Suhl Festes Fundament für jüdisches Leben

Symbolisch für die Ermordeten und Vertriebenen werden an der Einweihungsfeier Steine auf dem restaurierten Brunnen niedergelegt. Foto: frankphoto.de

Die Leichenhalle und der Brunnen des jüdischen Friedhofs in der Straße der OdF sind feierlich eingeweiht worden. Setzungsrisse an beiden Bauwerken machten Restaurierungsarbeiten dringend nötig.

Suhl - Sie war von tiefen Rissen gezeichnet: die Leichenhalle auf dem jüdischen Friedhof in der Straße der OdF. 1936 wurde sie inmitten der Nazi-Herrschaft erbaut. Nun wurden die baulichen Mängel behoben und die Stätte wird wieder zu einem angemessenen Ort des Erinnerns und Gedenkens. Zwei Jahre dauerten die Arbeiten an, durch das neue Fundament soll es künftig keine Setzungsrisse mehr geben.

Überreste der Synagoge

„Die Fertigstellung passt wunderbar in unser Themenjahr Neun Jahrhunderte jüdisches Leben in Thüringen“, sagt Reinhard Schramm, der der jüdischen Landesgemeinde des Freistaats vorsteht. Denn die Juden seien hier nicht einfach vom Himmel gefallen, sondern gehören, obwohl vertrieben und verfolgt, fest zu Deutschland, erinnert er bei der feierlichen Einweihung. Ein Mahnmal des erfahrenen Leids findet sich in unmittelbarer Nähe zur restaurierten Leichenhalle. Drei massive Säulen liegen parallel zueinander im Gras des Friedhofs. Sie stammen aus der Suhler Synagoge, die im Jahr 1938 zerstört wurde. „Deswegen ist es besonders wichtig, den Wert des reichhaltigen jüdischen Lebens und des guten Miteinanders zwischen jüdischen und nicht-jüdischen Thüringern herauszustellen“, meint Oberbürgermeister André Knapp. Die Sanierung der Anlagen ist ein sichtbares Zeichen dafür.

Über Generationen

Die Baumeister der Leichenhalle heißen übrigens damals wie heute Büttner. Arndt Büttner restaurierte die Stätte, die sein Großvater weit über 80 Jahre zuvor errichtete. Auch die Synagoge wurde einst von einem Vorfahren von Arndt Büttner erbaut. „Ein Beweis für die Kontinuität des Ortes und des jüdischen Lebens im Allgemeinen“, hält Bernd Palme dazu fest. Sein Planungsbüro hatte den Umbau entscheidend vorangetrieben. Auf die Idee, die Leichenhalle zu erneuern, kam Bernd Palme durch Praktikanten. „Sie sollten ursprünglich nur Maße des Friedhofes aufzeichnen, doch ihre Erzählungen vom Zustand der Leichenhalle machten mich tief betroffen“, erklärt der Planer. In die Risse hätten ganze Hände hineingepasst, sagt er. „Das Objekt soll keinesfalls modern erscheinen, sondern vielmehr an die damalige Bauweise angelehnt werden“, fügt Nils-Albrecht Metzler von der Oberen Denkmalbehörde hinzu. So werde es seinem Ruf als eines der letzten Relikte jüdischen Lebens in Thüringen gerecht, meint er.

Ort des Gedenkens

Die zeitgenössische Restaurierung findet auch bei Karin Müller, Fraktionsvorsitzende der SPD, Anklang. „Das ist ein denkwürdiger Tag. Ich komme künftig gerne zum Erinnern hierher“, sagt sie. Philipp Weltzien blickt ebenfalls voraus. „Es sollten mehr Treffen an diesem Ort folgen. Das jüdische Leben ist hier viel näher als auf einer Gedenktafel im Rathaus“, empfindet der Fraktionsvorsitzender der Linken. „Dieses Denkmal erinnert an das Leid. Es ist ein wichtiger Erinnerungsort“, schließt sich auch Hans-Georg Maaßen von der CDU an.

Drei Tafeln, die im Zuge der Restaurierung angebracht wurden, informieren Besucher des Friedhofs über die Geschichte des jüdischen Lebens in Suhl. Zum Flöten- und Gitarrenspiel der Musikschülerinnen Katja und Janka Kelm legen die Anwesenden bei der Einweihung Steine auf dem ebenfalls restaurierten Brunnen nieder. Sie sind Symbole der Ewigkeit. „Sie stehen aber auch für diejenigen Suhler, die wegen Vertreibung und Verfolgung nicht in ihrer Heimat begraben werden konnten“, stellt Reinhard Schramm heraus.

 

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