Tag der offenen Tür Den Schnitzschul-Meistern über die Schulter geschaut

Lutz Rommel

An zwei Tagen öffnete die Schnitzschule in Empfertshausen ihre Türen. Viele Interessierte, darunter auch ehemalige Schüler, folgten der Einladung.

Den Meistern über die Schulter schauen oder sich auch einmal selbst ausprobieren – das konnten Besucher an zwei Tagen an der Schnitzschule in Empfertshausen.

Seit 1898 werden an der Schnitzschule in Empfertshausen Holzbildhauer ausgebildet. Die Schulung und Weiterbildung der Rhöner Schnitzer in der Region begann aber noch wesentlich früher. Ab 1878 wurde das holzverarbeitende Handwerk schon gefördert, um Kunstgegenstände oder Waren des täglichen Bedarfs in hoher Qualität und Masse zu produzieren. Dies brachte Industrie verschiedener Gewerke und Wohlstand in manche Rhöndörfer und machte Empfertshausen zum Mekka der hiesigen Schnitzkunst. Gerade die Herstellung von Souvenirs „Made im Feldatal“ boomte lange Zeit hier und nicht wie heute in China.

Mit dem ständigen Wandel wechselte auch das Angebot und passte sich immer wieder neu an. Heute ist die Schnitzschule eine von zehn Einrichtungen dieser Art in Deutschland, die einzige in den neuen Bundesländern. Sie gehört als Außenstelle zum Berufsbildungszentrum in Bad Salzungen.

Fred Rottenbach, der Leiter des Außenpostens in der Rhön, gehört zum neunköpfigen Ausbilderteam, das Theorie und Praxis im Blockunterricht an die 45 Schüler in drei Lehrjahren vermittelt.

Eine Schüler GmbH, die unter anderem private Projekte betreut, hat sich ebenfalls gegründet. Weitere Projekte mit Firmen begleitet die Einrichtung ebenso.

Auf der Jobmesse in Erfurt wird die Schnitzschule präsent sein, berichtete Fred Rottenbach. „Klappern gehört ja schließlich zum Handwerk“, sagte er. Trotz guter Auslastung sei es wichtig, sich um den Nachwuchs zu kümmern, befand er, auch mit Blick auf die schlechte personelle Lage im Handwerk allgemein.

Restauratoren ausbilden

Daher wolle man sich künftig breiter aufstellen. Mit dem BTZ in Rohr wird eine Zusammenarbeit angestrebt, um Restauratoren ausbilden zu können. Der Bedarf an diesem komplexen Handwerk sei vorhanden und würde den Stellenwert der Empfertshäuser Bildungsstätte nochmals erheblich aufwerten, befand der Außenstellenleiter. Wenn alles klappt, könnte im kommenden Schuljahr schon der Startschuss fallen, ließ Rottenbach wissen.

Wer am Tag der offenen Tür selbst Hand anlegen wollte, hatte die Gelegenheit, sich am Lindenholz, das vorwiegend verarbeitet wird, zu probieren.

Ebenso konnte man auch in andere künstlerische Bereiche hinein schnuppern, die in Empfertshausen vermittelt werden.

Gleich eine ganze Gruppe von Interessierten des Eisenacher Kunstpavillons, die gerade eine Kunsthalle sanieren, sammelte wichtige Erfahrungen bei ihrem Besuch und konnte wertvolle Tipps von den Profis erfahren.

Die Vielfältigkeit von Kunst und Handwerk in der Breite ist es, die hier zusammenkommt, erklärte Fachlehrer Steffen Kranz. Neben Holz wird auch mit Ton oder Keramik gearbeitet. Das kunsthandwerkliche Geschick stehe dabei im Vordergrund, aber auch die Bedienung von Maschinen zur Holzverarbeitung werde vermittelt, sagte er beim Rundgang. So wird auch gesägt, gehobelt oder gedrechselt. Wenn die Schnitzschüler dann mit der Kettensäge arbeiten, fliegen die Holzspäne doch schon mal etwas kräftiger.

Für interessierte Laien bietet die Schnitzschule in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule in Bad Salzungen Schnitz- und Keramikkurse an. Für eine Gruppe ukrainischer Kinder, die zur Zeit in Oechsen und Umgebung leben, wurde zudem ein gemeinschaftlicher Nachmittag veranstaltet. Organisiert von der Oechsener Gemeindepädagogin Susan Heiderich und ihrer Tochter Hanna, die erst kürzlich als Thüringerin des Monats ausgezeichnet wurde.

Unter Anleitung von Steffen Kranz und einigen Schnitzschülern wurde fleißig gebastelt und gewerkelt. Dabei entstand so manch kleines Kunstwerk.

 

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