Tage der seelischen Gesundheit Das darf kein Tabuthema mehr sein!

Am kommenden Montag vermittelt dazu der Selbsthilfe-Aktivist Franz-Josef Wagner bei zwei Lesungen im Ilm-Kreis seine Erfahrungen.

Seelische Probleme und deren Auswirkungen werden oft unterschätzt beziehungsweise tabuisiert (Symbolfoto). Foto: Image/Joker

Psychische Erkrankungen nehmen seit Jahren spürbar zu – auch im Ilm-Kreis. Die seelische Gesundheit muss stärker in den Mittelpunkt unserer Gesellschaft rücken. Und daher beteiligt sich auch der Ilm-Kreis, gemeinsam mit verschiedenen Partnern, an den Tagen der seelischen Gesundheit 2025. Es geht dabei darum, Vorurteile abzubauen und Mut zu machen. Denn nur gemeinsam – mit Betroffenen, Angehörigen, Interessierten und Fachkräften – kann eine Umgebung geschaffen werden, in der psychische Gesundheit kein Tabuthema mehr ist.

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In diesem Jahr sind die Bürgerinnen und Bürger zu zwei Lesungen in Arnstadt und Ilmenau sowie zur Vorstellung des Gemeindepsychiatrischen Verbundes in Ilmenau eingeladen, verbunden mit einer Ausstellung. Das teilt das Landratsamt mit. Die Veranstaltungen sind jeweils kostenfrei.

Ein ungewöhnlicher Lebensweg

„Hinfallen – Aufstehen – Weitergehen. Selbsthilfe als Selbstfindung – Recovery durch Selbsthilfe“. Unter diesem Titel hat Franz-Josef Wagner, langjähriger Vorsitzender des Landesverbandes der Psychiatrie-Erfahrenen Rheinland-Pfalz und Mitbegründer der bundesweiten Selbsthilfeorganisation NetzG, ein Buch geschrieben, in dem er seinen eigenen, biografischen Lebensweg vom Psychatrie-Patienten zum engagierten Aktivisten der Selbsthilfe schildert. Er präsentiert es auf zwei Lesungen im Ilm-Kreis am Montag, 20. Oktober, ab 10 Uhr in der Psychosozialen Begegnungsstätte von Arnstadt (Rosenstraße 33) sowie nochmals ab 14 Uhr im Teilhabezentrum Ilmenau (Kirchplatz 4).

„Ich lebe jetzt bei 120 Prozent“

Die Geschichte von Franz-Josef Wagner als Psychiatrie-Patient beginnt mit dem Verlust seines Jobs und dem Absturz in eine Manie. Lange gilt er als chronisch psychisch krank. Immer wieder und über Jahre hinweg wird er in die Psychiatrie zwangseingewiesen, mit Diagnosen wie Manie, bipolare Störung oder Schizophrenie. Er schafft es, wieder auf die Beine zu kommen, fällt abermals und steht wieder auf. So geht das über Jahre. Aber der engagierte Selbsthilfe-Aktivist gewinnt schließlich an Lebensqualität und sagt am Ende sogar: Ich lebe jetzt 120 Prozent. Gemeinsam mit der Journalistin Cornelia Schäfer skizziert Wagner, was ihn auf seinem Genesungsweg beflügelte und wie er in der Selbsthilfe der Betroffenen eine neue Lebensaufgabe fand. Neben der eindrucksvollen Erzählung ergänzen Aussagen von Weggefährtinnen und Weggefährten den Blick auf einen ganz und gar ungewöhnlichen Lebensweg.

Prägende Persönlichkeit der Selbsthilfe

Deutlich wird dabei: Die Geschichte der Selbsthilfe in Deutschland ist auch eine Geschichte von prägenden Persönlichkeiten und Vorbildern – und Franz-Josef Wagner gehört dazu. Heute ist er zunächst mal Ingenieur und Kaufmann – sowie Lebenskünstler und Aktivist für die Selbsthilfe seelische Gesundheit. Und vor allem ist er Mutmacher.

Moderiert wird diese Veranstaltung von Dirk Bennewitz. Der einstige Vorreiter beim Thema „Personenzentrierte Komplexleistungen“ in Thüringen ist seit vielen Jahren als Berater, Coach und Fortbildner vorwiegend im psychiatrischen Bereich unterwegs.

Leistungen im Verbund

Am Dienstag, 21. Oktober, stellen sich dann von 10 bis 15 Uhr im Mehrgenerationenhaus Ilmenau („Alte Försterei“) die Mitglieder des Gemeindepsychiatrischen Verbundes des Ilm-Kreises mit ihren Angeboten für psychisch Erkrankte vor. Aber auch deren Angehörige, Freunde und Bekannte, Nachbarn sowie Interessierte jeden Alters sind herzlich dazu eingeladen. Dabei wird auch die Suchtproblematik thematisiert.

In der „Altern Försterei“ Ilmenau befinden sich das Mehrgenerationenhaus und das Frauen- und Familienzentrum. Foto: Marina Hube

Beantwortet werden Fragen rund um die Themenfelder „Beratung – Behandlung – Therapie – Unterstützung im Wohnen, bei der Arbeit, bei der Tagesstruktur und bei Sozialkontakten, beim Handeln in Krisen- beziehungsweise Notsituationen. Interessierte können sich vor Ort informieren, Rat holen und bei Bedarf Unterstützung einleiten.

Der Gemeindepsychiatrische Verbund Ilm-Kreis ist ein verbindlich kooperierendes Netzwerk mit dem Ziel, psychisch Erkrankten der Region die passgenaue Unterstützung zu verschaffen, die sie brauchen. Zu den dort offerierten Angeboten gehören unter anderem Beratungen, Therapie, Behandlung, Unterstützung beim Wohnen mit ambulanter Betreuung in der Wohnung oder in einem Wohnheim, Unterstützung bei der Arbeit (Jobcoaching am Arbeitsplatz, Integration in den Arbeitsmarkt, Werkstatt für Behinderte und Integrationsfirmen) sowie eine Tagesstrukturierung und Teilhabe in Begegnungs- und Tagesstätten.

Bilder von Betroffenen

Zeitgleich ist aus Anlass der Tage der seelischen Gesundheit im Mehrgenerationenhaus Ilmenau eine Ausstellung mit dem Titel „unSICHTBAR – auch die Psyche hat Barrieren“ zu sehen.

Die Schau zeigt Bilder, die im Rahmen eines gemeinsamen Projektes von Psychosozialer Tagesstätte Ilmenau und Psychosozialer Begegnungsstätte Arnstadt vorwiegend von Menschen mit psychischer Erkrankung geschaffen wurden.

Zum Gemeindepsychiatrischen Verbund Ilm-Kreis gehören

Lebenshilfe Ilmenau
e. V.
Lebenshilfewerk Ilmenau/Rudolstadt e. V. Lebenshof Ettischleben Marienstift Arnstadt Tagesklinik und Psychiatrische Institutsambulanz Arnstadt des Ökumenischen Hainich-Klinikums Mühlhausen Tagesklinik und Psychiatrische Institutsambulanz Arnstadt der Helios- Fachkliniken Hildburghausen Kontext Ilmenau gGmbH Trägerwerk soziale Dienste Thüringen gGmbH Landratsamt Ilm-Kreis (unter anderem Sozialpsychiatrischer Dienst, Sozialamt und Jobcenter)