Suhl/Zella-Mehlis Prügel für den Pflegedienst

Martin Berkes und Nicole Stizel von Foto: frankphoto.de

Für Pflegedienste ist es alles andere als einfach, eine Parklücke dort zu finden, wo sie ihre Patienten aufsuchen. Ihnen drohen Knöllchen, Beleidigungen und im schlimmsten Fall sogar Schläge.

Suhl - Das Thema Pflegedienste und Parkmöglichkeiten ist so etwas wie eine unendliche Geschichte. Seit Jahren, so erklärt Lars Jähne, der für die CDU im Suhler Stadtrat sitzt, kocht genau diese Frage immer wieder im Sozialausschuss hoch. Getan hat sich bisher nichts. Auch Ärzte im Einsatz können ein Lied davon singen. Sie werden zu einem Hausbesuch gerufen und müssen sich von Anwohnern Dinge an den Kopf werfen lassen, die alles andere als schön sind. Aus einem einzigen Grund: Sie finden keinen Parkplatz. Also stellen sie sich gezwungenermaßen auf privat gemietete Stellflächen. „Häufig werden sie dann von denen angegangen, denen der Parkplatz gehört“, hat Lars Jähne schon oft zu hören bekommen.

„Wir werden beschimpft. Uns werden Gesten gezeigt, die man nicht sehen möchte. Gerade dann nicht, wenn man sowieso im Stress ist“, sagt Nicole Stizel von der ambulanten Pflegeleitung der Advita. Martin Berkes, stellvertretender Niederlassungsleiter, kann sogar noch einen draufsetzen. Erst vor wenigen Wochen seien einer Mitarbeiterin Schläge von älteren Herrschaften angedroht worden, die noch dazu selbst Pflege bekommen. „Die Leute zeigen kein Verständnis“, sagt Berkes.

Dabei hat man die eigenen Mitarbeiter längst sensibilisiert, möglichst niemanden zu behindern. Feuerwehrzufahrten und Behindertenparkplätze sind ohnehin tabu. Wenn dann also ein privat gemieteter Parkplatz herhalten muss, dann hagelt es böse Worte, telefonische Beschwerden oder anonyme Briefe.

Auf städtischen Flächen müssen sich die Mitarbeiter hingegen keine Beschimpfungen gefallen lassen. Dafür kleben an den Frontscheiben regelmäßig Knöllchen. „Zack, 15 Euro weg“, beschreibt Martin Berkes die Realität. Wer gerade mal zu einer Medikamentenreichung bei einem Patienten vorbei schaut und dann nach wenigen Minuten zurückkehrt, der hat mehr Kosten als Einnahmen. Und selbst wenn 200 Meter weiter ein freier Parkplatz für eben solche Zwecke geschaffen würde, wäre das nicht in jedem Fall eine Lösung. „Wenn wir beispielsweise Einkäufe für unsere Patienten erledigen müssen, dann kann es schon mal schwer werden. Das kann man nicht in jedem Fall über weitere Strecken schleppen“, erklärte Nicole Stizel. Zumal den Pflegekräften die Zeit im Nacken sitzt.

Martin Berkes kennt sogar Berichte, wonach sich Mitarbeiter seines Unternehmens in ihrer Not auf reservierte Parkplätze hinter einer Schranke gestellt hätten. Darauf hätten Anwohner diese Schranke ganz bewusst verschlossen und dann die vergeblichen Versuche der Advita-Mitarbeiter, das Gelände zu verlassen, vom Fenster aus beobachtet. Dabei blockieren Pflegedienste und Ärzte oft nur minutenweise die Stellplätze.

Lars Jähne würde sich wünschen, dass die Menschen in dieser Frage ein Stück mehr Toleranz zeigen. Quasi als guten Vorsatz für das neue Jahr, schlägt er vor. „Wer einfach mal darüber hinwegsieht, dass der eigene Parkplatz in solch einem Fall zugeparkt ist, der wertschätzt damit die Arbeit der Notdienste. Für die Mitarbeiter ist es sowieso schon ein schwerer Job. Die gehen ja nicht zu den Leuten zum Kaffeetrinken“, rührt Jähne die Werbetrommeln. Zumal sich jeder selbst überlegen muss, dass er irgendwann selbst ein Pflegefall werden könnte.

Trotz mehrfacher Versuche gab bisher keine Einigung mit Vermietern. Klar: Stellen sie einen Parkplatz pro Wohnblock beispielsweise in den Neubaugebieten zur Verfügung, dann sind das pro Jahr Kostenausfälle in Höhe von 360 Euro. Für nur einen Parkplatz. Nötig wären solche Flächen trotzdem. Denn nicht nur Pflegedienste und Ärzte wissen nicht wohin mit dem Auto. Auch Handwerker oder Besucher stehen oft vor der gleichen Frage.

 

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