Konjunkturbericht Einkaufsstadt Suhl ist stärker als andere Regionen betroffen

Blick über das Gewerbegebiet Friedberg, wo eine Vielzahl innovativer Unternehmen der Stadt ansässig sind. Foto: frankphoto.de

52 Prozent der Suhler Unternehmen bewerten ihre Lage gegenwärtig als schlecht. Das geht aus dem aktuellen Konjunkturbericht der Industrie- und Handelskammer Südthüringen (IHK) hervor.

Suhl - Mit neuen Produkten und Dienstleistungen nach der Krise durchstarten – das könnte für etliche Unternehmen aus Suhl Wirklichkeit werden, wenn die aktuellen Beschränkungen gelockert würden. Gegenwärtig ist die Einkaufs- und Dienstleistungsstadt stärker als andere Regionen Südthüringens vom Corona-Lockdown betroffen. Diese Ergebnisse liefert die Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn, die die Industrie- und Handelskammer Südthüringen kürzlich unter ihren Suhler Mitgliedsunternehmen durchführte, so Dominika Kuhlmann, Sprecherin der Einrichtung, in einer Pressemitteilung. Normalerweise wäre die Stadt jetzt voller Menschen: Einheimische und Tagesgäste würden durch die Straßen der Suhler Innenstadt flanieren. Stattdessen wirkt der Lockdown – und das erheblicher als in jedem anderen Südthüringer Landkreis. 18 Prozent der Unternehmen bewerten die Geschäftslage als gut, 30 Prozent als saisonüblich beziehungsweise befriedigend. Für 52 Prozent ist die Lage hingegen schlecht. Die Stimmung wird vermutlich erst dann besser, wenn die behördlich geschlossenen Unternehmen wieder öffnen dürfen. Im Ausblick rechnen zwölf Prozent mit besseren Geschäften, 52 Prozent mit keiner Veränderung und 36 Prozent mit einer weiteren Verschlechterung.

Der Konjunkturklimaindikator als geometrischer Mittelwert der Lage- und Erwartungseinschätzungen der Unternehmen erreicht mit 71,1 von 200 möglichen Punkten den tiefsten Stand seit Sommer 2003. Im Herbst 2020 wurden 85,4 Punkte erreicht. Vor einem Jahr ergaben sich – noch ohne Corona-Pandemie – 116,4 Punkte.

„Erfreulich ist, dass drei Viertel der Firmen in den kommenden Monaten investieren wollen. Die Unternehmer sind sich bewusst, dass die aktuellen Schließungen zeitlich begrenzt sind. Direkt danach müssen alte Kunden zurückgewonnen und neue Käuferschichten begeistert werden. Schon seit zwei Jahren investiert bis zu ein Drittel der Suhler Unternehmen in neue Produkte und Dienstleistungen. Das sind sehr hohe Anteile, die nach der Krise höhere Renditen erwarten lassen“, erklärt Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK .

Bis auf Weiteres stellt die Corona-Pandemie jedoch für fast alle Unternehmen (85 Prozent) ein erhebliches Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung dar. Damit einher geht eine eingeschränkte Nachfrage der heimischen Kunden: für 67 Prozent der Unternehmen ein wirtschaftliches Risiko. Sinken die Umsätze, geraten die Kosten stärker in den Blick. Wichtigste Kostengruppe sind die Arbeitskosten, die in den vergangenen Jahren durch Fachkräfteengpässe und Maßnahmen der Politik erheblich zugenommen haben. 61 Prozent der Unternehmer betrachtet die Arbeitskosten als Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung.

Auch deshalb erwarten derzeit lediglich zwölf Prozent der Betriebe steigende Beschäftigtenzahlen, während 30 Prozent von einer Verminderung der Mitarbeiterzahlen ausgehen. Allerdings wirkt hier auch der demografische Wandel. Schon bald nach den ersten Lockerungen wird daher die Suche nach Fachkräften wieder losgehen.

Basis der Angaben ist eine repräsentative Konjunkturumfrage der IHK, die von Mitte Dezember bis Mitte Januar durchgeführt wurde. Zur IHK Südthüringen gehören auch rund 2800 Unternehmen der Stadt Suhl.

Autor

 

Bilder