Steinbach-Hallenberg Polizeieinsatz erhitzt die Gemüter

Randale, wie auf dem Spielplatz in Steinbach-Hallenberg, sind derzeit an der Tagesordnung. Die Kommunen scheinen machtlos. Foto: privat

In Steinbach-Hallenberg sorgt ein Polizeieinsatz für Aufregung, der sich vermeintlich gegen Jugendliche richtete. Jugendarbeiter und Polizei rufen dagegen zu einer sachlichen Diskussion auf.

Steinbach-Hallenberg - Bei dem Polizeieinsatz am Spielplatz unterhalb der Spielwiese kontrollierten Beamte im Zuge einer Jugendschutzkontrolle am Montag etwa acht bis neun Jugendliche, heißt es auf Anfrage bei der Polizei. Weil die 14- bis 16-Jährigen Alkohol tranken und Zigaretten rauchten, habe es ein belehrendes Gespräch gegeben und die Aufforderung, ihren Müll zu beseitigen. Sie seien lediglich ermahnt worden, Anzeigen wurden nicht erstattet, so eine Sprecherin.

Dass der Vorfall die Gemüter im Nachhinein so erregt, dafür sorgte offenbar ein Beitrag in den sozialen Medien. Polemisch dankt dessen Autor den Polizeikräften für ihren „selbstlosen Einsatz“. Sie hätten „spielende Kinder vertrieben“ und „die davonlaufenden Kinder verfolgt“. Es folgen zynische Anspielungen, unter anderem auf die Beschlüsse zur Eindämmung der Covid-Pandemie „unserer absolut demokratisch gewählten Thüringer Minderheitsregierung“. Jugendarbeiterin Judith Frank findet solche Beiträge nicht hilfreich. Sie heizen lediglich Debatten mit Halbwahrheiten an. Sicher, über die Verhältnismäßigkeit des Einsatzes könne man streiten. Immerhin kamen die zwei Steinbach-Hallenberger KoBBs am Montag nicht alleine, sondern in Begleitung mehrerer Bereitschaftspolizisten in Vollmontur. Das habe einigen Jugendlichen wohl einen gehörigen Schrecken eingejagt.

Was die Bereitschaftspolizisten in Steinbach-Hallenberg zu tun hatten, ließ die Polizei offen. Bekannt ist aber, dass sich montags auch in der Hallenburgstadt besorgte Bürger zu Spaziergängen treffen, um gegen die Corona-Bestimmungen auf die Straße zu gehen. Am vergangenen Montag waren es laut der Facebook-Gruppe „Freies Stadtgespräch Steinbach-Hallenberg“ circa 20 Bürger, die gegen die Erweiterung des Infektionsschutzgesetzes demonstrierten. Andere Beobachter sprechen von zehn Teilnehmern.

Laut Polizei kamen die Hinweise auf die Jugendlichen am Spielplatz aus einer Gruppe „besorgter Anwohner“. Deren eigene Kinder würden sich nicht mehr auf diesen Spielplatz trauen, ließen sie verlauten. Schon von Amtswegen müssen Polizisten solchen Hinweisen nachgehen und das sei auch am Montag der Grund der Kontrolle gewesen, bestätigt die Sprecherin. Eben nur mit der Bereitschaftspolizei.

Die Jugendarbeiter hatten von diesem Einsatz keine Kenntnis, bedauert Judith Frank. Erfahrungsgemäß suchen sich die Jugendlichen danach andere Orte, an denen sie sich treffen. „Für uns heißt das, dass wir wieder von vorne anfangen“, sagt die Streetworkerin und erklärt, wie schwierig die Jugendarbeit in Coronazeiten ist.

Während im Landkreis Gotha und im Wartburgkreis die Jugendklubs mit Hygienekonzepten und begrenzter Personenzahl geöffnet sind, bleiben die Türen im Landkreis Schmalkalden-Meiningen seit Monaten dicht. Den Streetworkern seien die Hände gebunden, ihnen bleibe dann nur noch die sogenannte aufsuchende Jugendarbeit. Doch die Kinder und Jugendlichen zu finden, sei sehr schwierig.

„Wir sind täglich draußen bei den Jugendlichen und wir kennen auch den Treffpunkt an der Spielwiese“, sagt Judith Frank. Zig Gespräche habe man mit den Jugendlichen bereits geführt, mit wechselndem Erfolg. An einem aber ließ sie keinen Zweifel: „Wir stehen eher hinter den Jugendlichen, versuchen sie zu erreichen“, sagt sie. Tagtäglich seien Kolleginnen und Kollegen in der Außenarbeit im Landkreis unterwegs, die Situation sei besorgniserregend. Ähnliche Probleme gebe es derzeit auch in Zella-Mehlis. In Schmalkalden nimmt die Randale im Westend-Park ungeahnte Ausmaße an. Diese Woche kündigte Schmalkaldens Bürgermeister Thomas Kaminski harte Konsequenzen an, wenn die Täter ermittelt werden.

Auch Steinbach-Hallenbergs Bürgermeister Markus Böttcher kann ein Lied davon singen. Erst kürzlich sei an besagtem Spielplatz eine Tischtennisplatte brachial aus der Verankerung gerissen worden. „Man schaut es sich an und denkt, das geht gar nicht“, sagt Böttcher. Zwei Bauhofmitarbeiter kostete die Reparatur je drei Stunden ihrer Arbeitszeit. Der Zeugenaufruf blieb bislang ohne Erfolg. Auch deshalb seien die Jugendschutzkontrollen derzeit durchaus ein Mittel der Wahl, sagt er und bittet dafür um Verständnis.

Ob deswegen zwei Busse Bereitschaftspolizisten ausrücken müssen, darüber gehen die Meinungen hingegen auseinander. Jugendarbeiter wünschen sich eine bessere Kommunikation und appellieren auch an die Eltern, in dieser Ausnahmezeit ein wachsameres Auge auf ihre Heranwachsenden zu haben.

Unter den Jugendlichen brenne die Luft, dabei seien sie doch derzeit die eigentlichen Opfer. Treffen seien nicht möglich und es gebe kaum Freizeitangebote, so Judith Frank. „Polizei bedeutet Repression, wir sind die Prävention“, bestätigt Schmalkaldens Jugenddiakon Frank Peternell. Auch er wünsche sich da mitunter eine bessere Zusammenarbeit der Institutionen. Kinder und Jugendliche wissen derzeit oft nichts mit sich anzufangen und den Jugendarbeitern seien die Hände gebunden, obwohl die Thüringer Verordnung mehr zulassen würde.

Stattdessen bleibe ihnen oft nur, die Jugendlichen aufzusuchen, um sie dann dazu anzuhalten, nicht in Gruppen zusammenzustehen, verdeutlicht Peternell das Dilemma. Und auch er bestätigt: Jugendarbeiter stünden auf der Seite der Jugendlichen. Nur gibt es derzeit kaum keinen Ort dafür.

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