Testbus im Landkreis unterwegs „Ein wenig unangenehm und vielleicht mit einer Träne“

Werner Scheler lässt sich von Christine Zitzmann testen. Foto: /Carl-Heinz Zitzmann

Ihren Beruf als Krankenschwester hat Christine Zitzmann geliebt. Jetzt darf sie noch einmal in die Rolle schlüpfen. Mit dem Testbus ist sie im Landkreis unterwegs und testet in zehn Orten alle, die es möchten auf Corona.

Judenbach - Der Testbus hat am Donnerstagfrüh kaum vor dem Gemeindezentrum Halt gemacht, als schon der Erste vor der Tür steht. „Einen Moment noch“, bittet Busfahrer Heiko Langbein. Er muss erst für Strom sorgen, denn heute ist er nicht nur Chauffeur, sondern auch Bürokraft. Der Computer läuft und es kann losgehen.

Seit Mitte Mai ist der Testbus unterwegs, um in zehn Orten des Landkreises den Leuten vor Ort die Möglichkeit zu geben, sich auf das Corona-Virus testen zu lassen. „Eine wunderbare Ergänzung zu den Teststellen des DRK, Apotheken und anderen Einrichtungen“, freut sich nicht nur Christine Zitzmann, sondern auch all diejenigen, die zu ihr kommen. „Es ist praktisch und man braucht keinen Termin“, stimmt die junge Frau, die schon als Nächste wartet zu. „Ja, es wird sehr gut angenommen“, erzählt die „Testerin“. Allein am Mittwoch, als man in Mengersgereuth-Hämmern, in Schalkau und in Steinach Halt gemacht hat, sind 37 Männer und Frauen zu ihr gekommen. Die Idee, die man schon Anfang des Jahres hatte und die jetzt endlich umgesetzt werden konnte, kommt an.

Extra für ihren neuen Job absolvierte Christine Zitzmann eine Schulung in der Rosen-Apotheke. „Ich bin zwar ausgebildete Krankenschwester, aber man lernt nie aus“, begründet sie. Dr. Hartmut Frey zeigte ihr, wie man den Test richtig macht, erklärte ihr die Materialien und machte deutlich worauf an achten muss, um sich selber und andere nicht zu gefährden. „Es ist ja nicht schwer, aber man muss aufpassen“, sagt sie. Dass sie in er Pandemie helfen möchte, hatte sie schon lange für sich entschieden und mehrfach ihre Hilfe angeboten. Dass sie nun im Testbus mitarbeiten darf, freut sie ungemein. „Wir sind nun mal ein ländlicher Raum mit vielen kleinen Orten und da ist es doch toll, wenn man so eine mobile Testeinheit hat“, sagt sie. Dankbar ist sie allen, die das möglich gemacht haben – dem Landkreis, dem DRK, der für das Material und die Ausstattung sorgt und der OVG, die den Fahrer stellt. „Das ist durchaus keine Selbstverständlichkeit“, betont sie. Natürlich hätten heute viele ein Auto. Aber erst weite Wege fahren, um sich testen zu lassen? Außerdem ist nicht jeder mobil. Genau deshalb ist der Testbus ein ganz wichtiger Mosaikstein.

„Büroleiter“ Heiko Langbein hat inzwischen die erforderlichen Daten des ersten Besuchers aufgenommen und bittet noch um eine Unterschrift. Jetzt darf Werner Scheler Platz nehmen. Er kennt sich in Sachen Test aus, musste diese Prozedur, wenn er seine Frau im Altenheim besuchen wollte, schon des Öftern über sich ergehen lassen. „Den Kopf etwas nach hinten“, bittet Christine Zitzmann und fügt „es kann etwas unangenehm werden und auch zu Tränen rühren“, hinzu. Geschafft. Werner Scheler darf den Bus verlassen, um draußen auf sein Ergebnis zu warten. Die Nächsten sind schon da. Das Ehepaar aus Judenbach möchte die Kinder besuchen und macht vorsichtshalber den Test. „Da ist man doch sicherer“, begründen sie. Für die ist es unheimlich praktisch, dass man den Test quasi vor der Haustür machen kann, nicht erst irgendwo hinfahren muss oder einen Termin braucht. Außerdem kann man durch den Test Infektionen schnell aufdecken und mögliche Ansteckungsketten frühzeitig unterbrechen.

Christine Zitzmann ist in ihrem Element. Man merkt wie gern die 67-Jährige diese Arbeit macht. „Es war mein Lieblingsberuf und es macht mir noch immer großen Spaß“, gibt sie offen zu und bedauert es fast ein wenig, dass sie in den letzten Jahren andere berufliche Wege gegangen ist. Aber auch als Landtagsabgeordnete und später Landrätin war sie sehr engagiert und voll dabei. Manch einer lobt sie dafür, wenn er heute zu ihr in den Testbus kommt. „Dann hab ich ja doch was richtig gemacht“, ist sie zufrieden. Überhaupt, das Gespräch, dafür nimmt sie sich immer etwas Zeit. „Das tut so gut und man braucht das einfach, gerade in dieser Zeit“, begründet sie. Ihre „Gäste“ sehen es genauso. Viele haben sie auch mit Maske sofort wieder erkannt und freuen sich, die langjährige Politikern wieder einmal zu sehen und zu sprechen.

„Wir müssen das unbedingt fortführen“, ist sich Christine Zitzmann sicher. Für die Zukunft kann sie sich gut vorstellen, dass auch ein Impf-Bus unterwegs ist, im dem sich die Bürger auch aus den ganz kleinen Orten des Landkreises impfen lassen können.

 

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