Temperaturen steigen Wieder Zecken-Alarm im Wald

Die Blutsauger sind wieder unterwegs. Foto: dpa/Patrick Pleul

Der Winter scheint gerade vorüber, der Frühling erst am Beginn – da wird in Thüringens Wäldern schon wieder vor gierigen Blutsaugern gewarnt.

Auch wenn die Vegetation am Boden gerade erst beginnt auszutreiben: Im Wald sind hier längst wieder die Zecken aktiv. Darauf macht die Landesforstanstalt Thüringenforst aufmerksam. „Zecken sind ab einer Lufttemperatur von etwa sechs Grad Celsius aktiv und verlassen den Boden, der zuvor als Winterquartier diente“, erklärte Thüringenforst-Vorstand Volker Gebhardt in einer Mitteilung am Mittwoch.

Die blutsaugenden Insekten können mehr als 60 verschiedene Krankheiten auf die Menschen übertragen – die bekanntesten sind die Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) eine gefährliche Hirnhautentzündung.

Steigende Gefahr

Dass auch der Winter vor einer Infektion nicht schützt, zeigt die Information der Krankenkasse Barmer ebenfalls vom Mittwoch deutlich: In diesem Jahr seien beim Robert-Koch-Institut (RKI) bereits 15 Borreliose-Infektionen aus dem Freistaat gemeldet worden. Im gesamten vergangenen Jahr seien es landesweit 398 Fälle gewesen.

Mit den nun steigenden Temperaturen steige auch die Zeckengefahr rapide an, sagte Barmer-Landesgeschäftsführerin Birgit Dziuk. Deshalb sei Achtsamkeit bei Aktivitäten im Freien wichtig. „Wer draußen die Zeit für Gartenarbeit, Waldspaziergänge oder Picknick nutzt, sollte sich und gegebenenfalls die Kinder anschließend auf Zecken absuchen“, so Dziuk.

Borreliose-Bakterien werden durch Zeckenstiche, umgangssprachlich auch als Zeckenbisse bezeichnet, übertragen. Breiten sich diese ungehindert im Körper aus, drohen schwerwiegende Schäden wie Hirnhautentzündung, Gelenkentzündungen oder Herzprobleme. Deshalb sollte besonders auf runde Hautrötungen geachtet werden, die als erstes Anzeichen für eine Infektion einige Tage oder Wochen später um den Zeckenstich herum auftreten. In diesem Fall sollte der Hausarzt oder die Hausärztin aufgesucht werden. Borreliose kann mit Antibiotika behandelt werden, es gibt aber keinen Impfstoff gegen sie, so die Barmer.

Anders ist dies bei der FSME. Hier gibt es einen Impfstoff – und die Impfung wird vor allem für Gebiete empfohlen, in denen die Zecken mit dem Erreger infiziert sind. Die FSME-Risikogebiete in Thüringen sind den Angaben zufolge die Landkreise Weimarer Land, Greiz, Hildburghausen, Saalfeld-Rudolstadt, Schmalkalden-Meiningen, Sonneberg, Ilm-Kreis, Saale-Holzland- und Saale-Orla-Kreis, außerdem die kreisfreien Städte Gera, Jena und Suhl.

Wie die Barmer erklärt, sind für einen kompletten Impfschutz gegen FSME drei Impfungen zur Grundimmunisierung erforderlich: Die zweite Impfung je nach Impfstoff ein bis drei Monate nach der ersten und die dritte fünf oder neun bis zwölf Monate nach der zweiten Impfung. Nach der dritten Impfung seien Auffrischimpfungen in Abständen zwischen drei und fünf Jahren erforderlich. Frühestens zwei Wochen nach der zweiten Impfung bestehe dann ein Impfschutz.

Kontrolle ist besser

Für Waldbesucher rät Thüringenforst, die Waldwege nicht zu verlassen und insbesondere das Überqueren von Wiesen bei höherem Graswuchs zu vermeiden. Das gelte ebenso für Lichtungen, Gebüsche, Unterholz sowie die Ufer von Bach- und Flussläufen. Die Zecken sitzen dort gern auf besonnten Gräsern und Zweigen vorwiegend in 30 bis 60 Zentimetern Höhe. Hier lassen sie sich von einem Wirtstier oder eben auch von einem Menschen im Vorbeigehen abstreifen. Ihre Opfer erkennen sie am Schweißgeruch.

Deshalb empfiehlt auch Thüringenforst-Chef Gebhardt, nach einem Waldbesuch solle man die Kleidung wechseln und den Körper auf einen möglichen Zeckenbefall kontrollieren, insbesondere Kniekehlen, Leistenbereich und Nacken, bei Kindern den ganzen Körper. Das Tragen heller, geschlossener Kleidung einschließlich Schuhwerk helfe, die dunkelbraun gefärbten Zecken oder deren Nymphen frühzeitig zu Erkennen beziehungsweise abzuwehren. Was vielleicht nicht modisch ist, aber hilft, sei, die Socken über die Hose zu ziehen, so der Forstexperte. Ebenso solle man seine Haustiere, insbesondere Hunde, nach der Runde im Wald absuchen.

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