Studie zur globalen Luftverschmutzung Weltweit 135 Millionen vorzeitige Todesfälle durch Feinstaub

Markus Brauer/AFP
Ein Radfahrer steht in Stuttgart neben einem Auto von Mercedes mit Dieselantrieb, dessen Abgase in der kalten Morgenluft sichtbar werden (Archivbild). Foto: dpa/Marijan Murat

Schadstoffe in der Luft machen krank und können zum Tod führen. Wie viele Menschen weltweit durch Feinstaub und Stickstoffdioxid vorzeitig sterben, zeigt eine neue Studie. Es sind alarmierende Zahlen.

 
Schließen

Diesen Artikel teilen

Weltweit hat die Feinstaubbelastung einer neuen Studie zufolge zwischen 1980 und 2020 rund 135 Millionen vorzeitige Todesfälle verursacht. Mit mehr als 98 Millionen Todesfällen war Asien am stärksten betroffen, teilte die Nanyang Technological University (NTU) in Singapur am Montag (10. Juni) mit.

Die meisten Menschen starben in China und Indien vorzeitig an den Folgen von Feinstaub, gefolgt von Pakistan, Bangladesch, Indonesien und Japan, wie es in der im Fachmagazin „Environment International“ veröffentlichten Studie aus Singapur heißt.

135 Millionen vorzeitige Todesfälle durch Feinstaub 1980-2020

Zwischen 1980 bis 2020 lassen sich statistisch etwa 135 Millionen vorzeitige Todesfälle auf Feinstaub zurückführen, wie es in der Studie weiter heißt. Dabei haben die Forscher jeden Todesfall als vorzeitig gewertet, der vor Erreichen des Durchschnittsalters eingetreten ist und durch vermeidbare oder behandelbare Erkrankungen verursacht wurde.

Wetterphänomene wie El Niño haben die Zahl der vorzeitigen Todesfälle der Studie zufolge um 14 Prozent erhöht, weil sie für eine Konzentration der Schadstoffe in der Luft sorgten.

Der ganz normale Feinstaub-Wahnsinn in der chinesischen Hauptstadt Peking. Foto: EPA/Diego Azubel/dpa

Klimawandel verschlimmert Luftverschmutzung

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Veränderungen von Klima-Mustern die Luftverschmutzung verschlimmern können“, betont Steve Yim, der die Studie leitete. Dies könne wiederum zu mehr vorzeitigen Todesfällen führen.

Die Forscher werteten für die umfangreiche Studie unter anderem Satellitendaten der US-Raumfahrtbehörde Nasa, Wetterdaten der Wetter- und Ozeanografiebehörde der USA (NOAA) sowie Daten zum Zusammenhang zwischen Erkrankungen und Umweltverschmutzung des Gesundheitsstatistik-Instituts IHME aus den USA aus.

Was ist Feinstaub?

Feinstaub wird vor allem durch menschliches Handeln erzeugt. Er entsteht unter anderem durch Emissionen aus Kraftwerken, Fabriken und Heizungen sowie im Straßenverkehr. Er kann aber auch natürlichen Ursprungs sein, beispielsweise als Folge von Waldbränden und Sandstürmen.

Feinstaub besteht laut Umweltbundesamt aus einem Gemisch fester und flüssiger Partikel und entsteht demzufolge etwa durch den Betrieb von Autos, Heizungen in Wohnhäusern oder der Industrie, etwa bei der Metall- und Stahlerzeugung. Auch in der Landwirtschaft entsteht Feinstaub, etwa Ammoniakemissionen aus der Tierhaltung.

Weißer nebliger Rauch aus Schornsteinen hängt über der Innenstadt von Mailand in Norditalien (Archivbild). Foto: Claudio Furlan/LaPresse/dpa

Die winzigen Teilchen können tief in die Atemwege eindringen und die Lunge nachhaltig schädigen. Studien zufolge kann eine hohe Feinstaubbelastung einen vorzeitigen Tod verursachen, beispielsweise infolge von Herz- und Atemwegserkrankungen, Lungenkrebs und Infektionen der unteren Atemwege.

Sehen Sie hier: Luftverschmutzung in Stuttgart – Echtzeit-Karte des Luftqualitätsindex

Luftverschmutzung – ein globales Problem

Schlechte Luft ist auch nach Einschätzung der EU-Umweltagentur EEA (European Enviroment Agency) das größte von Umweltbedingungen ausgehende Gesundheitsrisiko. „Die Auswirkungen der Luftverschmutzung auf unsere Gesundheit sind immer noch zu hoch“, erklärt EEA-Direktorin Leena Ylä-Mononen.

Experten zufolge verursacht Feinstaub die größten gesundheitlichen Belastungen durch Herzerkrankungen, gefolgt von Schlaganfällen, Diabetes, der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), Lungenkrebs sowie Asthma. Foto: I/mago/Paul-Philipp Braun

Den Schätzungen zufolge verursacht Feinstaub die größten gesundheitlichen Belastungen durch Herzerkrankungen, gefolgt von Schlaganfällen, Diabetes, der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), Lungenkrebs sowie Asthma.

Etwa 2,5 Milliarden Menschen in Städten weltweit sind laut einer Studie einer Feinstaubbelastung ausgesetzt, die über den von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlenen Grenzwerten liegt. Das sind rund 86 Prozent aller in Städten lebenden Menschen, heißt es in der Studie.

Toxisches Dreigestirn: Feinstaub, Stickstoffdioxid, Ozon

Neben Feinstaub bleiben auch Stickstoffdioxid und bodennahes Ozon in der Luft ein Problem: Rund 50 000 Todesfälle in der EU sind nach der EEA-Analyse einer erhöhten Belastung durch Stickstoffdioxid zuzuordnen, mehr als 20 000 der Ozon-Belastung. Stickstoffdioxid entsteht bei Verbrennungsprozessen, etwa in Motoren, hohe Konzentrationen werden an vielbefahrenen Straßen erreicht.

Autos fahren durch die Innenstadt unter einer Anzeige mit den Worten «Feinstaub Alarm» und „Derzeit! Umweltzone Stuttgart“ entlang. Foto: dpa/Bernd Weissbrod

In Deutschland stehen den EEA-Angaben zufolge mehr als 30 000 Todesfälle in Zusammenhang mit zu viel Feinstaub in der Luft. Die höchsten Sterblichkeitsraten gibt es in den östlichen und südlichen Ländern Europas.

Gefährliche PM2.5-Partikel

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte die empfohlenen Grenzwerte für PM2.5-Feinstaub im Jahr 2021 gesenkt – für die mittlere jährliche Belastung von 10 auf 5 Mikrogramm (tausendstel Gramm) pro Kubikmeter Luft.

Als PM2.5 werden besonders kleine Feinstaubpartikel mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometern (tausendstel Millimetern) bezeichnet. PM2,5-Partikel können beim Einatmen tief in die Lunge und von dort aus auch in den Blutkreislauf gelangen. Sie verursachen Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen wie Asthma und Lungenkrebs.

Der Jahresmittelgrenzwert für PM2.5 von 40 Mikrogramm (µg) pro Kubikmeter Luft wurde in den vergangenen Jahren deutschlandweit eingehalten. 47 µg, wie auf dem PM2.5 Detector zu sehen ist, sind also schon zu viel. Foto: Imago/Pond5 Images

App zur Luftqualität

EU-Bürger können in der App „European Air Quality Index“ nachschauen, wie es um die Luftqualität in ihrer Umgebung bestellt ist und wie sie damit umgehen können. So könnten sie beispielsweise entscheiden, ob gerade ein guter Zeitpunkt ist, um draußen Sport zu machen, sagen EEA-Experten. Die App könne auch dabei helfen, Länder oder Regionen miteinander zu vergleichen und auf Probleme mit schlechter Luft aufmerksam zu machen.

Info: Luftqualität

Luftqualität
Wie gut ist die Luft in Deutschland ist, zeigt der Luftqualitätsindex des Umweltbundesamtes. Er errechnet sich aus den gemessenen Konzentrationen dreier Schadstoffe (Stickstoffdioxid, Feinstaub und Ozon), wobei die gesundheitlich kritischste der drei gemessenen Konzentrationen das Gesamtergebnis bestimmt, wie auf der Homepage des Umweltbundesamtes heißt.

Schadstoffbelastung
Nach der Definition des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ist die Luftqualität „ein Maß für die Reinheit bzw. Schadstoffbelastung unserer Luft“. Die Luft, die wir atmen, sei zum einen ein Gasgemisch aus Sticksoff, Sauerstoff, Argon, Kohlenstoffdioxid und verschiedenen Spurengasen. Zum anderen enthalte sie kleine feste und flüssige Partikel unterschiedlicher Größe (Aerosole, zum Beispiel Wolken-, Regentropfen).

Bilder