Straufhain/Seidingstadt Jubiläumswandertag rund um den Straufhain

Peggy Stöber gibt auf der Tour Informationen zum Grünen Band an die an die interessierten Wanderfreunde weiter. Foto:  

Gut 60 Wanderfreunde waren der Einladung der Gemeinde Straufhain und der Initiative Rodachtal zum 25. Thüringisch-Fränkischen Wandertag am Nationalfeiertag gefolgt.

Straufhain/Seidingstadt - „Auf, lasst uns fröhlich wandern in schöner bunter Reih‘ von einem Ort zum andern, hell klingt ein Lied dabei“, ein Wanderlied, dessen Text nicht besser zum Jubiläumswandertag am Sonntag hätte passen können. Wenn auch der Gesang zu kurz kam und der oder die eine oder andere nur für sich ein Liedchen auf den Lippen hatte, so war es doch eine gut gelaunte bunte Wanderschar, die sich zum Start am Dorfbrunnen in Seidingstadt traf. Ob nun Hand in Hand oder Seite an Seite, der Tag der Einheit erinnert daran, dass man wieder grenzenlos von einem zum anderen Ort wandern kann.

Dass es keinesfalls eine Selbstverständlichkeit war, am Fuße des Straufhain vom thüringischen Seidingstadt ins bayerische Rudelsdorf zu wandern, auch wenn es heute so erscheint, daran erinnerten Straufhains Bürgermeister Tino Kempf und Christian Gunsenheimer, Vize-Landrat von Coburg, bei der Begrüßung. Ein solcher Wandertag am Tag der Deutschen Einheit, aber nicht nur dieser, soll auch stets zum „Austausch der Meinungen“ genutzt werden, so Gunsenheimer. An die Anwesenden gerichtet, die aus dem Schleusinger Raum bis weit in den Coburger Raum vertreten waren, erinnerte er daran, auch von Zeit zu Zeit „seinen eigen Standpunkt zu hinterfragen“. Beide Vize-Landräte, Christian Gunsenheimer und Dirk Lindner (Hildburghausen) überreichten der Initiative Rodachtal (IR) einen Scheck zur Unterstützung des Thüringisch-Fränkischen Wandertags an Heldburgs Bürgermeister Christopher Other, der die Grüße des Vereins übermittelte.

Ausstellung zum Bähnle

Bereits vor dem Start nutzten Wanderfreudige die Gelegenheit, sich am ehemaligen Haltepunkt der Kleinspurbahn Hildburghausen-Lindenau/Friedrichshall die Ausstellung „Unser Bähnle“ anzusehen. Dazu hatte Dieter Jäger aus Seidingstadt, der sich um diese gemeindliche Einrichtung kümmert, die Bahnhofstür weit aufgemacht. Doch dann setzte sich die Schar in Richtung Rudelsdorf in Bewegung.

Dabei gab es reichlich Gelegenheit, sich über alle möglichen Themen auszutauschen. Schöner Nebeneffekt: Man traf voller Freude auf Bekannte, die man schon längere Zeit nicht gesehen hatte und gelangte zu der Erkenntnis, dass es in der thüringisch-fränkischen Heimat noch viel Schönes zu erwandern gilt.

Am Naturmonument Grünes Band, an der ehemaligen Grenze, dem sogenannten Kolonnenweg, wartete bereits Peggy Stöber, Gebietsreferentin „Stiftung Naturschutz Thüringen“. Zuständig vom Thüringer Grabfeld über das Heldburger Unterland bis in den Eisfelder Raum erklärte sie das Anliegen und die Aufgaben des Thüringer Teams „Nationales Naturmonument“. Dabei gehe es um „die Erhaltung eines unwahrscheinlichen Lebensraumes mit enormer Artenvielfalt“ so Peggy Stöber. Dieser Biotopverbund enthält einen Tier- und Pflanzenreichtum wie kaum an anderer Stelle. Allein 106 Tagfalterarten seien bereits gezählt worden, die auf die große Pflanzenvielfalt zurückgehen, erklärte die Gebietsreferentin. In Thüringen erstreckt sich das Grüne Band auf einer Länge von 763 Kilometern und umfasst eine Fläche von 6500 Hektar. Auf der besagten Länge werden 600 Meter Höhenunterschied überwunden.

39 erhaltene Grenztürme bieten vielen Vogel- und anderen Tierarten Schutz, einige davon sind als Museum erhalten. Der Thüringer Bereich weist unter anderem 31 Naturschutzgebiete und 33 FFH-Gebiete (Flora-Fauna-Habitat) aus, wobei auch die Entbuschung von Teilgebieten zu den Aufgaben gehöre, so Peggy Stöber. Um das Grüne Band als einzigartige Natur und als Erinnerungskultur zu erhalten, wurde es vom Freistaat Thüringen 2018 als Nationales Naturmonument ausgewiesen.

Nach einer kleinen Stärkung, um die sich Katrin Schlefke mit ihrem Mann gekümmert hatte, ging es weiter, um den Straufhain-Gipfel zu ersteigen. Dort bot sich ein wunderschöner Rundblick über die Veste Heldburg, nach Rodach mit der Veste Coburg in der Ferne weiter zu den umliegenden Orten bis zu den beiden Gleichbergen. Seit diesem Jahr lädt auch eine große Wanderhütte neben der Burgruine zum Verweilen ein, auf die der Freundeskreis Straufhain stolz verweisen kann.

Vom Vereinsvorsitzenden Winfried Schüler und seinem Vorgänger Peter Leopold erfuhren die Straufhain-Besteiger einiges zur Geschichte der Burg Strauf und zu den Bemühungen des Vereins zur Erhaltung der Burg und seiner Umgebung. Spuren einer ersten Bebauung würden auf etwa 800 zurückgehen, wobei die Burg später Teil einer Befestigungslinie zusammen mit den Vesten Coburg und Heldburg gewesen sei, so die Heimatfreunde.

Mit zunehmender Bedeutung von Heldburg und Coburg ging sie beim Straufhain zurück. Und mit dem Bauernkrieg 1525 sei gewissermaßen der Schlusspunkt gesetzt worden. Im 16. Und 17. Jahrhundert als Baumaterial genutzt, bekam die Burgruine erst nach der Wende wieder eine gebührende Aufmerksamkeit mit der Vereinsgründung. In bisher drei größeren Aktionen in den Jahren 1995, 1997 und 2002, wurden Reparaturen zur Erhaltung der Ruine als Bodendenkmal durchgeführt.

Gemütlicher Ausklang

Damit neigte sich der Thüringisch-Fränkische Wandertag, vor 25 Jahren auf Initiative des Kur- und Tourismusvereins Bad Rodach und Umgebung und der Gemeinde Straufhain ins Leben gerufen, an dem sich seit genau 20 Jahren Initiative Rodachtal beteiligt, seinem Ende zu. Aber nicht ohne am Fuße der Burg den Tag in gemütlicher Runde bei Bratwurst und Steak, bei Getränke und Kuchen ausklingen zu lassen.

Ein großer Dank für diesen Jubiläumswandertag ging an die Organisatoren, an Katrin Schlefke, Mitarbeiterin der Gemeinde Straufhain, an Peggy Stöber von der Stiftung Naturschutz Thüringen, an Winfried Schüler und Peter Leopold vom Freundeskreis sowie an das gesamte Helferteam, die bei den Wanderfreunden für bleibende Erinnerungen sorgten.

 

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