Südthüringer Beobachtungen Intakte Umwelt und schon kommen die Eisvögel

Aus ganz Südthüringen melden aufmerksame Menschen Eisvögel – an Flüssen, Wassergräben und Teichen. Das zeigt: Die Umwelt ist zwischen Rennsteig und Rhön intakt. Das farbenprächtige Tier braucht nämlich klares Wasser und naturbelassene Brutmöglichkeiten.

Suhl - Selten hat ein Bericht so viel Aufmerksamkeit erregt wie der über die Entstehung eines Eisvogelfotos in Untermaßfeld. Aus ganz Südthüringen haben sich Menschen gemeldet, die ebenfalls schon Eisvögel in ihrer Umgebung gesichtet haben – in der Regel an Flüssen, Teichen oder Wassergräben. Wer sprichwörtlich auf dem Trockenen sitzt, der sieht das extrem bunte Tier allerdings viel seltener.

„Eisvögel sind in unserer Südthüringer Mittelgebirgslandschaft wie auch in den meisten Teilen des ländlichen Deutschlands nicht wirklich selten. Es sind sehr territoriale und Artgenossen gegenüber aggressive Tiere, die Reviere besetzen und vehement verteidigen. Deswegen sind auf einem Gewässerabschnitt auch immer nur ein Elternpaar und maximal die aktuellen Jungtiere. Die meisten Menschen nehmen diese Vögel nicht wahr, weil sie unaufmerksam sind und die Natur nicht beachten. An Gewässern mit guter Futtergrundlage an Kleinfischen kommen sie häufig vor und brüten mehrmals im Jahr“, schreibt Torsten Schmidt von der Fischzucht Untermaßfeld.

„Dennoch sind Eisvögel nirgends häufig. Obwohl sie ganzjährig anwesend sind und nur bei Eislagen abwandern, sieht man die Einzelgänger selten. Nur während der Balz sind sie mit Verfolgungsflügen, lauten Rufen und Fischübergaben als Brautgeschenk auffälliger. Außerdem sorgt eine ausgeprägte Territorialität für konstanten Abstand zwischen den Revieren entlang eines Gewässers. Derzeit schätzt man den Bestand in Deutschland auf 5600 bis 8000 Brutpaare“, berichtet Lars Lachmann, Vogelschutzexperte des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu). Der europäische Gesamtbestand wird auf etwa 120.000 Brutpaare geschätzt. In weiten Teilen Europas ist schon seit längerem ein Rückgang festzustellen, so dass der Eisvogel mittlerweile in den Roten Listen Deutschlands, der Niederlande, Luxemburgs, der Schweiz, Tschechiens und Österreichs verzeichnet ist.

Strenge Winter zählen zu den natürlichen Faktoren, die bei den Eisvögeln größere Bestandsschwankungen verursachen. Der Ausbau und Kanalisierungen von Fließgewässern, zunehmender Nährstoffeintrag und Gewässerverschmutzungen wirken sich jedoch nachhaltiger auf sein Vorkommen aus. Wasserbauliche Maßnahmen haben in der Vergangenheit bereits in großem Umfang zum Verlust von natürlichen Steilufern geführt, auf die der Eisvogel zum Anlegen seiner Brutröhre angewiesen ist. Hier hat ein Umdenken eingesetzt, doch noch immer gehen Brutplätze durch Verbauung natürlicher Ufer verloren.

Mit gezielten Verbesserungen im Zuge von Gewässer-Renaturierungen können Brutmöglichkeiten (künstliche Steilufer) und Sitzwarten geschaffen werden. Verbesserungen der Wasserqualität und eine artenreiche Fischfauna kommen dem seltenen Vogel ebenfalls zugute. „Der Einsatz von Düngemitteln und Umweltchemikalien in Gewässernähe sollte unter anderem durch Bewirtschaftungsgrenzen entlang von Fließgewässern deutlich reduziert werden“, fordert der Nabu.

Eisvogel braucht klare Sicht

Um die Beute optisch zu erkennen, brauchen Eisvögel klare Sicht, dann haben sie besten Jagderfolg. Im Trüben fischen sie nicht gerne und weniger erfolgreich. Kleine, vier bis fünf Zentimeter lange Süßwasserfische wie junge Bachforellen, Gründlinge, Elritzen, Plötzen, Rotfedern oder Stichlinge, seltener auch Insekten, kleine Frösche und Kaulquappen sind die Hauptnahrung. Für eine artenreiche Fischfauna braucht es unter der Wasseroberfläche eine gute Wasserqualität und strukturreiche Habitate für die Fischlarven.

Die Wahrnehmung ist das eine, ein starkes Foto dann wieder etwas ganz anderes. „Wißt ihr wie flink die sind, die kleinen Biester?“, schreibt Frank Michael Schrey und trifft den Nagel auf den Kopf. Matthias Mühlbauer schreibt anerkennend: „Der Fotograf muß sehr viel Geduld für so ein Foto mitbringen. Den Eisvogel sieht man meist nur beim Vorbeiflug. Und da ist er pfeilschnell.“ Sabine Bunk berichtet: „In Schleusingen, wo die Erle und die Nahe in die Schleuse mündet sieht man sie auch️. Nur sind sie schnell und man bekommt sie nicht so einfach vor die Linse.“ Die Kunst ist an Südthüringer Gewässern nicht so sehr, einen Eisvogel zu finden, sondern ihn zu fotografieren.

Sichtungen in der Region

Trotz ihrer Buntheit sind Eisvögel nicht auffällig, wissen die Experten vom Nabu. Gerade die intensive Färbung verschafft dem Eisvogel beste Tarnung in seinem Lebensraum: Im ständigen Wechselspiel aus Licht und Schatten am Ufer lösen sich seine Konturen regelrecht auf und er ist mitunter schwer zu entdecken.

Katharina Werner: „In Meiningen am Flutgraben habe ich vor einigen Jahren auch schon einen Eisvogel gesehen.“

Simone Ehlert: „In Dorndorf ist seit ein paar Jahren ein Pärchen.“

Lutz Volkhardt: „Auch an der Schmalkalde wo die Südlinktrasse lang gehen wird.“

Lukas Marr: „In Fambach an der Kiesgrube sind sogar manchmal zwei zu sehen. Gehe stark von einem Pärchen aus.“

Peter Hempel: „Außerhalb von Eisenach sind sie auch regelmäßig an Fischteichen zu sehen.“

Anna Katharina Köhler: „Bei uns in Henfstädt sind sie auch öfters zu beobachten.“

Ju Le: „In Meiningen habe ich auch schon welche gesichtet. Bleichhräben am Parkhaus und Pulverrasen.“

Melanie Lindemann: „Bei uns an der kleinen ’Katza’ habe ich auch schon öfters einen gesehen - wunderschöne Vögel.“

Kosima Kassner: „In Schmalkalden am neuen Teich wohnte letztes Jahr auch einer.“

Kat Joh: „an den Siechenteichen auch“

Thomas Mönning: „Am Löschteich in Haindorf war im Januar auch ständig einer unterwegs.“

Conny Göbel: „In Breitungen an der Werra sind das tägliche Begleiter.“

Nadine Hehl: „Im Merkers haben wir auch schon welche gesehen.“

Ma Ndy: „Heßberg am Teich war letztes Jahr auch einer.“

Henry Teichner: „Echt wundervolle Tiere. Ich hatte schon des öfters das Vergnügen diesen kleinen Kerl zu beobachtet und zu fotografieren. Hier eins meiner Eisvogelbilder von letzten Winter, aus den Landkreis Saalfeld.“

Marius Böhm: „An der Werra Am Pulverrasen in Meiningen ist auch öfter einer zu sehen.“

Stefan Schlurick: „In Kloster Veßra beim E-Werk gibt es genug.“

Duni Babett Wetzl: „Wir haben in Dillstädt an der Hasel direkt einen im Garten.“

Maria Koch: „Gibts bei uns an den Seen Sambachshof und am Schloss brennhsusen.“

Matthias Noll: „Philippsthal an der Ulster.“

Tim Grötenherdt: „Schon lange in Meiningen an den Bleichgräben zu finden.“

Bernd Schreiner: „Im Unterland hatten wir auch immer welche, diese Jahr vermutlich weniger zu sehen, weil alle Hecken und der Aufwuchs an den Bächen/Gräben in den letzten Wochen fast vollständig weggeschnitten wurden.“

(die Kommentare wurden auf unserem Facebookauftritt gesammelt.

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