Statistik Jobmotor Handwerk stottert etwas

Teja Banzhaf
Ein Dachdecker hat seinen Hammer in den Gürtel geschnallt. Foto: /dpa

Bundesweit ist „die Wirtschaftsmacht von nebenan’’ (Handwerksslogan) wieder etwas stärker geworden und um 2863 Betriebe auf 560 296 Betriebe gewachsen.

Sonneberg - Im Landkreis Sonneberg schwächelt sie bei der Betriebszahl allerdings ein bisschen: 602 Handwerksbetriebe sind laut jüngster Handwerkszählung aktiv. Im Jahr davor waren es 610 gewesen. Der Jobmotor Handwerk stottert etwas: Im Handwerk finden 3285 Menschen bezahlte Beschäftigung (Vorjahr: 3508). Der Umsatz ist in dieser Zeit um 9,97 Millionen Euro gesunken. Zum Vergleich: Das Verarbeitende Gewerbe, sprich die Industrie, kam in Sonneberg zur gleichen Zeit auf 83 Betriebe und 8265 Beschäftigte.

Was die Frage Wirtschaftsmacht angeht: Die 359,37 Millionen Euro Umsatz, die die Handwerksbetriebe meldeten, entsprechen rund 28,6 Prozent des Umsatzes der Industrie. Gezählt wird alles, egal ob Ein-Mann-Betrieb oder Handwerkerriese. Was Teile des Handwerks zuweilen, ob der Datensammelwut jammern lässt. Andererseits, nur so lässt sich verlässlich sagen, wie die Handwerksbilanz zum Jahresende 2019 aussah. Das sind die neuesten Zahlen, die die Statistischen Landesämter jetzt veröffentlichen konnten. Die fürs Wirtschafts- und Coronajahr 2020, brauchen noch ein bisschen.

Was die Beschäftigtenbilanz angeht, gibt es auch eine Besonderheit: Im Handwerk werden die „tätigen Personen’’ erfasst. Unter diesen Begriff fallen Chef, Chefin, Familienangehörige und Arbeitnehmer, sprich auch die Handwerkergattin, die ganz traditionell die Buchhaltung macht und die Daten ans Amt gemeldet hat. „Tätige Personen’’ wurden 3285 gezählt (Vorjahr: 3508). Werden nur die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten für sich genommen, liegt deren Zahl bei 2254. In der Handwerkszählung davor waren das 2475, sprich 221 mehr.

Was Finanzminister und Gewerbesteuerkassierer interessiert: Der versteuerte Umsatz der erfassten Handwerksbetriebe im Kreis Sonneberg lag 2019 bei 359,37 Millionen Euro. Im Jahr davor waren es noch 369,34 Millionen Euro gewesen. Im Schnitt steht ein Beschäftigter oder sein weibliches Pendant derzeit für 109 398 Euro Umsatz (Vorjahr: 105 285 Euro). Im Bundesdurchschnitt betrug der Umsatzwert pro Kopf im Handwerk 117 619 Euro. (Vorjahr: 113 712 Euro).

Wer mit den Händen werkelt, muss dabei nicht unbedingt einen Meisterbrief haben. Inzwischen gibt es über 50 „zulassungsfreie’’ Gewerke. Faustformel: Wo nichts passieren kann, wenn der Handwerker Fehler macht, kann’s jeder machen. Wer glaubt, er ist Fliesenleger, darf eine Firma aufmachen. Schuhmacher, Geigenbauer, Gebäudereiniger selbst Bestatter genießen beispielsweise Zulassungsfreiheit. Das erfreut die EU, denn die will den Zugang zum Markt möglichst einfach machen, aber hat für die Verbraucher den Nachteil, dass sie selber Profis von Dilettanten unterscheiden müssen.

Im Kreis Sonneberg hat der Kunde laut Zählung unter 87 zulassungsfreien Betrieben die freie Auswahl. 515 Handwerksbetriebe haben pflichtgemäß mindestens einen Meister oder (wie beispielsweise Kfz-Betriebe) oft sogar mehrere. Was die wirtschaftliche Bedeutung für Ausbildung und Beschäftigung angeht, sind in den zulassungspflichtigen Handwerksbetrieben 3036 Menschen tätig. Von denen sind 2154 oder (70,9 Prozent) sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Minijobber oder sonstige geringfügig Beschäftigte stellen mit 329 Menschen rund 10,8 Prozent.

Der Umsatz der Meisterbetriebe lag zuletzt bei 346,8 Millionen Euro oder 96,5 Prozent des gesamten Handwerksumsatzes. Damit ist der Umsatz der örtlichen Meisterbetriebe binnen eines Jahres um 10,3 Millionen Euro gesunken. Die zulassungsfreien Handwerksbetriebe stehen im Kreis Sonneberg für einen Umsatz von 12,56 Millionen Euro. (Vorjahr: 12,20 Millionen). In diesem Bereich sind 249 Menschen tätig. Von denen haben 100 (oder 40,2 Prozent) sozialversicherungspflichtige Jobs. Minijobber oder sonstige geringfügig Beschäftigte sind 60 oder rund 24,1 Prozent. Rechnen wir’s auf Köpfe um, dann hat der „Weg des Meisters’’ (Handwerks-Azubi-Werbung) mit einem Umsatz pro tätiger Person von 114 235 Euro auf den ersten Blick deutlich goldeneren Boden als der Weg des Nicht-Meister-Betriebes mit 504 34 Euro pro Schaffer. Aber Wege es zum Millionär zu schaffen, gibt’s wohl auch da.

 

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