Nun müssen syrische Gerichte mit den Hinterlassenschaften des Bürgerkriegs umgehen, in dem nach Schätzungen mehr als 500.000 Menschen getötet wurden. In vielen Fällen geht es um die Strafverfolgung unter anderem wegen systematische Folter, Massenmord, gewaltsame Niederschlagung friedlicher Demonstrationen und Folter mit Todesfolge, auch immer wieder an Minderjährigen.
Umstritten ist außerdem, dass sich die Verfahren bislang vor allem gegen Vertreter der früheren Regierung richten. Kritiker bemängeln, dass Verbrechen anderer bewaffneter Gruppen, darunter dschihadistische Fraktionen und Rebellenmilizen, bislang weitgehend außen vor bleiben. Andere sehen in den Prozessen den Versuch, die Bevölkerung und ausländische Partner politisch zufriedenzustellen.
"Wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu Gerechtigkeit"
Die Verurteilung Assads dürfte zunächst vor allem symbolische Bedeutung haben. Der frühere Präsident und sein als "Schlächter" bekannter Bruder Mahir flohen nach dem Sturz der Regierung nach Russland. Sollten die beiden eines Tages gefasst oder ausgeliefert werden, warten auf sie die Justizbehörden.
Von Verantwortlichen im Gerichtssaal hieß es: "Dies ist nicht das Ende des Weges, sondern vielmehr ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu Gerechtigkeit, Wiedergutmachung für die Opfer und der Wahrung der Rechtsstaatlichkeit."
In den kommenden Wochen stehen weitere Prozesse an. Die nächste Anhörung im Fall von Wassim al-Assad, einem weiteren Cousin des ehemaligen Präsidenten, ist für den 18. August angesetzt. Gegen den früheren Großmufti Ahmed Hassun soll am 24. August das Urteil verkündet werden. Beide befinden sich in Syrien.