Steinbach-Hallenberg Venter-Glocken spendiert Türglocke fürs Rathaus

Bis die neue Wechselsprechanlage geliefert wird, können Bürger fortan an der analogen 22-Zentimeter-Glocke von David Venter (rechts) läuten. Bürgermeister Markus Böttcher freute sich und danke dem Kleinschmalkalder. Foto: Antje Hoffmann

Als David Venter, Chef der Kleinschmalkalder Venter Glocken GmbH, von der fehlenden Türglocke am Steinbach-Hallenberger Rathaus hörte, klingelte es sofort. Woher sollte das neue Geläut kommen, wenn nicht von hier.

Steinbach-Hallenberg - Auch in bescheidenen Zeiten den Humor nicht zu verlieren, das gehört für David Venter zur Lebensmaxime. Als der Kleinschmalkalder am Mittwoch in der Heimatzeitung las, dass so manche Steinbach-Hallenberger den Weg zum Rathaus vergebens antraten, weil der neue, digital-vernetzte Türgong, wegen coronabedingter Lieferschwierigkeiten noch nicht montiert ist, griff er fast automatisch zum Telefon.

Am anderen Ende war Bürgermeister Markus Böttcher ebenso verdutzt, wie erfreut. Immerhin lockte die Ankündigung einer originalen Venter-Glocke am Rathaus sogar die Fernsehleute des MDR an.

„Das war eine Steilvorlage für uns“, sagt Venter, der um die Zuverlässigkeit seiner analogen Kuh-Schrittzähler weiß. Kein Bürger solle fortan in der Haseltalstadt vor verschlossenen Türen stehen, sagte er sich, schnappte sich eines der größeren Exemplare und knotete es am Freitagmittag gemeinsam mit Stadtchef Böttcher und vor den Augen der Weltpresse am Rathausvordach fest. Selbst das Fernsehen war gekommen.

Nichts, was man die große Glocke hängen müsse, kommentiert der Chef die Spende seines Familienunternehmens. Unverwechselbar sei der Betrieb ja schon immer gewesen. Während es einem Hirten in den weitläufigen Alpen relativ egal sein konnte, wie die Glocken an den Kuhhälsen seiner Tiere klangen, kamen sich Herden und Hirten in den engen Thüringer Tälern schon mal in die Quere – und durcheinander.

Die Lösung: Jede Herde bekam ihre Tonart verpasst, jedes Rind seine eigene Tonlage. So ließen sich die Herden nun zwar am Klang unterscheiden, aber einen Nachteil brachte die Technik auch mit sich: Sie war aufwendig. Jeder Hammerschlag erforderte nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch musisches Gehör. Eine Handwerkstradition von über 140 Jahren. Seit es Rinderherden aber nur noch unter Plastikfolie in Kühlregalen gibt, brauche es auch kaum noch Herdengeläute. Längst habe sich die Firma auf Souvenirs spezialisiert. Nur brauche auch die gerade keiner, sagt Venter, lässt sich aber deswegen nicht entmutigen.

Wenn die Kurzarbeit Geschichte ist und die Produktion erst wieder anläuft, dann schlummern längst neue Ideen in der Schublade, die nur darauf warten, herausgeholt zu werden, verrät David Venter.

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