Stromversorger Gemeinsam gegen Drückerkolonnen

Peter Tischer

Die Stadtwerke Neustadt, Rödental und Sonneberg warnen vor unlauteren Angeboten. In der Branche gebe es immer mehr „schwarze Schafe“.

Philipp Walter, Stadtwerke Rödental, Martin Blechschmidt, Likra Sonneberg und Simon Weber, Stadtwerke Neustadt (von links), warnen ausdrücklich vor „Schnäppchen“-Geschäften bei Strom, Wasser, Gas und Internet sowie Telefonie. Foto: pet

Neustadt/Rödental/Sonneberg - Es ist ein Thema, das alle drei Stadtwerke aus Sonneberg, Neustadt und Rödental betrifft: Immer wieder sind Kunden im Versorgungsgebiet von aufdringlichen „Drückerkolonnen“ betroffen, die unter einem Vorwand versuchen, an Daten zu kommen, um neue Verträge abzuschließen, zum Teil ohne Wissen der Betroffenen. Diese erfahren oft erst durch die Kündigungsbestätigung des bisherigen Versorgers davon. Nicht selten ist die gesetzliche Widerrufsfrist dann abgelaufen. Deshalb betreiben der Strom- und Gasanbieter Licht- und Kraftwerke Sonneberg (Likra), die Stadtwerke Neustadt (SWN) sowie die Stadtwerke Rödental (SWR) nun gemeinsam Aufklärung.

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Der Rödentaler Stromversorger erhielt vor Kurzem den Anruf einer Kundin, in deren Wohnanlage sich gerade ein „Energieberater“ befand. Unter dem Vorwand, er sei „für die Stadtwerke Rödental“ tätig, kam er an sensible Daten und war gerade dabei, einen Stromvertrag für einen anderen Anbieter abzuschließen. „Zum Glück hat unsere Kundin noch rechtzeitig reagiert und uns kontaktiert, sodass wir den angeblichen Berater vor Ort stellen konnten“, sagt Philipp Walter von den SWR. Auf Nachfrage gab der „Energieberater“ zu, dass die Kundin bereits einen Auftrag unterschrieben habe. Die Frau wollte aber lediglich ein Angebot, schließlich hatte der Berater „Bedenkzeit“ angeboten. Dass damit aber die gesetzliche Widerrufsfrist gemeint war, konnte mithilfe des Stadtwerke-Teams aufgedeckt werden, woraufhin der Auftrag storniert wurde. Umgehend leiteten die SWR rechtliche Schritte gegen den „Berater“ ein. „Wir wollen unsere Kunden vor derartigen Machenschaften schützen und gehen bei unlauterem Vorgehen rechtlich dagegen vor“, erklärt Philipp Walter. In einem Urteil wurde kürzlich ein Energieversorger aufgrund unlauterer Machenschaften zu einer Geldstrafe in Höhe von 250 000 Euro verurteilt.

Die Likra Sonneberg hat auch noch mit anderen Methoden zu kämpfen. In regelmäßigen Abständen installierten große Energieversorger mobile Verkaufsstände vor Kaufhäusern in Sonneberg, um Kunden zu gewinnen, sagt Martin Blechschmidt, Leiter Handel und Vertrieb der Likra: „Dagegen wäre prinzipiell auch nichts einzuwenden, wenn dies ‚sauber‘ ablaufen würde. Leider erfahren wir jedoch vermehrt von Fällen, bei denen völlig unrealistische Einsparpotenziale versprochen werden. Jeder, der die Zusammensetzung des Strom- und Gaspreises kennt, weiß, dass diese Einsparpotenziale nicht erreicht werden können.“ Da bei beiden Energieträgern der staatlich regulierte Anteil an Netzentgelten, Abgaben und Umlagen sowie Steuern für jeden Anbieter gleich hoch ist und zudem alle Anbieter an derselben Energiebörse kaufen, handle es sich in der Regel um leere Versprechungen.

Seit einiger Zeit erreichen auch die SWN vermehrt Meldungen über Haustür-Vertreter, die sowohl Strom- als auch Internet- und Telefonieprodukte anbieten und somit auch Kunden der Stadtwerke-Tochter Telenec kontaktieren. „Hierbei wurden die abenteuerlichsten Vorwände angewandt, um in den Hausanschluss-Raum des Kunden zu gelangen“, verrät Simon Weber, Leiter Marketing und Vertrieb bei den SWN. Unter anderem sei gefragt worden, ob der Kunde auch von der letzten Internet-Störung betroffen gewesen sei und ob man sich den Hausanschluss mal ansehen könne. „Das ist ein beliebter Trick. Oft befindet sich im Hausanschluss-Raum auch der Strom- und Gaszähler mit der jeweiligen Nummer darauf, mit welcher man anschließend einen Vertrag abschließen kann“, erklärt Weber. Er selbst habe einen solchen Vertreter vor einer Haustür gestellt und den betroffenen Kunden aufgeklärt. „Wir haben umgehend rechtliche Schritte gegen den Vertreter sowie den Stromversorger und das Telekommunikationsunternehmen eingeleitet, für welche der Vertreter tätig war“, sagt der Marketingleiter.