Suhl/Bonn Thüringer sind am wenigsten glücklich

Suhl/Bonn - Thüringen ist das Schlusslicht in Sachen Lebenszufriedenheit in Deutschland. Das geht aus dem neuen "Glücksatlas" hervor, der am Mittwoch in Bonn vorgestellt wurde. Quelle: Unbekannt

Die Corona-Krise drückt den Menschen aufs Gemüt. Das zeigt der aktuelle "Glücksatlas" in Deutschland. Thüringen verzeichnet dabei einen regelrechten Stimmungseinbruch.

Suhl/Bonn - Thüringen ist das Schlusslicht in Sachen Lebenszufriedenheit in Deutschland. Das geht aus dem neuen "Glücksatlas" hervor, der am Mittwoch in Bonn vorgestellt wurde. Auf einer Skala von 0 bis 10 Punkten erreicht Thüringen bei der Umfrage einen Durchschnittswert von 6,50 - während der bundesweite Schnitt bei 6,74 Punkten liegt.

Vor einem Jahr war die allgemeine Zufriedenheit mit dem bisherigen Höchstwert von 7,14 (bundesweit) gemessen worden, Thüringen war da mit einem Wert von 7,09 Punkten der Stimmungs-Spitzenreiter im Osten (Durchschnitt 7,0).

Für den Dämpfer bei der allgemeinen Lebenszufriedenheit machte Bernd Raffelhüschen, Professor für Finanzwissenschaft an der Uni Freiburg, der den mittlerweile zehnten "Glücksatlas" im Auftrag der Deutschen Post erstellt hat, die Corona-Krise verantwortlich. Dennoch: "Wir sind keine Frustbeutel." Schließlich sei der Einbruch trotz Corona relativ moderat ausgefallen. Noch immer liege das allgemeine

Glückslevel "im oberen Mittelfeld" der zehnstufigen Skala und damit in diesem Jahr wieder auf dem Niveau von vor zehn Jahren, als mit der Erhebung begonnen wurde, sagte Raffelhüschen.

Das Institut für Demoskopie in Allensbach hatte von März bis Juni - also während des ersten Corona-Lockdowns - knapp 4700 Bundesbürger ab 16 Jahren nach ihrer allgemeinen Lebenszufriedenheit befragt. Weiterführende Daten stammen aus einer Langzeitstudie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und einer Ipsos-Umfrage, die ebenfalls im Juni 2020 erhoben wurde.

Eine klare Ursache für den Einbruch in Thüringen konnten die Forscher nicht ausmachen - zumal die Zufriedenheit ansonsten in Westdeutschland stärker sank als in Ostdeutschland (minus 0,42 Punkte gegenüber minus 0,30 Punkten). Thüringen hatte in der ersten Corona-Welle noch relativ gut abgeschnitten, allerdings fallen ebenfalls die Ereignisse um die Wahl von Kurzzeit-Ministerpräsident Thomas Kemmerich (FDP) und damit ein negatives Bild der Thüringer nach außen in den Umfrage-Zeitraum.

Laut "Glücksatlas" büßten Männer weniger an Zufriedenheit ein (minus 0,33 Punkte) als Frauen, die mit minus 0,47 Punkten nach Angaben der Forscher "einen wahren Glücksabsturz" erfuhren. Grund sei in erster Linie die stärkere Belastung in der Corona-Krise - Kinderbetreuung und Homeschooling im Lockdown seien vornehmlich an den Müttern hängen geblieben. Dazu passe auch, dass die Lebenszufriedenheit von Befragten aus Familien mit drei oder mehr Kindern überdurchschnittlich sank (minus 0,9 Punkte).

Unterteilt nach Altersgruppen verloren die 45- bis 59-Jährigen am meisten an Zufriedenheit (minus 0,48 Punkte). Nach Vermutung der Forscher steht diese Altersgruppe besonders unter wirtschaftlichem Druck: Oft müssten Kredite abbezahlt, ältere Kinder finanziert und Vorsorgen für die Rente getroffen werden.

Als optimistisch stimmende Punkte gehen aus der Studie hervor, dass ein Großteil der Befragten damit rechnet, 2021 wieder auf dem Niveau des Jahres 2019 zu sein. Zudem hätten 80 Prozent der Befragten erklärt, sie seien froh, während der Pandemie in einem Land wie Deutschland zu leben. Die Hälfte der Umfrageteilnehmer sieht auch positive Entwicklungen durch die Krise, etwa die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhaltes. Zudem glauben 70 Prozent, dass die Corona-Krise Treiber für ein nachhaltigeres Wirtschaftssystem ist.

Im Ländervergleich leben die glücklichsten Menschen nach wie vor im Norden: Schleswig Holstein und Hamburg kommen jeweils auf 6,92 Punkte. Platz drei geht an Baden-Württemberg mit 6,88 Punkten, gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit 6,83 Punkten. Erstmals hat demnach mit Sachsen-Anhalt (6,80 Punkte auf Platz sechs) ein ostdeutsches Bundesland besser abgeschnitten als westdeutsche Regionen wie Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland (Plätze 12 und 13).

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