Stiefkind Tourismus Moosburgchor singt auf Rotteroder Höhe

Der Rotteroder Jochen Döll hat sich um den Ersatz eines alten Schildes an der Tambacher Straße gekümmert, zur Übergabe sang der Moosburgchor. Erneut wurde die dringende Reparatur der historischen Handelsroute gefordert.

Rotterode - Das alte Schild mit den historischen Hintergründen zu der einst bedeutenden Handelsstraße zwischen Tambach-Dietharz und Rotterode war bereits seit geraumer Zeit verschwunden. Es war über die Jahre kaputt gegangen. Den Text hatte einst der mittlerweile verstorbene Sangesfreund Ernst Herzog entworfen, der sich auch als Heimatforscher für seinen Heimatort hervortat. Um den Ersatz kümmerte sich nun erneut ein Sangesfreund.

Jochen Döll holte sich dafür Hilfe beim Schmalkalder Wanderfreund des Turnvater Jahn-Vereins, Volker Kittel, der den Originaltext bewahrte und beisteuerte. Das Schild entstand schließlich bei der Viernauer Firma Matec. Seit Kurzem steht es nun wieder in derselben Größe am Ursprungsort, am Beginn der Alten Tambacher auf der Rotteroder Höhe. Die Sänger des Moosburgchores nutzten den Anlass nach der auftrittsarmen Coronazeit für ein Minikonzert vor Ort am vergangenen Freitagabend.

Die Identität der Rotteroder und ihre Lokalgeschichte seien seit Jahrhunderten eng mit dem Handelsweg verwoben, sagt Jochen Döll. Der Verbindungsweg zum Neuen Hof, einer alten Ausspanne nahe des Rennsteigs und weiteren Waldwiesen sei bis in die jüngere Vergangenheit für die Bewohner überlebenswichtig gewesen. Gebaut nach dem Vorbild römischer Bauherren seien die Ähnlichkeiten teilweise noch zu erkennen, genau, wie die vielen Hohlwegereste, die unter Denkmalschutz stehen. „Selbst die Herzöge von Sachsen-Coburg und Gotha haben es ermöglicht, dass die Straße ausgebaut wurde und für jedermann in einem nutzungsfähigen Zustand unterhalten wurde“, spielt Döll auf den desolaten Zustand des Weges an, der bis heute ein wichtiger Zubringer zur Neuhöfer Wiese und den Hütten dort sei.

Während solche Rennsteigleitern zu Thüringens berühmtem Höhenweg anderenorts gehegt und gepflegt werden, scheint die Situation am Rotteroder Weg immer noch festgefahren. Wie weit die Gespräche zwischen Stadt, Forst und Waldbesitzer mittlerweile gediehen sind – ob es überhaupt welche gibt – dazu schweigen die Beteiligten zumeist oder teilen knapp mit, dass es keine Neuigkeiten gebe.

Selbst in Zeiten der Weimarer Republik sei diese Straße unterhalten und befestigt worden, so Döll weiter. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie weiterhin für die Landwirtschaft benötigt, aber auch von der Sowjetarmee für Truppenverlegungen zwischen den Garnisonen Ohrdruf und Meinigen genutzt. Dennoch sei es immer gelungen, die Straße nutzbar zu halten und reparieren, wenn auch manchmal nur notdürftig. Zum letzten Mal übrigens im Jahr 1988, erinnerte er. In den vergangenen 30 Jahren dagegen gelang dies niemandem, abgesehen von über die Jahre Tausenden Euro, die der Jahn-Verein hier aus eigener Tasche in Reparaturen investierte.

Auch in Erfurt hat das Projekt offenbar immer noch keine Lobby. „Es ist nicht zu glauben, dass einst die Aristokraten und Feudalherren mehr Intelligenz und Mut zur Wahrung der Schöpfung hatten als wir. Es ist schade für so viel Egoismus der beteiligten Protagonisten.“ Die neuen Verhältnisse von kommunalem und privatem Eigentum ließen vermuten, dass eine Lösung zu Wiederherstellung der Nutzbarkeit in weiter Ferne liege. „Den Schaden haben die Ehrenamtler von der Jahnhütte, der Bergwacht und der Silberwiese, die kleinen Waldbauern und die landwirtschaftlichen Nutzer. Viele Rotteroder sind nach wie vor Eigentümer von Wald und Wiesen und somit auch Geschädigte. Das Vertrauen in Staat und Gerechtigkeit schwindet so langsam“, kritisiert Döll.

Stattdessen werden angerichtete Schäden hier nun gar nicht mehr reguliert. Dabei sehe die Gesetzgebung durchaus vor, dass derjenige zur Übernahme der entstandenen Kosten verpflichtet werden kann, wer eine Fahrbahn oder einzelne Bestandteile beschädigt oder zerstört. Gelinge es auch weiterhin nicht, die kommunale Straße instandzusetzen, dann sollte wenigstens diese Möglichkeit genutzt werden, um das Nötigste zu reparieren, fordert Jochen Döll.

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