Fahndung und Forderungen 28-Jähriger stirbt nach Angriff

Ein Streifenwagen der Polizei steht mit eingeschaltetem Blaulicht an einem Einsatzort. Foto: Carsten Rehder/dpa/Symbolbild/dpa

Der gewaltsame Tod eines 28-Jährigen inmitten der Thüringer Landeshauptstadt sorgte am Dienstag für Aufregung. Im Zuge der Fahndung nach dem Täter folgen Forderungen der Politik.

Erfurt - Nach dem gewaltsamen Tod eines 28-Jährigen in Erfurt hat die Polizei die Fahndung nach einem Tatverdächtigen aufgenommen. Die Ermittlungen der Polizei richten sich gegen einen 35-jährigen Mann, der sich noch auf der Flucht befinde, hieß es am Mittwochmittag. «Wir gehen aktuell davon aus, dass es einen Täter gab», ergänzte ein Sprecher der Erfurter Staatsanwaltschaft.

Zwar habe es am Dienstag eine körperliche Auseinandersetzung mit mehreren Beteiligten auf dem Anger, der zentralen Fußgängerzone der Landeshauptstadt, gegeben. Zeugen hatten laut Polizei aber übereinstimmend ausgesagt, dass die weiteren Beteiligten an der Auseinandersetzung nur schlichtend eingegriffen haben sollen. Der 28-jährige Mann habe sich laut Polizei mit mehreren Stichverletzungen noch etwa 130 Meter bis zu einem Parkhaus geschleppt, bevor er dort zusammenbrach. Passanten hätten ihn dort aufgefunden. Mit was für einem Gegenstand ihm die tödlichen Verletzungen zugeführt wurden, könne man noch nicht sagen, hieß es.

Unmittelbar nach dem Angriff startete eine politische Diskussion über eine Videoüberwachung an sogenannten Kriminalitätsschwerpunkten. Die CDU-Fraktion im Thüringer Landtag kündigte an, den Angriff zum Thema in der nächsten Sitzung des Innenausschusses zu machen. «Der jüngste Vorfall auf dem Erfurter Anger zeigt: Die Videoüberwachung von besonders gefährlichen Orten und die Einführung von messerfreien Zonen müssen dringend auf die sicherheitspolitische Agenda im Freistaat», sagte der innenpolitische Sprecher Raymond Walk am Mittwoch in Erfurt.

«Aus unserer Sicht ist es völlig unverständlich, dass sich Rot-Rot-Grün einem Ausbau der Videoüberwachung an Kriminalitäts-Hotspots im öffentlichen Raum genauso verweigert wie der Einführung von messerfreien Zonen», so Walk. Eine Videoüberwachung hätte mindestens zur schnelleren Ermittlung der Täter und Festnahmen führen können. Entsprechende Anträge zur Videoüberwachung hatte die CDU-Fraktion nach eigenen Angaben schon mehrfach in den Landtag eingebracht, zuletzt im September 2020.

Auch der Fraktionsvorsitzende der CDU-Fraktion im Erfurter Stadtrat, Michael Hose, forderte eine Videoüberwachung. «Eine Videoüberwachung wird nach einer solchen Bluttat für ein erhöhtes Sicherheitsgefühl sorgen», sagte er. Der Anger dürfe kein Angst-Ort werden.

«Die jetzt reflexartig geforderte Videoüberwachung ist kein Allheilmittel», entgegnete der innenpolitischer Sprecher der Freien Demokraten im Thüringer Landtag, Dirk Bergner. Wer umringt von vielen Menschen einen anderen niedersteche, lasse sich auch nicht von Kameras in der Nähe von der Tat abhalten. Wichtig sei, an Kriminalitätsschwerpunkten für eine höhere Polizeipräsenz zu sorgen.

Die innenpolitische Sprecherin der Grünen, Madeleine Henfling, forderte eine konsequente Aufklärung. Der Vorfall sei erschreckend, eine Videoüberwachung oder ein Messerverbot hätte aber «überhaupt nichts gebracht» - daher lehne man «solche wirkungslosen und populistischen Maßnahmen» auch ab. Eine Waffenverbotszone in Leipzig habe gezeigt, dass diese «wirkungslos und stigmatisierend» seien. «Davon abgesehen stellen sich auch praktische Fragen, wie die, wie man mit Personen umgeht, die zum Beispiel am Anger in einem Fachgeschäft für Küchenartikel ein Messer gekauft haben.»

Lesen Sie dazu auch: Nach tödlicher Gewalttat: CDU fordert Videoüberwachung

Autor

 

Bilder