Tanzsport Die Rennsteigperlen wollen wieder tanzen

Archivbild: Die Masserberger "Rennsteigperlen" bei der Abschlussveranstaltung der Thüringen Trophy. Foto: Archiv

Ihr Tanzturnier für das Wochenende nach Ostern haben die Tänzer vom Tanzsportverein Rennsteigperle Masserberg noch nicht abgesagt. Ein zweifaches 25-jähriges Jubiläum wollen sie damit begehen.

Masserberg - Schon 2020 wollte der Verein eigentlich 25 Jahre Tanzturniere in Masserberg feiern. Mit den Rotkäppchen-Turnieren – stets eine Woche nach Ostern – haben die Sportler in der Region ein einzigartig gut besetztes Tanzturnier ins Leben gerufen. Zu diesem Senioren-Turnier tanzt Jahr für Jahr auch die Elite auf Masserberger Parkett. Paare, die sonst um Weltranglistenpunkte wetteifern und auch solche, die auf Europa- und Weltmeisterschaften vordere Plätze belegen.

In diesem Jahr kommt noch das 25-jährige Jubiläum des Tanzsportvereins hinzu. Denn der Verein ist tatsächlich erst ein Jahr später gegründet worden, als die Turnierserie.

Und so ganz mochten die Tanzsportler noch nicht aufgeben, ihr Turnier in diesem Jahr stattfinden zu lassen. Es ist angemeldet und lange vorbereitet. „Die Planungen fürs kommende Jahr gehen üblicherweise im Mai los“, erklärt Jörg-Peter Sommer, Vorsitzender des Vereins.

Auch ein weiteres, noch jüngeres Event, das eher zwanglose Weihnachtsbaumturnier, musste 2020 ausfallen. Es wäre erst das vierte gewesen. Aber Jahr für Jahr hatte das Ereignis immer mehr Tanzfreunde nach Masserberg gelockt. Ein Turnier zwar, bei dem aber letztlich das Rahmenprogramm mit Winterwanderung, Bratwurstbraten oder Weihnachtsbaumschlagen fast wichtiger ist für die zahlreichen Besucher. Anfang Oktober – da waren Tanzturniere in Deutschland noch zugelassen – hatte die Anmeldung begonnen und die Teilnehmerzahlen wären wieder rekordverdächtig geworden, sagt Sommer.

Nun der zweite Anlauf, das Rotkäppchenturnier 2021 stattfinden zu lassen. Beantragt hat das der Verein schon im Vorjahr. „Wenn wir jetzt noch einmal absagen müssen, trifft es uns besonders hart“, sagt Jörg-Peter Sommer. Wie und ob das der Verein verkrafte, müsse man erst sehen. Die Veranstaltungsversicherung, die der Freistaat aufgelegt hat, kommt für die Rennsteigperlen einen Tag zu spät. „Im vergangenen Jahr haben Gemeinde, Sparkasse und fast alle Sponsoren uns unterstützt, obwohl wir absagen mussten.“ Trotzdem fehlten dem Verein Einnahmen. Und das nicht zu knapp. Eine Musikkapelle war bestellt, die Wertungsrichter gebucht und auch Pokale könne man nicht erst einen Monat vor dem Ereignis bestellen. Start- und Eintrittsgelder fehlten. „Das gleiche Risiko gehen wir jetzt wieder ein.“ Wohlwissend, dass der Versuch auch scheitern könnte.

Hinzu kam im Vorjahr, dass der Verein keine Unterstützung durch Hilfsgelder erhalten hat. „Dass wir in den Jahren sparsam gewirtschaftet haben und für verschiedene Ereignisse etwas zur Seite gelegt hatten, ist uns jetzt auf die Füße gefallen“, meint Sommer. Der Verein hat aber auch Gutes erfahren im Pandemiejahr. Verkaufte Eintrittskarten wurden nicht sofort wieder in Geld eingelöst. „Das hat uns sehr geholfen.“ Eine Vorkasse für die mögliche Veranstaltung will der Verein dieses Jahr nicht anbieten. „Wir müssen ja ohnehin erst einmal schauen, ob und wo wir veranstalten können und wie viele Besucher wir dann hereinlassen dürfen.“ Oder ob überhaupt Zuschauer kommen dürften? „Ohne Zuschauer können wir das Turnier nicht finanzieren“, sagt der Vereinschef. Es sei denn, der Verein könne weitere Sponsoren finden, die das Ansinnen der Tänzer unterstützen. Der Verein hat, nach Aussagen von Jörg-Peter Sommer, seine Hausaufgaben gemacht. Hygienekonzepte sind fertig. Die hatte es schon sehr zeitig gegeben, weil der Verein einen Raum in der Masserberger Klinik nutzt. Der Verein hat sich auch im Landkreis und den Nachbarkreisen auf die Suche nach einem anderen Raum begeben.

Eine Verschiebung des Termins komme nicht infrage. „Da haben wir keine Chance“, sagt Sommer. „Wenn wieder geöffnet wird, überschlägt sich alles. Dann kommen zunächst die Pflichttermine, wie Landes- und Deutsche Meisterschaften und Ranglistenwettkämpfe und wir würden mit ähnlichen Turnieren in Deutschland konkurrieren.“ Dazu sei das Turnier bereits zu groß. Wenn dann die Leistungsklassen fehlten, verlöre das Masserberger Turnier an sportlichem Wert.

Nahezu alle Vereinsmitglieder trügen die Corona-Maßnahmen mit. „Wir sind auch keine Corona-Leugner und befürworten die Maßnahmen zur Eindämmung. Allerdings stellen wir fest, dass viele nicht mehr nachvollziehbar sind“, sagt Sommer. Im Vorjahr waren schon Tanzsporttrainings untersagt, als noch Amateurfussball-Mannschaften trainiert haben und Tischtennis stattfand, sagt er. Man wolle keine Neiddebatte, aber: „Wir hätten beste Möglichkeiten mit großen Hallen, die eine gute Be- und Entlüftung haben, hier darf nicht einmal ein Paar plus Trainer üben.“ Und dabei gebe es im Verein noch die Besonderheit, dass alle Tanzpaare zusammen in häuslicher Gemeinschaft leben. Zwei zusätzliche große Räume hat der Verein angemietet und darf sie nun nicht einmal für Einzeltrainings nutzen, beklagt Sommer. Das sei in anderen Bundesländern durchaus anders. In Bayern und Sachsen beispielsweise dürfen Paare der Spitzenklasse – und die hat Masserberg auch – gemeinsam mit einem Trainer üben.

Bei all dem sorgt sich Sommer auch um den Qualitätsverlust. „Unsere Paare der Leistungsklasse trainieren Minimum drei Mal in der Woche“, verdeutlicht Sommer. Unter der Pandemie könne man mit ein bis zwei Trainings pro Woche wenigstens den Stand erhalten. „Wenn das Trainingsverbot noch ein bisschen andauert, dann wird es in absehbarer Zeit so sein, dass die Masserberger Paare national und international über einen längeren Zeitraum keine Chance mehr haben werden“, ist Sommer sicher.

Der Verein lebt zwar den Gesundheits- und Breitensport im Ehrenamt, die Leistungsklassepaare könne man aber durchaus auch zum Spitzensport zählen, sagt Sommer. Die Hoffnung geben sie noch lange nicht auf. Aber für den langen Atem, den sie benötigen, könnten sie noch ein paar Unterstützer gebrauchen.

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