Südthüringen Ein Bundestags-Wahlkreis, der Spannung verspricht

Tritt gegen Maaßen an: SPD-Kandidat und Olympiasieger Frank Ullrich. Foto: Gerhard Koenig/Gerhard Koenig

Der Südthüringer Bundestagswahlkreis 196 wird wohl einer der spannendsten im Lande sein. Schafft Hans-Georg Maaßen den Sieg – oder hat der populäre SPD-Kandidat, Biathlon-Star Frank Ullrich, eine Chance?

Deutschlandweite Aufmerksamkeit: Die hatte der Südthüringer Bundestags-Wahlkreis 196 bereits, weil es hier mit dem bisherigen CDU-Abgeordneten Mark Hauptmann einen der spektakulärsten Fälle der Maskenaffäre der Union gab. Mit der Kandidatur Hans-Georg Maaßens scheint nun sicher: Das Rennen um das Bundestagsmandat für Suhl, Hildburghausen, Schmalkalden-Meiningen und Sonneberg wird scharf beobachtet – und vermutlich ziemlich spannend.

Dafür sorgt zunächst einmal die Stärke der AfD, die bei der Wahl 2017 mit einem völlig unbekannten Kandidaten 22,8 Prozent holte und auf Platz 2 gleich hinter Hauptmann (33,6 Prozent) landete. Diesmal tritt mit Jürgen Treutler (70) ein Sonneberger Kommunalpolitiker an, der anders als der bisher für die Region zuständige AfD-Mann Friedrich Friesen mit Regionalität und viel beruflicher Erfahrung punkten kann. Die Frage, ob Maaßen aus dem Lager potenzieller AfD-Wähler mehr Stimmen gewinnen kann als er aus dem Kreis der weniger konservativen CDU-Wähler verliert, wird vermutlich entscheidend sein.

Eine Rolle dabei wird SPD-Kandidat Frank Ullrich spielen. Der in der Region hoch angesehene Biathlon-Star aus Suhl ist ein absoluter Neuling in der Bundespolitik, aber wohl gerade deshalb auch für klassische CDU-Anhänger wählbar, zumal für jene, die mit der Person Maaßen ein Problem haben. Da er für die schwache SPD antritt (13,4 Prozent bei der Wahl 2017), müsste Ullrich für einen Sieg aber extrem viele Erststimmen-Wähler an sich ziehen. Hinzu kommt, dass im bürgerlichen Lager auch sein FDP-Namensvetter Gerhard Ullrich (derzeit über Landesliste im Bundestag) eine Wahl-Alternative darstellt.

In dieser Konstellation wird es Linken-Kandidat Sandro Witt schwer haben. Der 39-jährige einstige Suhler hat trotz seines Bonus als DGB-Vizechef in Hessen und Thüringen nur Außenseiterchancen. 2017 holte Linken-Kandidat Steffen Harzer hier nur 18,2 Prozent der Erststimmen.

Bei der Bundestagswahl gibt es keine Stichwahl, es gewinnt der mit den meisten Stimmen. Was heißt, dass ein zersplittertes Mitte-Links-Lager möglicherweise dazu führen könnte, dass der CDU oder der AfD auch mit weniger als 30 Prozent ein Sieg im Wahlkreis gelänge. er

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