Stefan Schwarz und Co. Vielseitiges Leseprogramm in Ilmenau

Jessie Morgenroth

Das Veranstaltungsprogramm der Ilmenauer Stadtbibliothek verspricht fünf verheißungsvolle Abende, wobei wahlweise die Lachmuskeln beansprucht werden oder vor Angst das Blut in den Adern gefriert. Mancher Gast ist in Ilmenau nicht unbekannt, sondern Wiederholungstäter.

Stefan Schwarz. Foto: Karl-Heinz Frank

Das neue Jahr ist gestartet und so mancher Kulturbanause wird sich vielleicht zum Vorsatz gemacht haben, 2023 mehr Zeit in literarische, musische und künstlerische Aktivitäten zu stecken – und vielleicht mal ein Buch zu lesen – oder wenigstens eine Lesung zu besuchen. Für alle, auf die zumindest letzteres zutrifft, gibt es gute Nachrichten, denn für 2023 hat die Ilmenauer Stadtbibliothek fünf Veranstaltungen mit hochkarätigen Lese- und Comedygästen geplant – das dürfte darüber hinaus auch Bücherwürmer freuen, die freiwillig zum bedruckten Papierwälzer greifen.

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Den Auftakt des Ilmenauer Lesejahres macht Romy Hausmann. Auf sie müssen die Zuhörer gar nicht mehr lange warten, in gut einem Monat besucht sie das beschauliche Ilmenau, um den Bewohnern das Blut in den Adern gefrieren zu lassen. Im Gepäck hat sie True Crime „Der Abgrund in dir - Was den Menschen zum Mörder macht“. Freunde der wahren Verbrechen sollten da doch Gänsehaut bekommen. Und Verfechter eines Schöne-Heile-Weltbildes dürften, mit einem eiskalten Schauer den Rücken runter, schnell auf dem schockierenden Boden der Wahrheit landen, denn: Nichts ist so grausam wie die Wirklichkeit. Mit den im Buch versammelten Fallerzählungen führt die gebürtige Arnstädterin den Beweis, dass kein Thrillerautor auch nur annähernd so bizarre Verbrechen schreiben kann wie das Leben, heißt es in der Ankündigung.

In einfühlsamen Gesprächen mit Angehörigen und Opfern, Tätern und Ermittlern, mit renommierten Richtern, Forensikern, Medizinern und Traumaexperten spürt sie den Fragen hinter dem Offensichtlichen nach. Die Ergebnisse dieser Gespräche verdichtete sie zu einer sehr persönlichen Tagebucherzählung über die Macht der Gefühle von Opfern und Hinterbliebenen, zerstörte Leben und den Versuch, einen Abschluss zu finden, heißt es weiter in der Ankündigung.

Die Autorin landete mit ihrem Thrillerdebüt „Liebes Kind“ 2019 direkt einen Hit, ihr Buch schaffte es auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste. Es folgten zwei weitere erfolgreiche Thriller. Die Schriftstellerin wohnt mittlerweile mit ihrer Familie in einem abgeschiedenen Waldhaus in der Nähe von Stuttgart.

Ende Februar geht es schon mit der nächsten Lesung weiter, die einen brisanten Bezug zur aktuellen Situation in Osteuropa herstellt. Am Dienstag, 28. Februar, präsentiert der hierzulande gut bekannte Landolf Scherzer Auszüge aus seinem Werk „Leben im Schatten der Stürme - Erkundungen auf der Krim“. Die Krim – eine Region, die ein Paradies sein könnte, aber zum Spielball zerstrittener Länder wurde. Scherzer als „Spezialist für Recherchen vor Ort“, war bereits 2019 auf die Halbinsel. Damals ahnte er nicht, dass es der Vorabend eines Krieges zwischen Russland und der Ukraine war. Aber aus seinen Beobachtungen und Begegnungen wird die historische Dimension der Konflikte deutlich, heißt es in der Ankündigung. Das Porträt einer Krisenregion entsteht, das weder vereinfacht noch verurteilt und dadurch umso wahrhaftiger und lebendiger ist. Der Autor wurde 1941 in Dresden geboren und lebt als freier Schriftsteller in Thüringen. Er wurde durch Reportagen wie „Der Erste“, „Der Zweite“ und „Der Letzte“ bekannt.

Ernstes Thema gepaart mit Humor

Von einem wahren Wiederholungstäter kann man beim Lesegast sprechen, der Ilmenau im Mai beehrt: Stefan Schwarz hatte bereits in den vergangenen Jahren mit seinen Büchern für ausverkaufte Lesungen in der Goethe- und Universitätsstadt gesorgt, nun kehrt er mit seinem aktuellen Werk zurück. Das scheint – zumindest dem Titel nach – aber ernster zu sein, als seine Bücher zuvor. In „Bis ins Mark - Wie ich Krebs bekam und mein Leben aufräumte“ verarbeitet der Schriftsteller laut Ankündigung seine Reise durch die Sonderwelten der onkologischen Therapie und wirft einen Blick auf die Nachtseite seines Lebens, um die Zwänge und Niederlagen zu besichtigen, die seinen Humor hervorbrachten. Freilich darf aber auch bei diesem ernsten Thema die (Selbst-)Ironie nicht fehlen. So sei der Autor laut Ankündigung fast erleichtert gewesen, mit Mitte 50 die Diagnose Krebs erhalten zu haben – dann brauchte er bekennende Hypochonder immerhin keine Angst mehr haben, ihn zu bekommen. Und der Krebs lieferte dem Leipziger Geschichtsschreiber auch den Stoff für sein Buch, in dem es nicht zuletzt auch darum geht, sich und seine Familie in eine „heilsamere“ Welt zu bringen.

Nach der Komik folgt im November eine Lesung, die nichts für schwache Nerven ist. Profiler Axel Petermann ist in seinem Werk „Im Auftrag der Toten“ Cold Cases, also ungelösten Mordfällen, auf der Spur. Da ist etwa der Mann, der wegen Mordes an seiner reichen Tante zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, obwohl es gravierende Widersprüche in den Ermittlungsunterlagen gibt. Und der Tod einer lebensfrohen Frau wurde zwar als Selbstmord deklariert, doch allem Anschein nach hat der gewalttätige Ex-Freund etwas mit diesem Todesfall zutun, heißt es in der Ankündigung. So zeigt der Autor, warum gängige Ermittlungsmethoden häufig versagen und ermittelt als Außenstehender, um komplexe Verbrechen aufzuklären. Mit unnatürlichen Todesfällen kennt sich Petermann nur zu gut aus: Als Leiter einer Mordkommission in Bremen und stellvertretender Leiter im Kommissariat für Gewaltverbrechen hatte er mehr als 1000 solcher Fälle bearbeitet. Im Jahr 2000 begann er zudem mit dem Aufbau der Dienststelle „Operative Fallanalyse“, deren Leiter er bis zu seiner Pensionierung 2014 war.

„Ich komme zweimal“ , heißt das neue Comedy-Programm von Tatjana Meissner. Dabei war sie schon mehr als zweimal in Ilmenau zu Gast. 2023 kommt sie wieder – genauer gesagt komplementiert sie das diesjährige Veranstaltungsprogramm der Ilmenauer Stadtbibliothek Ende November. Die Ankündigung verspricht zwei Stunden volles Comedyprogramm. In ihrer neuen Show geht die unterhaltsame Küchenpsychologin nämlich der Frage nach, ob zum Kommen nicht immer mindestens zwei gehören, warum die Schweden nicht mehr zum Kommen kommen und was Gorbatschow mit dem Zuspätkommen gemeint haben könnte. Die Potsdamer Kabarettistin und Autorin hat wieder allerlei irrsinnig komische Geschichten im Gepäck, Zuschauer dürfen sich auf einen Abend voller Spielfreude gepaart mit Selbstironie freuen.

Diese Gäste lesen im Ilmenauer Parkcafé

Für die Veranstaltungen lädt die Ilmenauer Stadtbibliothek ins Ilmenauer Parkcafé in der Ilmenauer Naumannstraße 22 ein.

Romy Hausmann
liest am Dienstag, 7. Februar, 19.30 Uhr. Karten gibt es für 15 Euro.

Landolf Scherzer
liest am Dienstag, 28. Februar, 19.30 Uhr. Karten gibt es für 12 Euro.

Stefan Schwarz
liest am Donnerstag, 4. Mai, 19.30 Uhr. Karten gibt es für 15 Euro.

Axel Petermann
liest am Montag, 20. November, 19.30 Uhr. Karten gibt es für 15 Euro.

Tatjana Meissner
kommt am Mittwoch, 29. November, 19.30 Uhr, nach Ilmenau. Karten gibt es für 15 Euro.

Karten gibt es in der Ilmenau-Information oder im Ticketshop Thüringen.