Suhl Waren Simson-Mopeds für Frauen ein Symbol der Freiheit?

Ein generationsübergreifendes Projekt für Suhl startet jetzt das Community Art Center Suhl. Beteiligung ist ausdrücklich erwünscht.

Frauen in der Simson-Produktion – ihre Geschichten sind gefragt. Foto: Stadtarchiv suhl

Simson-Mopeds sind gerade wieder sehr angesagt, und zwar in ganz Deutschland. „Doch hinter der Kult-Marke stecken mehr als nur Technik und Nostalgie: Es ist auch die Geschichte unserer Stadt und der Suhler. Das Community Art Center Suhl startet nun das Projekt ‚Nicht nur die Schwalbe ist weiblich’, um genau diese Geschichten zu bewahren und gemeinsam mit der nächsten Generation neu zu erzählen. Im Fokus stehen dabei die oft unsichtbar gebliebenen Perspektiven von Frauen. Wir freuen uns, dass das Thema Simson gerade auch überregional Aufmerksamkeit bekommt, etwa durch das von zwei Berlinern gestartete Theaterprojekt „Freiheit:Simson“, betont Rafael Brix, Vorsitzender des Vereins unofficial.pictures und Leiter des Community Art Centers Suhl. Auch der lokale Verein plant schon seit 2024 ein Projekt dazu und will nun nach einer finanziellen Förderung starten. Das Herzstück des Projekts ist der direkte Austausch zwischen den Generationen. Daher sucht das Team dringend nach Zeitzeuginnen aus Suhl und Umgebung: Gesucht werden zum einen ehemalige Mitarbeiterinnen der Simson-Werke aus Produktion, Verwaltung oder Entwicklung – vielleicht auch Stimmen, die die Schließung des Betriebs und den Umbruch nach 1990 hautnah miterlebt haben. „Wir wollen wissen: Wie war das Arbeitsklima, wie das Verhältnis zu den männlichen Kollegen und haben Frauen auch mit an den verschiedenen Modellen entwickelt? Wie kam es zur Entstehung der Schwalbe als Damenmoped und wie fand sie ihren Namen? Welchen Einfluss hatte die abrupte Abwicklung der Firma durch die Treuhand auf die Lebenswege der Arbeiterinnen?“, zählt Rafael Brix auf.

Nach der Werbung weiterlesen

Kooperation mit dem Gymnasium

Ein besonderes Augenmerk soll aber auch auf der Nutzung der Mopeds durch Frauen liegen. Waren die Mopeds für sie auch ein Symbol für Freiheit oder waren andere Dinge wichtiger? „Welche Erinnerungen haben die Frauen in Suhl und in den Dörfern der Umgebung an ihr Unterwegssein mit der Schwalbe oder anderen Simson-Mopeds? Was war anders, wenn man nicht im abgeschirmten Auto herumgerast ist, sondern so offen fuhr und anhalten, reden und zuhören konnte?“, erklärt Susann Neuenfeldt, die für das am Projekt beteiligte Theaterkollektiv Panzerkreuzer Rotkäppchen die Künstlerische Leitung übernommen hat. Bereits jetzt gibt es eine Kooperation mit dem Friedrich-König-Gymnasium Suhl, weitere Anfragen an Schulen laufen. Ziel ist es, dass die gefundenen Zeitzeuginnen nicht nur interviewt werden, sondern – wenn möglich – auch persönlich an die Schulen kommen.

Gemeinsam am Moped schrauben

Das Team bietet aber auch andere Wege der Beteiligung an. Neben persönlichen Gesprächen können Geschichten – und gerne auch Fotos – auch vollständig anonym geteilt werden: schriftlich per Einwurf in den Briefkasten des Community Art Centers (Steinweg 28, 98527 Suhl), per Mail an info@cac-s.de oder mündlich über den Anrufbeantworter unter (03681) 4 66 29 36. Alle Inhalte werden auf Wunsch anonym behandelt.

Und weibliche Jugendliche können den Sommer über gemeinsam an Simson-Mopeds schrauben und am Ende eine Performance gestalten. Das Projekt sucht daher auch junge Leute. Ein eigenes Moped und Erfahrungen sind dafür nicht nötig.

Kontakt: Community Art Center Suhl, Ansprechpartner: Rafael Brix, Telefon: (03681) 4 66 29 36, E-Mail: info@cac-s.de