Störfeuer aus Hildburghausen: Oberzentrum ist teures Luftschloss

Steffen Harzer war von 1996 bis 2014 Bürgermeister von Hildburghausen, danach bis 2019 Landtagsabgeordneter (das Archivfoto stammt aus dem Landtag). Foto: imago/Steve Bauerschmidt

Das geplante Südthüringer Oberzentrum rund um Suhl wird nun auch aus Hildburghausen beschossen. Es gehe den Beteiligten nur darum, Landesfördermittel abzugreifen, erklärte der ehemalige Bürgermeister Steffen Harzer. Eine Wirkung für die Region sehe er nicht.

Hildburghausen/Suhl - Nach der Kritik aus Meiningen und Schmalkalden am geplanten Südthüringer Oberzentrum fährt nun auch der ehemalige Bürgermeister von Hildburghausen, Steffen Harzer (Linke), schwere Geschütze auf. „Was das jetzige Gebilde für die Region bewegen kann, erschließt sich mir wirklich nicht“, erklärte er am Mittwoch. Es erscheine ihm nur als ein Bündnis von Suhl, Oberhof, Zella-Mehlis und Schleusingen, um Fördermittel beim Land abzufassen, um die eigenen Entwicklung voran zu treiben.

Bei einem beteiligten Unterzentrum stelle sich da ein Fragezeichen, wie dieses in die Region wirken solle und vor allem mit was. „Mit einem Glaswerk, als Highlight, einem Schloss welches nicht der Stadt gehört – wie der Altbürgermeister immer wieder betont hat – oder mit was?“, spielte er auf die Rolle Schleusingens an.

Daher gehe er davon aus, dass dieses Oberzentrum Südthüringen in dieser Form ohne die erhoffte Wirkung bleiben, im eigenen Saft kochen oder aber das Luftschloss implodieren werde, so Harzer.

Als Ursache nennt er die nach seiner Ansicht falsche Aufstellung des Konstruktes, da entscheidende Funktionen einfach fehlten: Hochschule, kulturelle Einrichtungen wie Theater, weitere ausreichende Gewerbe- und Industrieflächen und auch insgesamt weitere Funktionen die sich aus dem Landesentwicklungsplan ergeben.

Besonders schwerwiegend sei die sinkende Bevölkerungszahl in der Region. „Wir reden dann in zehn bis 20 Jahren über ein Oberzentrum mit vielleicht noch 40 000 bis 45 000 Einwohnern“, so Harzer.

„Makaber“ werde das Ganze, da man bereits ein funktionierendes Oberzentrum Südthüringen hatte, was am Suhler Widerstand und an der fehlenden Suhler Mitarbeit letztendlich gescheitert sei. Damals mit im Boot seien die Städte Hildburghausen, Schmalkalden und Meiningen gewesen, „was auch deshalb Sinn ergab, weil diese Städte alle Mittelzentren waren und so ihre eigenen Stärken in diesen oberzentralen Städteverbund mit einbringen konnten und so letztlich gemeinsam mit Zella-Mehlis, Suhl und Oberhof (als Sportstadt) gemeinsam für die Region etwas hätten bewegen können“.

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