Test: Lexus UX 300e Das Problem mit dem Stecker

Stefan Schreibelmayer

Die E-Mobilität ist auf dem Vormarsch. Auch der Toyota-Konzern schwenkt nach langem Zögern jetzt darauf ein. Doch weil Lexus beim UX 300e auf das hierzulande weniger häufige Chademo-E- Ladesystem setzt, kann es schon mal haarig werden

Das sollte man vielleicht auch nicht tun. Mit einem nahezu leeren Akku zur Ladesäule rollen. Kann ja immer mal was sein. Auch wenn es zumindest an den Autobahnen mittlerweile eine ordentliche Versorgung mit Schnellladern gibt. Hat uns einmal nur nichts genützt mit dem Lexus UX 300e. Weil es bei einem Zwischenstopp an der A 5 trotz einer ganzen Phalanx von Ladesäulen nur einen einzigen Chademo-Stecker gab. Der war defekt und konnte auch von der netten Dame an der Betreiber-Hotline trotz zeitraubender Versuche nicht zur Arbeitsaufnahme überredet werden.

Chademo statt CCS

Chademo? Das ist ein Ladesystem, das zwar in Asien weit verbreitet ist, in Europa aber setzt man auf CCS-Stecker. Zwar hat der UX 300e auch die Möglichkeit des AC-Ladens. Aber mit dem Nachteil, dass seine Ladegeschwindigkeit hier maximal 6,6 kW beträgt. Weshalb wir mehr als eine Stunde brauchten, um wenigstens so viel Strom nachzufassen, dass es sicher bis zum nächsten – und funktionierenden – Chademo-Stecker reichte.

Beim Laden nicht der Schnellste

Dort bedient sich der UX dann mit bis zu 50 kW. Was zwar auch nicht rekordverdächtig ist, aber immerhin ist der Akku in rund 50 Minuten von 20 auf 80 Prozent gefüllt. Das können andere deutlich schneller, und auf der Langstrecke nervt es auch. Denn wer auf der Autobahn nur etwas schneller als 100 km/h fahren will, der sollte spätestens nach 200 Kilometern die nächste Ladestation ansteuern. Immerhin: In der Stadt reicht die knapp 55 kWh fassende Batterie dank häufiger Energierückgewinnung für die nach dem realitätsnäheren WLTP-Zyklus versprochenen rund 300 Kilometer. Insgesamt aber war unser Durchschnittsverbrauch mit 22,5 kWh auf 100 Kilometern recht hoch.

Das alles zeigt, dass der Toyota-Konzern noch immer etwas mit der reinen E-Mobilität fremdelt. Und das obwohl, oder wohl eher gerade weil die Japaner die Hybrid-Pioniere sind und als einer von wenigen die Fahne des Wasserstoffantriebs hochhalten, wie wir gerade im wirklich guten Mirai erfahren konnten.

Grundsätzlich angenehm

Grundsätzlich ist der UX 300e übrigens ein angenehmer Begleiter. Wenn man will, legt er mit seinen 204 PS derart los, dass die Regelsysteme ein kurzes Reifenquietschen nicht verhindern können. Das Handling ist sportlich, was auch an dem tiefen Schwerpunkt durch die vor allem im Wagenboden verbaute Batterie liegt.

Innen geht es hochwertig zu, für die Information sorgen zwei große Bildschirme. Leider kann man den in der Mitte des Armaturenbretts nicht direkt mit den Fingern bedienen, sondern muss den Umweg über ein Touchpad nehmen – das ist etwas fummelig und birgt Ablenkungspotenzial. Platz ist ausreichend, hinten aber nicht üppig.

Hingucker

Ist das Innen-Design eher hochwertig-kühl, ist das Kompakt-SUV außen ein einziger Hingucker. Das gilt nicht nur, aber vor allem für den riesigen gezackten Kühlergrill, der von zwei flachen Scheinwerfern flankiert wird, bei denen die LEDs wie Blitze geformt sind. Am Heck fällt das durchgehende Leuchtenband auf, das in Rückleuchten ausläuft, die aus dem Blech herauszuwachsen scheinen. Als Preis gibt Lexus gut 43.500 Euro an, allerdings gibt es den UX 300e nur im Online-Leasing. Vielleicht ändert sich das ja noch. Und auf den CCS-Anschluss können die Japaner dann ja auch gleich umschwenken.

 

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