Suhl Das ist los zum 12. Straßentheaterfestival

Celine Balhas

Der Spielplan ist fertig, Musiker und Straßenkünstler sind in den Startlöchern. Am kommenden Freitag eröffnet das Suhler Straßentheaterfestival. Was Besucher bei dem Spektakel erwartet.

Den vielleicht schnellsten Feuerkünstler der Welt, einen urkomischen Magier aus Chile, und Akrobatik in schwindelerregenden Höhen mitten in der Innenstadt: Das alles kann Suhl mit dem Straßentheaterfestival bieten. Mit solchen und vielen weiteren spannenden Programmpunkten schafft es der Verein Kulttraum viele Jahre in Folge, die Stadt einmal auf den Kopf zu stellen und mit einem Schlag um mehrere Jahrzehnte zu verjüngen.

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Für das Straßentheaterfestival bringen sie Künstler wie Artisten, Musiker, Akrobaten und Clowns aus aller Welt in die Waffenstadt. An diesem Wochenende treten insgesamt 47 Einzelkünstler in über 70 Programmpunkten an vielen verschiedenen Plätzen in der Stadt auf.

Kurzweiliges Theater mit Artistenkunst

Wer noch nie dabei war, bekommt eine kleine Erklärung von Organisator Stefan „Uller“ Ulrich-Hüttner: „Beim Straßentheater wird Artistik in eine Geschichte verpackt, die auf ein Finale hinausläuft.“ Das Besondere daran sei, dass die Besucher Theater auf den Straßen erleben können, das aber durch die Elemente, die man sonst eher aus dem Zirkus kennt, kurzweilig ist.

Eröffnet wird das Straßentheaterfestival am kommenden Freitag um 18 Uhr mit Deutsch-Folk- Musik der Gruppe „Geteert & gefedert“ aus Oberfranken. Bei Auftritten der Suhler Sportakrobaten, wie dem Suhler Akrobatik-Club oder dem Showballett zeigen zum Start des Wochenendes natürlich auch lokale Nachwuchstalente, was sie so können. Mit einem Open-Air-Varieté stellen sich alle Künstler des Wochenendes vor, indem sie kurze Kostproben ihrer Shows geben. „Das ist wie ein lebendes Programmheft“, erklärt Uller. So können Besucher schon einmal planen, welche Auftritte der nächsten Tage sie nicht verpassen wollen.

Unter anderem bekommen auch Stars der Stunde eins des Festival an diesem Wochenende ihr Wiedersehen in Suhl. Dazu zählt die vielseitige „Superfreakshow“ von Künstler Roc alias Roc-Roc It oder auch das beliebte Clown-Duo Hacki und Möppi mit ihrer Seifenblasenshow. Darüber hinaus werden die Singer-Songwriter Einfach Calle und Arthur Fritz aus Suhl an diesem Wochenende wieder auftreten, die schon als Jugendliche hier ihre ersten Erfahrungen als Musiker sammeln konnten.

Eine Besonderheit in diesem ab 20.30 Uhr, bei dem das erste Mal zum Straßentheaterfestival eine Singer-Songwriterin alleine die Hauptkirche mit ihrer Musik füllt. Cathrine Pfeifer aus Berlin verspricht mit ihrem Akkordeon und einer Loopstation mit moderner Musikelektronik einen einzigartigen Sound zu erschaffen.

Ebenfalls wird mit der Ostrockband „The Polars“ ein Besuchermagnet erwartet. Am Samstagabend wird die Innenstadt dann zur Tanzfläche für elektronische Musik mit den Klängen der DJs rund um den Verein Heimatmelodie aus Suhl. Um 23.59 Uhr startet schließlich der letzte Programmpunkt des Samstags mit der Aftershowparty in der Jugendschmiede. Hier spielt die Gruppe Sensi Simon and His Brother.

Suhl eilt guter Ruf voraus

Mit ihrem Straßentheaterfestival hat der Verein Suhl weltbekannt gemacht – ohne, dass die Suhler den Rest des Jahres viel davon spüren würden. In der Straßenkünstlerszene aber kennt man das Städtchen sehr gut, wie Stefan Ulrich-Hüttner erzählt. Die Künstler für das Programm kann sich der Verein zumindest aussuchen – Bewerbungen flattern jedes Jahr viele ein: „Damit könnten wir zehn Jahre füllen“, sagt er.

So kommen sie immer wieder an vielseitige Showacts mit aufregenden Programmen. In diesem Jahr beispielsweise an den Feuerakrobaten „The Fire Ninja“ aus Australien, der sein Spiel mit dem Feuer in einer Ninja-würdigen Geschwindigkeit ablegt und dafür bereits sieben internationale Auszeichnungen erhalten hat.

Auch das Publikum kommt mittlerweile von überall her. „In den letzten Jahren haben wir immer mehr gemerkt, dass die Pendlerparkplätze voll mit unterschiedlichen Kennzeichen sind“, sagt Stefan Ulrich-Hüttner. Die Stadt sei in der Regel voll und merklich gut gefüllt mit jungen Menschen.

Auch die Straßenkünstler würden den Veranstaltern immer wieder sagen, dass sie besonders gerne in Suhl auftreten wegen der tollen und besonderen Stimmung. „Das zeigt uns, das wir etwas richtig machen“, sagt der Veranstalter. Er und die Vereinsmitglieder freuen sich über die überregionalen Bekanntheit ihres Straßentheaterfestivals.

Schließlich steckt hinter dem ganzen Spaß vor allem sehr viel Arbeit, und zwar ehrenamtliche. Aktuell zählt der Verein mit über 40 Mitgliedern zwar zu den stärkeren in der Region, wirklich in die Organisation der Veranstaltung stark eingebunden sind aber nur etwa fünf Leute.

Zehn Wochen ehrenamtliche Arbeit

Den Hut für all das hat Stefan Ulrich-Hüttner auf, gemeinsam mit seiner Frau Anja Hüttner, die beispielsweise das ganze Grafikdesign für die Programmhefte macht. „Allein das Programmheft zu erstellen, kostet mehrere Tage Profiarbeit“, erklärt er. Wie viel Arbeit er in die Planung stecke? Das sei schwer zu schätzen, vier Arbeitswochen kämen da in den Monaten von Dezember bis zum Festival aber mindestens heraus. „Insgesamt stecken wir als Team bestimmt mindestens zehn Arbeitswochen da rein“. Trotz aller Freude sei es in jedem Jahr eine größere Herausforderung, das alles in der Freizeit und dem Ehrenamt planen und auf die Beine stellen zu können. „Die Zeiten und die Gesellschaft ändern sich“, sagt er. Das mache einen Unterschied.

Finanzierung eine Herausforderung

Auch die Finanzierung sei nie einfach. „Wir haben wenig Zeit, Anträge zu stellen, wenn die dann abgelehnt werden, stehen wir eben ohne da“, erklärt er. In diesem Jahr haben sie keine Förderung erhalten. „Dadurch sind die Tage immer länger und die Nächte schlafloser, um alles unter einen Hut zu bekommen.“ Auch muss immer gebetet werden, dass das Wetter mitspielt. Die Künstler, die teilweise sehr hohe Anfahrtswege haben, bekommen im Vorhinein eine Gage. Damit trägt das Risiko der Verein, falls alles ins Wasser fällt und damit das Geld ausbleibt.

Möglich wird das alles unter anderem durch Sponsoren. Auch dabei verfolgt der Verein den lokalen Gedanken stark. Alles was angeboten wird, soll aus der Region kommen, sodass Erträge auch möglichst hier bleiben. Der Verein wünscht sich, dass die Besucher das alles wertschätzen und auch die Firmen unterstützen.