Suche nach Lehrlingen Der Nachwuchs lässt auf sich warten

Kurt Lautensack

Überall mangelt es an Fachkräften. Betriebe der Grabfeld-Region zwischen Bedheim und Westenfeld präsentierten sich deshalb potenziellen Berufseinsteigern und Lehrlingen. Bei einigen Unternehmen war die Resonanz gut, bei anderen ziemlich verhalten.

Die Frage der Berufsorientierung und der Berufsfindung stellt sich bei Schülern jährlich aufs Neue. Mit „Zukunft on Tour“, einem Projekt des Vereins „G3+“ (die Drei steht für Gewerbe, Grabfeld, Gleichberge) eröffnen regionale Betriebe und Einrichtungen Schülern und Eltern Möglichkeiten, einen Blick ins betriebliche Geschehen zu werfen und sich zu informieren. Dabei ging es schlechthin nicht nur um einen Blick „hinter die Kulissen“, sondern auf ganz konkrete Berufsfelder und den breit gefächerten Ausbildungsvarianten und –möglichkeiten.

Deshalb wurden bereits im Vorfeld die Mädchen und Jungen mit Fragen konfrontiert wie: Hast Du Dir schon mal Gedanken gemacht, in welchem Beruf Du mal arbeiten möchtest? Arbeitest Du gern mit Holz, Metall oder Stein? Bist Du gern in der Natur zu Hause? Bist du besonders fingerfertig, handwerklich oder technisch begabt oder würdest du lieber hinter einem Bankschalter oder an einem Frisiertisch stehen? Diese und andere Fragen wollten elf Betriebe der Grabfeldstadt Römhild mit den Interessierten beantworten. Da allen die gesamte Grabfeldregion am Herzen liegt, beteiligten sich auch die Partnerstadt Bad Königshofen und Irmelshausen am Projekt.

„Freies Wort“ ging ebenfalls auf Tour, um am Samstag zwischen 9 und 13 Uhr einige Unternehmen aufzusuchen und, um sich über die betriebliche Situation und den Ausbildungsmöglichkeiten zu informieren. Natürlich auch in der Hoffnung, interessierte Mädchen und Jungen mit ihren Eltern zum jeweiligen Zeitpunkt anzutreffen, was aber nicht immer klappte. So hatten sich die Holzwerkstätten Thomae mit Gesellen und Auszubildende aus verschiedenen Lehrjahren in Bedheim auf die jungen Besucher eingestellt, um ihnen bestimmte Tätigkeiten an Maschinen oder beim Umgang mit Werkzeugen vorzuführen. Leider waren sie ein wenig enttäuscht, da sich kein Interessent zeigte. Seniorchef Wolfhard Thomae ist in Sachen Beschäftigte und Lehrlinge trotzdem zuversichtlich. Bei 40 Beschäftigten, darunter sieben Lehrlinge, gelinge es immer wieder, den Weggang von Leuten, meist aus Altersgründen, durch Neueinstellungen auszugleichen.

Durch verschiedene Gewerke breit aufgestellt, von der Zimmerei bis zum Malerhandwerk, ist auch Dach- und Holzbau Römhild (DHR). Zukünftig sollen die Berufe Maurer und Dachdecker noch hinzukommen, erklärte Seniorchef Albrecht Klopf. Demzufolge ist er natürlich auch am Halten seines Personalbestandes interessiert. Gegenwärtig beschäftigt DHR 115 Leute, darunter 15 Lehrlinge, von denen wiederum fünf im ersten Lehrjahr sind. Auch sei die Zukunft der Unternehmensgruppe und damit auch seiner Beschäftigten gesichert, so Klopf, da seine beiden Söhne Sebastian und Christian den Betrieb weiterführen werden. Zu den wenigen Interessenten gehörte auch ein Mädchen, die sich besonders über den Malerberuf informierte.

Bei der Gebäude- und Anlagentechnik Haina zeigten sich die beiden Lehrlinge Leopold Glauer und Hai Nguyen bereits bestens vertraut in ihrem Betrieb, wenn es um ihre Ausbildung zum Elektroniker für Gebäude- und Energietechnik geht. Gegenwärtig gehören sechs Lehrlinge zu den insgesamt 19 Beschäftigten, erklärte Geschäftsführer Daniel Hinske. Zwei Schüler aus der achten beziehungsweise zehnten Klasse zeigten bei ihrem Besuch ein besonderes Interesse an einer Ausbildung. Man sei ständig auf der Suche nach geeigneten Nachwuchskräften, so Hinske. Seine Mitarbeiter seien vorwiegend in einem Umkreis von 50 bis 60 Kilometern bei der Einrichtung von Elektroanlagen und Sicherheitstechnik unterwegs. Das Spektrum reiche von Kindergärten oder Bürogebäude bis hin zur Ausrüstung von Messehallen.

Geschickt beim Schweißen

Mit 140 Beschäftigten kann die Wegra Anlagenbau GmbH Westenfeld ihre gegenwärtigen Aufträge gut erfüllen. Natürlich ist qualifizierten Nachwuchs ständig gefragt, erklärte Steffen Thein vom Team der Geschäftsführer. Gerade habe sich ein Mädchen sehr für den Metallbau interessiert. Bei einer Schweiß-Probe habe sie sich sofort sehr geschickt angestellt, lobte sie Steffen Thein. Gegenwärtig befinden sich 13 Lehrlinge in der Ausbildung, davon hätten fünf das neue Ausbildungsjahr begonnen. Bei einer Führung durch den Betrieb unterwegs war gerade Geschäftsführer Birger Kemmerzehl mit Ron Chlipek und seinen Eltern aus Zella-Mehlis. Bei einem interessanten Rundgang erklärte Elektroniker Christian Kemmerzehl verschiedenen Maschinen wie beispielsweise einen Plasma-Brenn-Bohrautomat sowie verschiedene Stahlbauprojekte. Da die Wegra Betriebe ausrüstet, seien die Mitarbeiter natürlich auch viel unterwegs, erklärte Steffen Thein, was sich enorm auf die Spritkosten auswirke.

Enttäuscht über das wenige Interesse zeigt sich Stephan Schüler vom Landschaftsbau. Dabei biete doch der Landschaftsbau eine große Vielfalt an Betätigungsmöglichkeiten, dazu ein Arbeiten in der freien Natur. Leider habe er in den vergangenen zwei Jahren keine einzige Bewerbung erhalten, so dass Justin Frank aus Eicha sein einziger Lehrling sei, der sich im dritten Ausbildungsjahr befinde. Justin Frank macht die Ausbildung bei Stephan Schüler Spaß, weil die Arbeit abwechslungsreich sei.

Letzte Station war das Marmor-Center Römhild (MCR), das von Steffen Würstl und seinem Bruder Udo geführt wird. Steffen Würstel zeigte sich mit dem Besuch von „zehn potentiellen Interessenten“ mit ihren Familien hoch zufrieden. Da Eliog Industrieofenbau der unmittelbare Nachbarbetrieb ist, sei auch dort der Besuch gut gewesen, so Würstl. Das MCR hat gegenwärtig vier Lehrlinge, von denen jeweils ein Mädchen und ein Junge ihre Ausbildung begonnen haben. Ein Mädchen habe sich bereits zum zweiten Mal um einen Praktikumsplatz beworben, da ihr das Betriebsklima gefalle. Eine Ausbildung mit neuen Herausforderungen möchte auch Pascal Günther künftig bei MCR beginnen. Steffen Würstl dankte schließlich den mehr als 20 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, die den Einsatz am Samstag nicht scheuten.

Über die Ergebnisse einer anschließenden Auswertung zu „Zukunft on Tour“ informierten Steffen Würstl und Martin Bartholomäus (DHR). Zum allgemeinen Besuch ergänzte Steffen Würstl, habe es beim Friseur im Grabfeld-Center keinen und in der Zahnarztpraxis am Herrensee einen Besucher gegeben. Größeres Interesse bestand bei der Raiffeisenbank im Grabfeld, wo zugleich die Praktikumsquote mit vier bis fünf Anmeldungen hoch war. Begeistert vom hohen technischen Interesse habe sich auch Thomas Peter von Visio-tec gezeigt.

Qualität vor Quantität

Insgesamt bewertete man den Besuch als durchwachsen. Aber die Leute beziehungsweise Schüler die da waren, hätten auch entsprechendes Interesse gezeigt. Deshalb sehe man die Qualität vor der Quantität. Und wenn sich jeweils ein Interessent für einen der angebotenen Berufe entscheide, habe sich der Tag gelohnt. Über eines sei man sich in der Auswertung einig gewesen: Die künftigen Auszubildenden sollen in der Region gehalten werden und diese stärken. Dabei würden sich für die Betreffenden auch die kurzen Wege auszahlen. Auch die Zusammenarbeit mit der Herzog Bernhard-Regelschule wurde angesprochen. Auf jeden Fall soll der Tag im nächsten Jahr wiederholt werden, vielleicht in geänderter Form. Dass dabei in vielen Gesprächen vor Ort und in der Auswertung die Mangelwirtschaft hinsichtlich Materialbeschaffung und Energiepreise zur Sprache kam, soll hier nicht unerwähnt bleiben.

 

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