Steinach Wenn Klöße und Erinnerungen im Mittelpunkt stehen

Eine „eiserne Generation“ hat dieser Tage ihr „eisernes“ Schulabschlussjubiläum gefeiert. Und dabei eifrig aus dem Nähkästchen geplaudert.

Zu solch einem „historischen Treffen“ darf ein gemeinsames Erinnerungsfoto nicht fehlen. Immerhin sind 28 von einst 100 Schülern nach 65 Jahren noch dabei Foto: Fotostudio Hummel Steinach

(Ehemalige) Steinacher scheuen offensichtlich keine Wetterkapriolen, wenn es gilt, sich zum Klassentreffen wieder einmal in der Brunnenstadt zu vereinen. „Es zog sie zu den Schulfeiern aus nah und fern immer in die Heimat zurück“, weiß Georg Matthäi (letzte Reihe rechts außen), einer der Organisatoren des regelmäßigen Miteinanders, zu berichten.

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Und so reisten auch Ende Juni wieder ehemalige Schulkameraden aus ganz Deutschland an. Kein Wunder – im Herzen sind sie alle irgendwie Steinacher geblieben, ganz gleich, wo sie heute ihr Zuhause haben. Und diesmal stand schließlich ein ganz besonderes Treffen auf der Tagesordnung: der 65. Jahrestag ihrer Schulentlassung.

Natürlich sind es nicht mehr so viele wie damals, als zwei Klassen der Südschule und eine der Nordschule ihren Abschluss der zehnten Klasse in der Tasche hatten. Immerhin gab es damals offensichtlich jede Menge kleiner Steinacher, die zudem in ihren beiden Schulen bis zu dem Niveau unterrichtet wurden, das jetzt dem Realschulabschluss entspräche. Die beiden Schulen gibt es heute noch – allerdings als eine Grund- und eine Gemeinschaftsschule. Nach 65 Jahren wieder 28 von einst rund einhundert Absolventen zu vereinen, ist jedenfalls eine Leistung.

„Austragungsort des erinnerungsträchtigen Treffens war, wie immer, der Gasthof ‚Zum Goldenen Anker’“, berichtet Matthäi. Dort haben sie sich nach ihrer Schulzeit schon wiederholt zu Jubiläen in möglichst großem Kreis getroffen. Und diejenigen, die bis heute in Steinach und Lauscha sesshaft geblieben sind, unternehmen zudem jedes Jahr zwei gemeinsame Wanderungen.

Mit Schmunzeln verfolgten die ehemaligen Schüler des Abschlussjahrgangs 1959 den Dia-Vortrag ihres „Archivars“ Reinhold Jakob (hintere Reihe, 3. von links), der einen Rückblick auf die gemeinsame Zeit von der Schuleinführung bis zur Entlassung vorbereitet hatte und natürlich auch vergangene Schulkollegentreffen thematisierte. Gekonnt setzte Jakob im Gasthof „beim Werner“ Bilder der vergangenen Treffen und Wanderungen in Szene.

Bevor sich alle den kulinarischen Angeboten – leckerem Kaffee und Kuchen – widmeten, hieß es zunächst, vor historischem Hintergrund Aufstellung fürs offizielle Gruppenfoto zu nehmen.

Wie zu Schulzeiten wartete – nach der (Kaffee-)Pause – schon die nächste Unterrichtsstunde. Ein Besuch der Marolin-Manufaktur stand diesmal auf der Tagesordnung. Ganz nach dem Motto: „Wenn schon in der Schulzeit alle von uns Engelein waren, sollten wir die Entstehung eines solch geflügelten Wesens einmal näher in Augenschein nehmen“. Fazit: Es ist doch ein großer Unterschied zwischen Engel sein und Engel werden.

„Nach dem Abendessen tauschten wir weiter Erinnerungen aus“, fährt Matthäi mit seinem Rückblick aufs gelungene Treffen fort. „Verständlich, dass die Schule wieder im Mittelpunkt stand. Die Ohren der ehemaligen Lehrer mögen geklungen haben...“ Klangvoll wurde es aber auch beim gemeinsamen Gesang von Volksliedern zum schönen Ausklang des Abends. „Chapeau“ sagte jemand, der es wissen musste.

Am Sonntag nahm ein großer Teil der Schulkollegen mit ihren Partnern am Gottesdienst zum Konfirmationsjubiläum in der Stadtkirche St. Peter & Paul teil. „Prädikantin Denise Müller Blech überzeugte mit einer uns alle beeindruckenden Auffassung über den Glauben“, so die Jubilare. Und was gehört am Sonntagmittag unbedingt auf den Tisch? Thüringer Klöße natürlich! Wie immer war das Mittagessen im „Goldenen Anker“ auch beim 65-Jährigen Schulentlassungsjubiläum der krönende Abschluss. Und der Dank an all jene, die zum gelungenen Treffen beitrugen – an Werner Leib und sein Team, das Busunternehmen Weberreisen und die Firma Marolin – kommt von Herzen.

„Man nennt es nach 65 Jahren wohl auch, ‚Eiserne Feier‘, und wir betrachten uns deshalb auch als eine eiserne Generation mit eiserner Gesundheit. Die möge uns allen erhalten bleiben“, hofft Matthäi. Und fügt hinzu: „Möge ein Wunsch von Zuccalmaglio mich und meine Schulkollegen auf unseren weiteren Lebenswegen begleiten: ‚Dass wir uns hier in diesem Tal noch treffen so viel hundertmal, Gott mag es schenken, Gott mag es lenken, er hat die Gnad.’“