Thüringen Corona-Jahr hallt bei den Thüringer Museen weiter nach

Ein Mann zeigt einen Abstrich für das Testverfahren auf das Virus Sars-CoV-2. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild/dpa

Schließungen, Zukunftssorgen und auch so mancher Lichtblick: Das Corona-Jahr 2020 hat die Thüringer Museen weiter fest im Griff. Viele Häuser hatten aber auch trotz Schließungen alle Hände voll zu tun.

Schließungen, Zukunftssorgen und auch so mancher Lichtblick: Das Corona-Jahr 2020 hat die Thüringer Museen weiter fest im Griff. Viele Häuser hatten aber auch trotz Schließungen alle Hände voll zu tun.

Mühlhausen (dpa/th) - Die Corona-Pandemie hat die Besucherzahlen der Thüringer Museen deutlich gedrückt. Angesichts monatelanger Schließzeiten und ausgefallener Veranstaltungen verzeichneten die Museen mehr als 1,9 Millionen Besuche im Jahr 2020, wie die auf der Jahrestagung am Donnerstag vorgestellte Erhebung des Museumsverbandes Thüringen (MVT) zeigte. In den Vorjahren habe die Zahl zwischen 3,5 und 4,2 Millionen geschwankt, hieß es vom Verband.

Starke Auswirkungen auf die Zahlen habe der Ausfall von Museumsbesuchen durch Schulklassen sowie von Veranstaltungen gehabt. Dennoch seien die Zahlen für 2020 höher als erwartet. Grund sei auch der Trend zu Inlandsreisen gewesen. Der Blick auf die Zukunft bereitet dem Verband jedoch Bauchschmerzen.

Besonders stark betraf der Besucherrückgang im vergangenen Jahr die Klassik Stiftung Weimar. Sie zählte mit rund 397 700 Gästen nur ein grobes Drittel der Besuchszahlen vom Vorjahr. Damit führte sie dennoch die Liste der meistbesuchten Museen in Thüringen an. Mit rund 280 000 Besucherinnen und Besuchern folgte die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, die ihre Besuchszahlen damit auch fast halbierte. An dritter Stelle ordnete sich die Wartburg-Stiftung Eisenach mit ebenfalls mehr als halbierten Besuchszahlen von rund 149 600 Besuchern ein.

Die wegen der Schließungen freigewordene Zeit wurde von den Museen nach eigenen Angaben vor allem hinter den Kulissen genutzt. "Dabei stand besonders das Sammlungsmanagement im Mittelpunkt", hieß es. Bei der digitalen Erfassung, Verwaltung und Kommunikation von Objekten sind laut Landesmuseumsverband erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Museen deutlich geworden. "Während die großen Häuser über eigenes Personal für entsprechende Anträge verfügen, ist dies bei den kleineren und mittleren Museen eine zusätzliche Aufgabe für die ohnehin kleine Belegschaft."

Dazu hätten auch viele kleinere Museen ihre digitale Kommunikation verstärkt und entsprechende Kanäle ausgebaut. Zu den Formaten gehörten neben Informationen auf Social-Media-Plattformen auch Ausstellungs- und Themenwebsites, virtuelle Rundgänge, Podcasts, Audiotouren, Informations- und Objektvideos sowie Apps.

Beim Blick in die Zukunft gab sich der Verband skeptisch. "Trotz der weitgehend problemlosen Wiederöffnung der Museen im Mai 2021 wird sich die Pandemie weiterhin auf die Thüringer Museen auswirken, vor allem finanziell." Bislang habe kein Museum dauerhaft schließen müssen. Es sei aber wahrscheinlich, dass zur Stabilisierung der kommunalen Haushalte die Museumsbudgets als sogenannte freiwillige Leistungen gekürzt würden. "Und da die Thüringer Museen mehrheitlich in kommunaler Hand sind, betrifft dies wahrscheinlich einen Großteil der Häuser."

Schlimmstenfalls sorgten die Kürzungen für den Verlust musealer Infrastruktur. Ernsthafte Probleme hätten auch Museen, die durch Stiftungen, gemeinnützige GmbHs oder Vereine getragen werden. Die Museen benötigten weiter finanzielle Mittel um den erhöhten Hygieneaufwand zu tragen. Zugleich fehlten vielerorts Klimaanlagen. Für den kommenden Herbst und Winter plädiert der Verband für eine 3G-Regelung - ein weiterer Lockdown würde die Situation den Angaben nach weiter verschärfen.

© dpa-infocom, dpa:210916-99-238763/3

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