Statistik Der Bedarf an Wohnungen bleibt hoch

Teja Banzhaf
Der Neubau von Wohnungen ist zum Jahresende 2022 bundesweit zurück gegangen. Foto: picture alliance/dpa/Sebastian Gollnow

Reichen 33 502 Wohnungen aller Art und Größe für 56 504 Menschen? Ersteres ist der Bestand an Wohnungen, der im Kreis Sonneberg zum Jahresende 2021 gezählt wurde. Letzteres ist die Zahl der Menschen aller Altersklassen, die zum gleichen Zeitpunkt hier ihren Wohnsitz hatten.

Beim Wohnungsbestand war das ein Wohnungsplus gegenüber dem Vorjahr um 47 oder 0,1 Prozent und damit neuer Rekordbestand. Die Zahlen sind die jüngsten, die in die regionalen Wohnungsbestandsstatistik der Regionaldatenbank Genesis eingestellt wurden. Ob die Wohnungszahl reicht, sagt die Datenbank nicht. Aber das Wohnungsbedarfsmodell des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) ist ebenfalls aktualisiert worden und aus dem lässt sich ableiten, dass der Wohnungsbestand im Kreis Sonneberg um 56 Wohnungen hätte wachsen müssen: Der Bedarf an zusätzlichen Wohnungen ist durch den Wohnungsbestand so gesehen derzeit nicht gedeckt. Insgesamt gab es im Kreis Sonneberg zum Stichtag 16 655 Gebäude mit Wohnungen (Vorjahr: 16 620).

Was der Mensch sich wünscht, wenn er wohnen könnte, wie er wollte, lässt sich aus Umfragen ablesen: vor allem Platz. „Am häufigsten wünschen sich die Menschen eine Wohnfläche zwischen 100 und 150 Quadratmetern’’, berichtet beispielsweise der Wohnungsfinanzierer Interhyp. Gute Lage, Balkon oder Garten, Arbeitsplatznähe und gute Infrastruktur stehen auf den weiteren Plätzen der Wunschlisten. Welche der 33 502 vorhandenen Wohnungen im Kreis Sonneberg diesen Idealen nahekommen, wird statistisch allerdings nicht erfasst.

Bei der Frage, ob der Mensch lieber verdichtet oder auf Abstand wohnt, lässt sich die Antwort hingegen daraus ableiten, für was Bauherren und -damen ihr Geld ausgeben: Der größte Traum der Menschen ist und bleibt das eigene Haus für die Familie: 10 032 Ein-Familienhäuser gibt es mittlerweile allein im Kreis Sonneberg (Vorjahr: 10 001). Aber nicht für jeden ist dieser Traum bezahlbar. Im erfassten Zeitraum waren die Zinsen niedrig. Inzwischen steigen sie an. Da bleibt die Eigentumswohnung oder das Wohnen zur Miete in einem der 2289 Mehrfamilienhäuser (Vorjahr: 2288) als einkommensbasierte Alternative (wobei der Staat ja bei Bedarf mit Wohngeld hilft).

Nicht für jeden der Traum bezahlbar

Als Mehrfamilienhäuser gelten alle Wohngebäude mit drei und mehr Wohnungen. Dazu kommen als Zwischending Häuser mit zwei Wohnungen, bei denen oft der Vermieter mit im Haus wohnt. Von diesem Haustyp gibt’s bei uns 4326 (Vorjahr: 4323). Ob das mit der Größe klappen kann, lässt sich anhand der Zimmerzahl abschätzen: Große Wohnungen mit fünf Räumen (einschließlich Küche) und mehr waren im Kreis Sonneberg zuletzt inklusive der Einfamilienhäuser insgesamt 14 918 erfasst. Das sind rund 44,5 Prozent des Bestandes. 9658 Wohnungen (28,8 Prozent) verfügten über vier Räume, 6519 Wohnungen (19,5 Prozent) waren Dreizimmerwohnungen, 1947 (5,8 Prozent) hatten zwei Räume und 460 ein Zimmer (1,4 Prozent).

Die durchschnittliche Wohnungsgröße in Deutschland im erfassten Zeitraum „betrug rund 92 Quadratmeter, aufgeteilt auf 4,4 Wohnräume’’, sagt das Statistische Bundesamt. Da ist die Korrelation aber mit Vorsicht zu genießen. Und mit Blick auf den demografischen Wandel, sprich die Altersstruktur der Bevölkerung und die Haushaltsgröße. Kurz und gut: Der Wert taugt nur zur Voraussage, dass demnächst größere Wohnung neu bezogen werden können, wenn das Ende der Lebenserwartung bei den jetzt „Drinwohnenden“ erreicht wird.

Am wachsenden Wohnungsbedarf ändert das aber nichts, solange Zuzug den Bevölkerungsschwund mehr als ausgleicht. Die IW-Wissenschaftler haben das in ihrer Prognose des Wohnungsbedarfs berücksichtigt und bis einschließlich 2025 vorausberechnet, wie viele Wohnungen im Kreis Sonneberg jährlich zusätzlich angeboten werden müssen, um mit der Bevölkerungsentwicklung Schritt zu halten. Da kommen die 56 her.

 

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