Corona-Effekt Sorge vor Anstieg der Sozialbestattungen

Gräber auf einem Friedhof in Thüringen Foto: Bodo Schackow/dpa

Deutlich mehr als 2000 Menschen sind in Thüringen bislang im Zusammenhang mit einer Covid-19-Infektion gestorben. Das könnte auch zu Mehrkosten bei Sozialbestattungen führen, fürchtet manche Kommune.

Die Aufwendungen der Kommunen für Sozialbestattungen sind in den vergangenen Jahren stetig gesunken. Nun aber fürchten einzelne Kommunen wieder steigende Ausgaben - wegen der Corona-Pandemie. «Es ist zu erwarten, dass die Anträge auf Übernahmekosten für Bestattungen in 2021 steigen werden», sagte die Sprecherin der Stadtverwaltung Eisenach, Janina Walter, in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Kurzarbeit und Arbeitsplatzverlust könne die finanziellen Mittel von Verstorbenen und Hinterbliebenen auf lange Sicht schwinden lassen - mit einer entsprechenden finanziellen Mehrbelastung für die Kommunen.

Bereits jetzt seien im Zuge der Corona-Krise die Kosten für Sozialbestattungen und Bestattungen allgemein teils angestiegen: In den vergangenen Monaten sind Walter zufolge sowohl von Bestattern als auch von Krematorien wegen der Corona-Pandemie bereits Aufschläge berechnet worden. Bei Beerdigungen von Corona-Opfern erhöhe sich bereits beim Transport der Toten der finanzielle Aufwand aufgrund der dafür nötigen Schutzausrüstung, erklärt der Landesinnungsobermeister des Thüringer Bestatterverbands, Gerd Rothaug. Zusatzkosten von 50 bis 60 Euro pro Todesfall seien nicht ungewöhnlich.

Während des ersten Lockdowns hätten Verstorbene zudem bis zur Bestattung teils länger in den Kühlzellen auf ihre Beisetzung warten müssen, was zusätzliche Kosten verursacht habe, sagt Walter.

Bis zum Beginn der Corona-Krise waren die Fallzahlen für Sozialbestattungen und die Gesamtkosten fast überall stetig gesunken: So wurden 2016 in Erfurt noch für insgesamt 123 Bestattungen über 213 000 Euro nach dem Sozialgesetzbuch ausgegeben, wie die Stadtverwaltung mitteilte. 2020 fielen für insgesamt 62 Fälle rund 122 000 Euro an. In Jena wurden den Angaben zufolge vom Sozialamt im Jahr 2020 rund 60 000 Euro für Bestattungen ausgegeben, etwa 25 000 Euro weniger als 2016. Auch in Gera und Eisenach und in den Kreisen Sonneberg und Nordhausen ist die Entwicklung ähnlich.

Auch die Zahlen des Landesamts für Statistik bestätigen den Rückgang der Sozialbestattungen: Im Jahr 2015 waren demnach noch 593 Sozial-Beisetzungen mit Kosten von insgesamt 1,1 Millionen Euro angefallen. 2019 lagen die Ausgaben hingegen bei rund 860.000 Euro in 430 Fällen. Diese Zahlen zeigen aber gleichzeitig einen Anstieg bei den Durchschnittskosten pro Sozialbestattung - durchschnittlich um 200 Euro pro Beisetzung. Wie viele Kosten eine Beerdigung verursacht, kann aber je nach Einzelfall sehr unterschiedlich sein. Sie richtet sich nach Faktoren wie der gewünschten Beisetzungsform - so sind Erdbestattungen in der Regel teurer als eine Feuerbestattung.

Wie die Entwicklung weiter geht, sei derzeit nicht abzusehen, sind sich die Kommunen einig. Aktuell sei von einer Kostenexplosion aber noch nichts spürbar. Die zuständigen Stellen in Eisenach, Erfurt, Jena, Nordhausen, Gera und Sonneberg melden bisher keine außergewöhnlichen Belastungen.

Normalerweise haben Angehörige Verstorbener die Kosten für die Beisetzung zu tragen. Können sie die Kosten einer Bestattung aus Geldmangel nicht übernehmen oder gibt es keine Angehörigen, kommt eine Sozialbestattung in Frage, bei der die Kommunen die Kosten einspringen.

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