Tag der offenen Tür Auf dem letzten Weg des Mülls

Selbst die Hitze am Samstag kann die Neugier auf das, was hinter der grünen Fassade der Müllverbrennungsanlage passiert, nicht ausbremsen. Mehr als 500 Besucher nutzen den Tag der offenen Tür, um den letzten Weg des Mülls live zu verfolgen.

Sven Spathmann aus Schleusingen arbeitet bei einem Müllentsorgungsunternehmen. „Ich fahre in paar Mal in der Woche die Anlieferungshalle der Raba an. Mehr aber habe ich von der Müllverbrennungsanlage noch nicht gesehen. Deswegen bin ich heute hier mit den Kindern“, sagt Sven Spathmann. Und das bei der Hitze. „Wir gehen danach ins Schwimmbad. Da gibt’s Abkühlung.“ Ramona und Andreas Thieme sind mit Tochter Caroline und Enkelin Emilia auch mit von der Partie. Die Zella-Mehliser wollten sich einfach mal anschauen, was hinter der Fassade des grünen Gebäudes steckt, das im Blickfeld vieler ziemlich präsent ist.

Auch sie nutzen eine der Führungen, die zum Tag der offenen Tür der Restabfallbehandlungsanlage (Raba) von den Mitarbeitern angeboten werden. Der technische Werkleiter Ulf Haferkorn führt die Rot behelmte Truppe in die Halle, in der der Müll angeliefert wird. Der typische Müllgestank, der hier automatisch erwartet wird, hält sich tatsächlich in Grenzen. Die Luftabsaugung macht es möglich. Schrecksekunde. Die Alarmglocken schrillen. Brände im Müllbunker gibt es immer wieder. „Und es wird sie immer wieder geben“, sagt Ulf Haferkorn. Grund dafür sei, dass des Öfteren Dinge in den Müll gegeben werden, die da definitiv nicht hingehören. Akkus beispielsweise. Oder Lösungsmittel. „All das kann dazu führen, dass sich der Müll entzündet. Aber wir sind gut auf solche Brände vorbereitet. Wärmebildkameras überwachen den Müll. Wird der heißer als 72 Grad, gibt’s Alarm und die Löscheinrichtungen werden ausgelöst. Und wir haben eine sehr gute Zusammenarbeit mit der Zella-Mehliser Feuerwehr“, sagt Ulf Haferkorn.

Zum Glück ist alles im grünen Bereich und die Führung kann weitergehen. Unter anderem zum Herz der Anlage – zur Verbrennung selbst.

Durch kleine Luken lässt sich beobachten, wie der Müll bei etwa 1000 Grad zu etwas zerbröselt, das sich später als Schlacke präsentiert. „Was übrig bleibt, ist eine Mineralik und immer wieder auch Metall, das mit als Abfall unter anderem von Baustellen angeliefert wird“, erläutert der Werkleiter. Die Mineralik wird gesiebt und zu Baustoffen verarbeitet, die beispielsweise auf stillgelegte Deponien als Abdeckung kommen.

Aufstieg zum Kranfahrer, der sein Reich ganz oben über dem Müllbunker hat, den er bewirtschaftet und dafür sorgt, dass die Müllfraktionen so eingefüllt werden, dass der Verbrennungsprozess optimal verlaufen kann. Sein Arbeitsplatz ist genauso gut klimatisiert, wie die Leitwarte. Gut so, denn die Mitarbeiter brauchen einen kühlen Kopf und müssen ständig alles im Blick haben. Und das rund um die Uhr.

Am Ende sind die Gäste beeindruckt. Davon, wie sauber es in der Anlage, in der man eigentlich viel Gestank und Dreck vermutet, zugeht. “Da kann man echt mit weißen Hosen durchlaufen“, sagt eine Besucherin. Beeindruckend für viele auch, dass bei der Müllverbrennung so viel Energie gewonnen wird. Mancher von den Besuchern wird das grüne Ungetüm, das vor seinem Bau Anfang der 2000er Jahre so viele Diskussionen und Auseinandersetzungen erzeugt hat, nun mit anderen Augen sehen. Und vielleicht trägt der Tag der offenen Tür auch dazu bei, dass der eine oder andere genauer darauf achtet, was in den Müll fliegt. Mülltrennung ist ein gutes Stichwort. So bleibt auch dieses Mal die Frage nicht aus, ob es denn stimmt, dass in dem Müllofen auch haufenweise Gelbe Säcke verbrannt werden? „Was wir hier aus den Gelben Säcken verbrennen, sind die Dinge, die aussortiert werden müssen. Aus den Sortieranlagen bekommen wir etwa 50 Prozent des Inhaltes der Säcke, weil das quasi falscher Gelber Müll drin ist, den wir schließlich mit verbrennen“, sagt Ulf Haferkorn.

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