Steinbach-Hallenberg Ein Traum für Eisenbahnenthusiasten

Samstagmittag hielt die Museumslok der Baureihe 58 in Steinbach-Hallenberg. Während des Stopps füllte die Feuerwehr Wasser nach und die Passagiere hatten Gelegenheit zum Luftschnuppern. Der Zug querte die Region auf dem Weg von Kassel nach Arnstadt und zurück.Foto: Gerhard Freytag/ Foto:  

Auf seiner Hinfahrt von Kassel-Wilhelmshöhe bis nach Arnstadt und zurück hielt am Samstag der Dampfsonderzug „Thüringer Wald“ auch in Steinbach-Hallenberg. Gezogen wurde er von der letzten Museumslok ihrer Art, der 102 Jahre alten 58 1111-2 der Ulmer Eisenbahnfreunde.

Mit einer Stunde Verspätung dampfte der Zug am Samstagmittag von Schmalkalden aus in den Steinbach-Hallenberger Bahnhof. Gestartet war er am Morgen in Kassel-Wilhelmshöhe mit einer Diesellok, die die Passagierwaggons aus den fünfziger und sechziger Jahren über Rotenburg und Bebra nach Eisenach zog. Dort übernahm die historische Dampflok die Arbeit und zeigte vor allem in den Thüringer Bergen, was noch in ihr steckt.

Während des Stopps in Steinbach-Hallenberg hatten die Passagiere Gelegenheit, die Luft der Haseltalstadt zu schnuppern, denn hier war „Wasser fassen“ angesagt. Für das Auffüllen des Wasserreservoirs sorgten die Kameraden der freiwilligen Feuerwehr, die von Gerhard Freytag im Vorab über die Verspätung informiert wurden. Der Chef der Modelleisenbahnfreunde der Stadt und selbst passionierter Eisenbahnfan war mit Bekannten im Zug per Telefon verbunden.

Laut seinen Informationen handelt es sich bei der Dampflok um ein echtes Museumsstück. Die einstige BR 58 311 wurde 1921 in Karlsruhe gebaut und sei die letzte Museumslok ihrer Art. Die Drei-Zylinder-Lok badischer Bauart sei ein echtes Arbeitstier. Sie sei eigentlich eine starke Güterzuglok und als solche auch steilstreckentauglich. Deshalb konnte sie auch für die Sonderfahrt über den Thüringer Wald eingesetzt werden, die Mitglieder des Vereins Eisenbahn-Nostalgiefahrten-Bebra organisiert hatten.

Mit Güterwaggons im Schlepptau sei die Lok vor Jahren schon einmal hier gewesen, ebenfalls auf einer Sonderfahrt, erinnert sich Freytag. Am Samstag nun war sie mit ihrer neuen Bezeichnung 58 1111-2 unterwegs. „Sie wird von den Ulmer Eisenbahnfreunden gepflegt und gefahren. Hoffentlich nach lange“, sagt der Eisenbahnfan. Laut dem Verein entstand die Baureihe 58 einst aus den Erfahrungen des Ersten Weltkrieges heraus. Bis Kriegsende wurden noch rund 300 Stück gebaut. Insgesamt kauften die badischen, sächsischen, württembergischen und preußischen Staatsbahnen insgesamt mehr als 1300 Lokomotiven.

Die Ulmer Lok kam in ihrer über 100-jährigen Geschichte viel herum, unter anderem von Karlsruhe bis Oberschlesien und war in Zwickau, Gera, Greiz, Chemnitz und zuletzt, bis 1977, in Aue im aktiven Einsatz. In den Achtzigerjahren waren es schließlich die Ulmer Eisenbahnfreunde, die die Lok erwarben und seitdem hegen und pflegen. Unter anderem wurde sie nach der Wende auch im Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) Meiningen gewartet.

An der Strecke warteten am Samstag Eisenbahnfans und Fotografen, die aus ganz Deutschland und bis aus den Niederlanden gekommen waren. Während des anderthalbstündigen Stopps in Arnstadt fuhr die Lok zur Wartung weiter nach Gotha und danach im Dunkeln zurück nach Kassel.

Seit die Deutsche Bahn Ende 1921 ihr Thüringer Bahn-Nostalgieprogramm, unter der Kritik von Eisenbahnfans, eingestellt hat, sorgen ehrenamtliche Bahnenthusiasten mit solchen Sonderfahrten dafür, die Tradition der alten Stahlkolosse auch auf Thüringer Gleisen am Leben zu halten. Schon in der kommenden Woche dampft der nächste Traditionszug durch die Region. Diesmal ist es der Verein IGE „Werrabahn Eisenach“, der den beliebten Rodelblitz – nunmehr rein eigenwirtschaftlich – auch in diesem Jahr wieder durch Thüringen dampfen lässt. Die Fahrkarten seien deswegen teurer, als in den vergangenen 23 Jahren, schreiben die Eisenbahnfreunde auf ihrer Internetseite, wo es auch die Links zum Kartenkauf gibt. Sie hoffen durch ihr Engagement doch noch auf ein Umdenken in der Landesregierung und die Einsicht, das Thüringer Tourismus nicht nur aus Oberhof und Weimar bestehe, heißt es dort. Der Rodelblitz fährt nach derzeitigem Stand am 28. und 29. Januar sowie am 4. Februar, von Eisenach über Wernshausen, Schmalkalden, Steinbach-Hallenberg, nach Zella-Mehlis und zurück.

Für Eisenbahnfans hat damit eine ereignisreiche Zeit begonnen, jährt sich doch dieser Tage gleichzeitig die Eröffnung der Eisenbahnstrecke Steinbach-Hallenberg – Zella-Mehlis zum 130. Mal. Aus diesem Anlass wird am Mittwoch im Metallhandwerksmuseum Steinbach-Hallenberg eine Sonderausstellung eröffnet.

www.eisenbahn-nostalgiefahrten-bebra.de

www.ige-werrabahn-eisenach.de

www.uef-dampf.de

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