Suhl "Suhl ist nicht Amerika, aber ..."

Die Stadt muss mehr tun: Demonstration vor dem Stadtrat für ein weltoffenes Suhl. Quelle: Unbekannt

Rassismus ist ein globales Problem. Die Stadt Suhl sei da keine Ausnahme, skandieren Aktivisten im Vorfeld des Stadtrates am Mittwochabend und verlangen, dass die Stadt mehr dagegen tut.

Suhl - "Suhl ist nicht Amerika, aber Black Lives Matter gilt auch für uns. Auch Suhl hat Rassismus und Hass", ruft Heidemarie Schwalbe der kleinen Gruppe Demonstranten zu, die sich gegenüber des Congress Centrums Suhl (CCS) versammelt hat.

Eine Stunde vor Beginn der Stadtratssitzung am Mittwochabend hatte das Suhler Bündnis für Demokratie und Toleranz, gegen Rechtsextremismus und Fridays for Future zu einer Kundgebung für ein weltoffenes und tolerantes Suhl aufgerufen. Im Anschluss machte man sich ins CCS auf. Hier sollten der Worte erste Taten folgen: Die Fraktionen von Die Linke, Freie Wähler - Bündnis 90/Die Grünen und SPD legten dem Stadtrat einen Antrag vor, wonach sich die Stadt verpflichten solle, mehr für ein tolerantes und menschliches Miteinander zu tun. Der Antrag folgt einer Resolution des Deutschen Städtetages, der seine Mitgliedsstädte auffordert, stärker für eine offene Stadtgesellschaft einzutreten.

Dass die Stadt am Rennsteig, in der Menschen aus mehr als 80 Nationalitäten zu Hause sind, ein Rassismusproblem habe, bestätigen auf der Kundgebung gleich mehrere Besucher. Geradezu grotesk ist der Vorfall, der einer dunkelhäutigen Schülerin der Lautenbergschule im Stadtzentrum widerfahren ist: Dort habe sie eine Frau angehalten und gebeten, doch einmal in ihren Kinderwagen hineinzuschauen, weil sie herausfinden wolle, wie ihr kleines Kind auf schwarze Menschen reagiere. Denn diese habe es bislang ja noch nie leibhaftig zu Gesicht bekommen. Doch wo einfaches Ignorieren und Weitergehen noch möglich ist, wird es andernorts deutlich komplizierter und bedrohlicher, erzählt die Schülerin. Anfeindungen wie "Geh zurück in dein Land!" seien keine Seltenheit. Noch schlimmer zeigt sich die Ablehnung in der digitalen Welt: "Ich kriege viele Hassnachrichten über Instagram - auch von Leuten aus Suhl, die mich eigentlich kennen", erzählt die Suhler Schülerin, die in diesem Jahr ihren Abschluss gemacht hat.

Hass im Netz ist auch für Vincent Kühn eines der großen Themen der heutigen Zeit. "Auf Facebook äußern sich relativ viele Suhler menschenfeindlich", stellt der Chef von Fridays for Future Suhl fest. Auch deshalb sei das Beschließen der Resolution im Stadtrat so wichtig, denn strukturellen Rassismus gebe es auch in Deutschland. Man dürfe nicht zulassen, dass ein paar Laute die Mehrheit übertönen, so der Abiturient und ehemalige Schüler von Heidemarie Schwalbe.

Macht die AfD mit?

Offen blieb bei aller Diskussion, welche konkreten Maßnahmen nach dem Beschluss der Resolution folgen sollen. Heidemarie Schwalbe hofft zunächst auf eine gemeinsame Strategie, der sich Politiker aller Parteien anschließen, und die dann etwa die Frage beantwortet, wie man als Stadt mit Hassnachrichten im Internet umgeht.

"Interessant wird", meinte Vincent Kühn vor Beginn der Stadtratssitzung, "wie sich die AfD verhalten wird." Vermutlich werde sie die Resolution als reine Symbolpolitik abtun. Aber solch ein Symbol, sagt Kühn, könne mitunter eben auch der Startschuss sein, etwas zu ändern. kt

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