Erfurt - In Thüringen ist nach Angaben der Krankenkasse Barmer GEK etwa jedes 20. Kind von der psychischen Störung ADHS betroffen. Nach den aktuellsten Zahlen wurde 2014 bei rund 14 400 Kindern und Jugendlichen bis 19 Jahre die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) diagnostiziert. Das sind rund 4,4 Prozent dieser Altersgruppe, was geringfügig über dem Bundesdurchschnitt (4,2 Prozent) liegt. Dabei hängt es nach Beobachtungen der Kasse auch vom Wohnort ab, wie häufig die Diagnose gestellt wird. So sei der Anteil der bis 19-Jährigen, denen Ärzte das «Zappelphilipp-Syndrom» bescheinigen, etwa im Altenburger Land überdurchschnittlich hoch.
ADHS ist eine der häufigsten psychischen Störungen bei Kindern. Betroffene Mädchen und Jungen sind leicht ablenkbar, vergesslich, zappelig, können sich schlecht konzentrieren, und es mangelt ihnen an Durchhaltevermögen. Oft ist auch ihre Entwicklung verzögert.
Laut Barmer GEK wurde 2014 im Altenburger Land und im Weimarer Land bei knapp 7 Prozent der Kinder und Jugendlichen ADHS diagnostiziert, im Eichsfeld und im Landkreis Nordhausen lag der Anteil hingegen bei etwa zweieinhalb Prozent. In den kreisfreien Städte Gera, Erfurt und Eisenach waren es über fünf Prozent.
Eine Erklärung für diese regionalen Unterschiede hat die Kasse nicht. «Wir wissen es leider nicht genau», sagte Barmer GEK-Landesgeschäftsführer Hermann Schmitt. Möglicherweise werteten Mediziner die Symptome wie Konzentrationsschwäche und Unruhe unterschiedlich. Die Kasse mit rund 240 000 Versicherten in Thüringen hat eigene Daten ausgewertet und auf Thüringen hochgerechnet. Für 2015 liegen keine separaten Zahlen vor, die ADHS-Daten würden alle drei Jahre ausgewertet.
Gegenüber einer vorangegangenen Erhebung 2011 blieb der Anteil betroffener Kinder in Thüringen demnach annähernd gleich, einen spürbaren Rückgang gab es allerdings bei der Zahl der mit Medikamenten behandelten Kinder. Der Trend, bei ADHS gleich zur Pille zu greifen, scheine gebrochen zu sein, so die Kasse. Auch hier seien allerdings regionale Unterschiede zu beobachten. Ärzte im Altenburger Land greifen demnach öfter zum Rezeptblock. dpa