laster reihen sich bis zur Autobahn 4 aneinander. Um 8.30 Uhr soll ich im Gothaer Schloss Friedenstein sein, auf der Einladung des Bayerischen Rundfunks steht das schöne Wort Antiquitätenberatung. Fein säuberlich verpackt habe ich eine metallene Schatulle im Kofferraum, hoffe, dass die Tücher, in die ich sie gewickelt habe, sie schützen, wenn ich die kurvige Strecke über den Rennsteig fahre. Und tatsächlich komme ich nicht nur pünktlich, sondern auch mit heiler Schatulle an. Die hat mir ein Leser dieser Zeitung in die Hand gedrückt. Er hatte sich beworben, sein blechernes Schätzchen von den Experten der Fernsehsendung "Kunst & Krempel" begutachten und bewerten zu lassen. Weil ich den Aufruf dazu verfasst hatte, wandte er sich an mich, ich möge ihn doch begleiten, wenn ich wolle. Klar wollte ich. Doch nun stehe ich allein hier. Der gute Mann muss arbeiten. Ich weiß nur so viel: Auf einem Flohmarkt in Mainz hat er die Schachtel vor rund zehn Jahren für wenig Geld erstanden. Ob es sich um eine Schatzkiste oder eine Lebkuchenschachtel, um ein Original aus dem Barock oder eine dem Stil dieser Zeit später nachempfundene Kopie, ob es sich also um Kunst oder Krempel handelt, das weiß er nicht.