Straftat Sprit-Diebe schlagen immer öfter zu

Ein geöffneter Tank und ein herumliegender, schwarzer Schlauch: Dieses Bild zeigte sich dem Team des Theaters Arnstadt am Dienstagmorgen. Foto: Theater

Fast fünfmal so oft wie im Vorjahreszeitraum wurden hier zuletzt Benzin und Diesel aus Fahrzeugen gestohlen. Die meisten Fälle ereigneten sich im Kreisnorden. Der jüngste traf einmal wieder das Arnstädter Theater.

Im Ilm-Kreis sind verstärkt Langfinger unterwegs. Worauf sie es abgesehen haben? Kraftstoff! Nicht zum ersten Mal wurde nun ein Laster am Arnstädter Theater zum Objekt der Begierde von Langfingern: „Wir hatten von Mittwoch bis Sonntag unser Pfingstfestival mit Open-Air-Bühne und haben gestern abgebaut – als wir heute alles ins Lager bringen wollten, wurde der Diebstahl bemerkt“, sagt Intendant Oliver Meier am Dienstag im Gespräch mit unserer Zeitung.

Bereits im April hatten es Diesel-Diebe auf einen Laster auf dem Theater-Gelände abgesehen, „die Leidtragenden waren damals das Junge Theater Bonn, die bei uns gespielt hatten. Als sie ihren Lkw einräumen wollten, haben sie sich gewundert, warum ein Schlauch herumlag und es auf dem Boden feucht war“, so Oliver Meier weiter.

Etwa 200 Euro reiner Kraftstoff-Schaden plus die Reparaturkosten – die Diebe hatten nämlich einfach die Zuleitung abgerissen, da der Tankdeckel abgeschlossen war – waren damals das Ergebnis. „Dieses Mal hatten wir gar keinen verschließbaren Tankdeckel. Außerdem waren wohl wissend nicht mehr als 15 Liter im Tank. Wir achten nun nämlich darauf, dass der Profit für die Diebe im Zweifel nicht so hoch ist“, erklärt der Intendant weiter.

Dass die Häufig der Fälle auf die gestiegenen Spritpreise zurückzuführen ist, ist sich Oliver Meier recht sicher. „Wir hatten in 26 Jahren Theatergeschichte noch nie einen Benzinklau – und nun zwei Fälle innerhalb kurzer Zeit. Das kann kein Zufall sein“, sagt er. Anzeige habe man sofort erstattet.

Dass die Zahl der Fälle solcher Diebstahlsdelikte zuletzt im Ilm-Kreis zugenommen hat, bestätigt auch die Landespolizeiinspektion Gotha auf Nachfrage unserer Zeitung. „Im Verlauf des Jahres 2022 wurden durch die Polizeiinspektion Arnstadt-Ilmenau 18 Kraftstoffdiebstähle registriert. Im Vergleichszeitraum des vergangenen Jahres, also vom 1. Januar bis 1. Juni 2021, lag die Anzahl derartiger Taten bei vier“, so Josefine du Maire, Sachbearbeiterin Öffentlichkeitsarbeit bei der Landespolizeiinspektion (LPI) Gotha. Mit dem Fall vom Theater sind es sogar 19. Die Zahl sind demnach fast fünfmal so hoch wie noch im Jahr zuvor.

Mehr als im gesamten Jahr

Zum weiteren Vergleich: Im gesamten vergangenen Jahr wurden gerade einmal 13 Diebstähle von Kraftstoff im Schutzbereich der PI Arnstadt-Ilmenau erfasst. Das bedeutet, dass es im vergangenen Jahr sogar sechs Straftaten dieser Art weniger waren als in diesen ersten Monaten des laufenden Jahres. Der Anteil von Kraftstoffdiebstählen sei allerdings mit ungefähr 0,3 Prozent des Gesamtstraftatenaufkommens im Bereich der hiesigen Polizei gering, so die Presseverantwortliche weiter.

Und die Motivation der Täter? Schlagen sie nun häufiger zu, weil die Kraftstoffpreise in den vergangenen Wochen und Monaten dramatisch gestiegen sind? „Die Motivation der Täter ist häufig unbekannt und gewiss unterschiedlicher Natur, ob die Preissteigerung bei den Kraftstoffen als Tatmotivation angesehen werden kann, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden“, teilt die Polizei auf entsprechende Nachfrage mit. Festlegen will man sich hier offensichtlich nicht.

Was allerdings außer Frage steht: Ein gewisses Muster ist zu erkennen. Die angezeigten Taten des laufenden Jahres ereigneten sich vorwiegend im nördlichen Ilm-Kreis. Parkplätze und Baustellen waren meist der Tatort, so die Polizei. Nahezu ausschließlich hatten die Langfinger Laster oder andere Baufahrzeuge ins Visier genommen.

Das unterstreicht auch ein Blick auf die jüngsten von der Polizei selbst veröffentlichten Fallbeschreibungen im Blaulichtportal: 600 Liter haben Diebe beispielsweise vor einer Woche aus einem geparkten Lastwagen in der August-Rost-Straße in Arnstadt abgezapft. Am Wochenende zuvor das gleiche Spiel: An selber Stelle hatten sich Langfinger an einem Laster zu schaffen gemacht und schon einmal 600 Liter Kraftstoff entwendet. Weniger als zwei Wochen zuvor hatten Diebe in Arnstadt 400 Liter Treibstoff aus verschiedenen Baufahrzeugen „Am Riesenlöffel“ erbeutet. Aber auch Bagger in Haarhausen, im Amt Wachsenburg und mehr waren in der Vergangenheit zum Objekt der Begierde der Sprit-Diebe geworden.

Eine Ausnahme weiter südlich: Am Bahnhof in Martinroda hatten sich Langfinger im April einen Laster ausgeguckt, aus dem sie 100 Liter Diesel entwendeten.

Was sich Oliver Meier mit Blick auf die jüngsten Vorfälle für das Theater wünscht: Eine vorbeugende Videoüberwachung des doch recht abgeschieden gelegenen Hauses. Dies durchzusetzen, sei allerdings seit längerer Zeit in der Diskussion, bisher habe es wohl am Datenschutz gehapert.

Allerdings habe Arnstadts Bürgermeister angekündigt, eine Überwachung zu forcieren, so Oliver Meier. „Und das war bereits vor unserem jüngsten Fall“, fügt er hinzu.

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