Struth-Helmershof Wild und Knackwurst für Luxusgäste

Annett Recknagel

Wildhalter Thüringens waren in Struth-Helmershof zu Gast. Auch sie stehen vor neuen Herausforderungen. Die Kosten steigen, der Futteraufwuchs war mager. Doch es gibt auch Chancen.

Steffen Eck (zweiter von links) erläutert bei einem Rundgang den Gästen die Bewirtschaftung des Wildgatters, aber auch die Sparten seines Archehofes Foto: Annett Recknagel

Im Saal der LandGUT Genuss GmbH in Struth-Helmershof hielt der Landesverband Landwirtschaftlicher Wildhalter e. V. seine Fachtagung und die Mitgliederversammlung ab – und das hatte seinen guten Grund. Südthüringen war als Austragungsort mal wieder an der Reihe – und da bot sich die frisch renovierte und herbstlich dekorierte Lokalität an. Schließlich ist LandGUT-Chef Steffen Eck ebenso Mitglied im Verband. Er war also Gastgeber und konnte nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung den Mitgliedern somit auf einer kurzen Exkursion noch seine eigene Wildtierhaltung als Teil des breit gefächerten Landwirtschaftsbetriebes vorstellen. Und das stieß auf Interesse. Vor etwa 15 Jahren hatte Eck, der im Kerngeschäft ein Pflegedienstunternehmen leitet, das Wildgehege aufgebaut. Was als Schaugatter und Balsam für die Seele der Senioren gedacht war, entwickelte sich Schritt für Schritt zu einem Nutzgatter, das bewirtschaftet wird. Heute hält der Nebenerwerbslandwirt Sika- und Damwild. Ein zweites Gatter ist geplant.

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Auch für seinen Betrieb war der trockene Sommer nicht leicht. „In 16 Wochen gab es keine zehn Liter Niederschlag“, erzählt er beim Rundgang. Die Böden in hiesigen Gefilden speichern kein Wasser. Eck musste Heu zukaufen. Weil der Aufwuchs dürftig war, musste zudem schon im Sommer zugefüttert werden. Das Futteraufkommen auf dem Grünland war nicht nur dürftig, sondern hatte auch weniger Qualität. Das wirkte sich auf die Zunahmen der Tiere und aufs Schlachtgewicht aus. „10 bis 15 Prozent fehlen“, konstatierte er. Und auch auf die Fruchtbarkeit dürfte dies Auswirkungen haben. Dass mit der neuen europäischen Agrarreform die Wildhalter schlechter gestellt werden sollen als andere Grünlandbewirtschafter, wurmt die Branche. „80 bis 90 Euro je Hektar gehen uns dadurch verloren“, sagte Eck während des Rundgangs.

Das Problem war natürlich auch zuvor Thema in Fachtagung und Mitgliederversammlung. Bislang war es so, dass die Landwirte zusätzliche Beihilfen für ihre Grünflächen bekommen konnten, wenn sie diese extensiv und umweltschonend nach bestimmten Kriterien bewirtschafteten. Doch mit den anstehenden Änderungen soll das auf die Wildtierhalter nicht mehr zutreffen. Auch für Bernd Kästner, den Geschäftsführer des Landesverbandes Landwirtschaftlicher Wildhalter e. V. Thüringen, ist das unverständlich. „Das Wild macht nichts anderes als Rinder auch“, sagt er. Die Flächen werden frei gehalten. Als es um die Änderungen und den Tierbesatz je Hektar ging, sei irgendwann einmal eine Tabelle als Berechnungs-Grundlage genommen worden, in der das Wild nicht mehr auftauchte. In diesem Punkt will man nicht nachlassen und bundesweit Druck zu machen. Wie sich die derzeit schwierige, wirtschaftliche Lage in Deutschland, die bis in die Familien hineinreicht, auf den Konsum von Wildfleisch auswirkt, vermag man noch nicht zu sagen. „Ob die Leute mehr sparen und darauf verzichten oder generell weniger einkaufen – aber wenn, dann auf gute Produkte und Qualität wie eben Wildfleisch setzen, das müssen wir abwarten“, sagt Bernd Kästner. „Die Zeit vor Weihnachten und Neujahr wird das zeigen.“ Schließlich müssen auch die Wildhalter mit gestiegenen Kosten klarkommen. „Wie weit gehen die Kunden aber mit, für ein Produkt mit einem immer schon hohen Preisniveau noch tiefer in die Tasche zu greifen“, stellte Verbandsvorsitzender Elmar Gerth schon in seinem Vorwort in der Tagungs-Einladung als Frage in den Raum. Die Antworten darauf stehen also noch aus.

In der Veranstaltung ging es neben den Flächenbeihilfen ab dem Jahr 2023 auch um das neue Tierarzneimittelrecht, das einiges neu regelt und auch die Wildhalter tangiert. Hier wird sich in der Dokumentationspflicht einiges ändern - vor allem aber für die Tierärzte. Einfacher wird künftig die Umwidmung von Tierarzneimitteln gehandhabt, die beispielsweise für Rinder zugelassen sind, aber nicht explizit für Wild. Hier ist der Einsatz künftig fürs Gatterwild im Bedarfsfall, wenn Tiere erkranken, sogar flexibler möglich als früher. Einfacher wird auch der Bezug von Tierarzneimitteln aus anderen EU-Mitgliedsstaaten.

Steffen Eck blickt mit seiner Wildhaltung trotz gestiegener Kosten und des extrem trockenen Jahres mit wenig Futter optimistisch in die Zukunft. Er liefert beispielsweise Wildfleisch in das gerade neu eröffnete Luxushotel in Oberhof. Die Verantwortlichen von da waren auf ihn im Vorfeld zugekommen. „Das Haus setzt stark auf Regionalität“, sagt er. „Und so werden die Gäste, die hier übernachten, bei der Abreise auch ein Lunchpaket mit auf den Weg bekommen, in dem sich auch ein Ringel Knackwurst aus unserer Fleischerei in Struth-Helmershof befindet.“ Ein Zufall und Selbstläufer sei das nicht gewesen. „Da gab es vorher Verkostungen von verschiedenen Anbietern.“ Und so wirbt nicht nur das Luxushotel an sich für Thüringer Gastlichkeit, sondern direkt auch für die Gaumenfreuden von hier. „Das ist gut so für die Region“, sagt Eck. Ländliches ganz nah erleben werden die Luxus-Gäste zudem. Aus Steffen Ecks Landwirtschaft sollen jetzt sogar zwei Esel am Hotel in Oberhof ihr Zuhause finden – und den großen und kleinen Gästen Freude bereiten.