Thüringen Digitalradio mit Privatsendern – nicht im Süden

Antenne Thüringen rockt sein Radio nun auch digital, allerdings vorerst nicht im Süden. Das Foto zeigt ein Konzert des Senders auf der Buga in Erfurt im Sommer. Foto: imago

Das Digitalradio DAB+ in Thüringen bekommt einen Schub – aber erst mal nur in Erfurt und Weimar. Am Mittwoch starten dort „Antenne Thüringen“ und vier weitere Privatsender. Südthüringen soll erst später versorgt werden. Wann genau, verrät die zuständige Landesmedienanstalt nicht. Generell ist die Skepsis der Menschen groß, die meisten hören Radio nach wie vor über UKW oder gleich übers Internet.

Erfurt/Weimar - Das Digitalradio DAB+ nimmt nun auch Thüringer Privatradiosender mit an Bord. Ab sofort sind fünf Programme auf einer neuen, rein privaten DAB+-Plattform zu hören, teilte die Thüringer Landesmedienanstalt (TLM) am Mittwoch mit. Aus einer Ausschreibung waren Antenne Thüringen, Radio Top 40, 89.0 RTL, Antenne Thüringen Classics und das Schlager- Radio hervorgegangen. Allerdings werden die Programme zunächst nur von Sendern in Erfurt und Weimar abgestrahlt und sind damit in Südthüringen nicht zu empfangen. Man wolle „die landesweite Versorgung schrittweise realisieren“ und starte aus medienpolitischen Gründen in der Landeshauptstadt, sagte eine TLM-Sprecherin auf Nachfrage. In der Region Erfurt/Weimar kommen rund 300 000 Haushalte sowie die dort verkehrenden Autofahrer in den Genuss der neuen DAB-Sender.

In den vergangenen Jahren waren vor allem die öffentlich-rechtlichen Sender die treibende Kraft beim Umstieg vom analogen UKW-Radio auf das Digitalradio. Sie wollen die hohen Stromkosten der UKW-Sendeanlagen senken und sie am liebsten ganz abschalten. Privatsender sind bisher dagegen, weil sie fürchten, dadurch Hörer und damit Werbeumsätze zu verlieren. Die steigende Reichweite von DAB+ macht es inzwischen aber auch für Privatsender interessant. Zum Zuwachs hatte zuletzt auch die Digitalradiopflicht für neue Autos beigetragen.

Bisher waren in Thüringen die Sender aus den deutschlandweiten Paketen („Bundesmux“) sowie die MDR-Programme digital zu empfangen, in den Grenzregionen auch die von HR und BR. Weitere private Programme für den Freistaat stünden in den Startlöchern und sollen in den nächsten Wochen aufgeschaltet werden, hieß es seitens der TLM.

Das Schlager-Radio war zuvor bereits an der hessischen Grenze zu empfangen. Dessen Betreiber hat bei der TLM nun auch einige UKW-Frequenzen beantragt, unter anderem für Eisenach und Gotha, nicht aber für Südthüringen.

Zehn Jahre nach dem Start des Digitalradios DAB+ in Deutschland sind rund zehn Millionen Haushalte mit einem geeigneten Empfangsgerät ausgestattet. Damit kann ein Viertel Radio über den digitalen Weg hören. Die große Mehrheit hält nach wie vor am traditionellen UKW-Radio fest oder hört gleich übers Internet, was die DAB-Lobby aus Öffentlich-Rechtlichen, Medienbehörden und Geräteherstellern so nicht erwartet hatte. Im gebirgigen Süden Thüringens dürfte die DAB-Quote noch niedriger liegen, da der Empfang im Haus nicht flächendeckend funktioniert. So reichen die DAB-Signale in Teilen des Werratals, im Schleusegrund und in etlichen anderen Tälern nur für den Empfang draußen oder im Auto aus. er/all

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