Ein bisschen gefreut habe ich mich schon, als ich in der aktuellen „Hamlet“-Aufführung Leo Goldberg als Horatio im braun melierten Rollkragen-Pullover auf der Bühne sah. Der Pullover kam mir bekannt vor und meine Vermutung bestätigte sich bei meinen Recherchen im Nachhinein. Er gehörte zur Kostümausstattung der Inszenierung von Schauspieldirektor Werner Freese in der Spielzeit 1976/77, an der ich als Regieassistentin mitgewirkt hatte. Alle männlichen Darsteller des „Hamlet“-Ensembles trugen damals diesen grobgestrickten Pullover. Nicht nur die Kostüme dieser Meininger „Hamlet“-Aufführung waren außergewöhnlich. Auch die szenische Darstellung hob sich gegenüber vorherigen Inszenierungen ab. Vor allem der Dänenprinz fiel aus seiner bislang bekannten Rolle. Er war kein grüblerischer, durchgeistigter Hamlet, sondern ein rasanter, der in einer Zeit, die aus den Fugen ist, nach seiner Bestimmung sucht. Angestiftet von seinem Vater, der durch seinen eigenen Bruder ermordet wurde, wird der humanistisch geprägte Prinz zum Mörder. Am Ende übernimmt der kriegerische Norweger-König Fortinbras die Macht und die Dänen gehen in die Fremdherrschaft. Der Rest ist Schweigen.
Theater Meiningen „Hamlet“ und kein Ende
Carola Scherzer 05.02.2024 - 12:20 Uhr