"Eigentlich", sagt ein Marktleiter, "sollte sowieso jeder einen gewissen Vorrat im Haus haben. Nicht wegen der überdrehten Angst, die sich gerade breit macht, sondern, weil man auch so einfach mal krank werden kann oder unangekündigter Besuch in der Tür stehen könnte."
Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht, denn es macht schon einen Unterschied, ob man nun Eierlikör, Kekse und Knabberkram für Freunde bereithält oder in der echten oder auch nur gefühlten Angst davor lebt, dass die Versorgung mit lebensnotwendigen Produkten in absehbarer Zeit zusammenbrechen könnte.
Kaum ein Nachkommen
In der Suhler Innenstadt berichtet eine Verkäuferin von ihren Erlebnissen: "Die Leute sind manchmal unmöglich, manche reagieren so, als gebe es ab morgen gar nichts mehr zu kaufen." Und tatsächlich sind in dem Discounter, in dem sie an der Kasse sitzt, H-Milch mit 3,5 Prozent Fettgehalt, billiges Mineralwasser und preiswerte Nudeln, aber auch einige Fertiggerichte abverkauft. "Morgen kommt neue Lieferung", beruhigt sie eine Kundin und zeigt kopfschüttelnd in Richtung der Kosmetikregale. "Desinfektionsmittel und feuchte Tücher sind weg, aber ganz normale Seife gibt’s ja zum Glück auch noch", frotzelt sie: "und das Wasser kommt ja immer noch aus der Leitung."
In einem Selbstbedienungskaufhaus sind am Dienstagvormittag keine Haferflocken zu finden. Auf die Frage, ob diese denn ausverkauft seien, bittet eine Verkäuferin um Entschuldigung: "Wir kommen mit dem Nachräumen kaum hinterher. Ich kann Ihnen aber gern ein paar Packungen aus dem Lager holen, wenn ich gleich sowieso zum Auffüllen hinter gehe." Als dies nicht dringend nötig ist, kassiert sie weiter. In der Schlange wird rege diskutiert. Während des Kassiervorganges berichtet die Verkäuferin einer Stammkundin, am Nachmittag hätte eine Käuferin, die einen ganzen Karton mit den Getreideflocken im Wagen stehen hatte, bei ihr nachgefragt, was man eigentlich damit anfangen könne, sie selbst kenne Haferflocken sonst eigentlich nur als Tierfutter. Man ist geneigt, zu meinen , dass ja vielleicht auch dieser Einkauf für die Katz’ gewesen sein könnte.
Sarkasmus und Humor
Ein Kunde meint, dass der gute Abverkauf von Lagerbeständen dem Verkaufspersonal entgegenkommen würde: "Die Inventur zum Quartalsende geht dann jedenfalls schneller." Der Handelsverband Deutschland jedenfalls sieht kein Problem bei der Versorgung, auch wenn das Virus "die Konsumstimmung und das Kaufverhalten beeinflussen".
Dass nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird, ist auch in den sozialen Netzwerken zu sehen. Corona sorgt dort nicht nur für Angst, sondern auch für Lacher, und sei es nur mit der entsprechend illustrierten Feststellung, dass so mancher Zeitgenosse mit einer eigentlich ungeeigneten Atemschutzmaske besser aussehe als ohne eine solche.
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