Noch mehr Thüringer, die zum Arbeiten das Land verlassen müssen? Dass die Zahl der Auspendler erneut leicht gestiegen ist, ist keine so schlechte Nachricht. In einer ländlich geprägten Region ist es normal, dass viele Menschen in den wirtschaftsstarken größeren Städten arbeiten. Und die liegen, von Süd-, Nord- oder Ostthüringen aus gesehen, halt häufig im Nachbarbundesland. Na und? Rhöner, die in Bad Hersfeld oder Fulda arbeiten, Heldburger mit Jobs in Coburg, Eichsfelder, die nach Göttingen pendeln, Altenburger auf Leipziger Arbeitsplätzen: Das gehört zum normalen Wirtschaftsleben, dessen produktivste Teile sich nun mal auf urbane Regionen konzentrieren. Solange die Distanz akzeptabel und der Lohn okay ist, profitieren alle. Klar, mehr attraktive Arbeitsplatz-Zentren vor Ort wären noch viel besser und bleiben das Ziel. Nur wird sie niemand herbeizaubern; die kleinteilige Struktur wird auf absehbare Zeit die hiesige Wirtschaft prägen. Wir schwer sich Südthüringen tut, in großen Strukturen zu denken, durch Zusammenballung stärker zu werden, sieht man aktuell wieder am Trauerspiel ums gescheiterte Oberzentrum. Was uns bleibt, sind die vielen kleinen, ganz und gar nicht zu verachtenden Wirtschaftsplayer. Und starke Regionen gleich nebenan, von denen wir profitieren – derzeit oft als Arbeitnehmer, bald vielleicht mehr und mehr als Anbieter. markus.ermert@insuedthueringen.de