Startschuss am Freitag Südthüringens modernstes Notfallzentrum

Das Team des Notfallzentrums am Klinikum Meiningen zieht jetzt in neue Räume. Nur der Hubschauberlandeplatz bleibt, wo er war. Foto: /Klinikum Meiningen

Die Rettungsstelle des Meininger Helios-Klinikums ist innerhalb des Hauses umgezogen und wurde modernisiert: Am Freitag eröffnet das neue Notfallzentrum.

Meiningen - Das Meininger Klinikum hat die frühere Tagesklinik in ein Notfallzentrum mit modernster Technik, patientenfreundlicher Wegeführung und großzügiger Architektur verwandelt. In diesem Gebäudetrakt befindet sich auch das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ). Notfallpatienten gehen künftig durch die gleiche Eingangstür am Erweiterungstrakt wie die MVZ-Patienten.

Als 2019 die ersten Gedanken aufkamen, die seit gut 25 Jahren bestehende Rettungsstelle zu modernisieren, war schnell klar, dass sich ein Umzug innerhalb des Krankenhauses erforderlich macht. „Die alte Rettungsstelle bot leider zu wenig Spielraum für Erweiterungen. Deshalb mussten wir alternative Räumlichkeiten finden, die genügend Fläche und zeitgleich einen schnelleren Zugang zur Notfallversorgung für Patienten bieten“, schildert die Chefärztin der Notfallmedizin im Klinikum Meiningen, Dr. Sorina Friedrich.

Ursprünglich sollte schon im Frühjahr 2020 der Umbau starten. Doch die aufkeimende erste Corona-Pandemiewelle verzögerte die Pläne: „Weil wir Anfang 2020 das Ausmaß der Pandemie noch gar nicht greifen konnten, aber bereits eine langfristige Auseinandersetzung mit diesem Virus erwarteten, haben wir uns zunächst dazu entschieden, die frei gewordenen Betten im ehemaligen Tagesstationären Zentrum stehen zu lassen, um im Falle eines rapiden Anstiegs zu behandelnder Covid-19-Patienten genügend Bettplätze zur Verfügung zu haben“, erklärt Klinikum-Geschäftsführerin Claudia Holland-Jopp. Als klar gewesen sei, dass sich interne Umstrukturierungen auf den Stationen im Klinikum besser für die Versorgung der infizierten Patienten eignen würden, konnten die Planungen für das neue Notfallzentrum schließlich wieder Fahrt aufnehmen. Mitte August wurde mit dem Umbau begonnen, am Freitag geht der Bereich in Betrieb.

Eine Woche später, am 30. April, nimmt hier auch der Kassenärztliche Bereitschaftsdienst seine Arbeit auf. Hierzu hat die Kassenärztliche Vereinigung ein Sprechzimmer im neuen Notfallzentrum angemietet.

Das neue Notfallzentrum bietet den Patienten künftig Annehmlichkeiten wie einen eigenen Kurzzeitparkplatz direkt vor dem Eingang. Im Eingangsbereich trennt die große Holztreppe künftig wie bisher auch die beiden unterschiedlich genutzten Ebenen: im Erdgeschoss befindet sich das Notfallzentrum, in der Etage darüber das Medizinische Versorgungszentrum. An der Treppe rechts vorbei führt der Weg den Notfallpatienten zum Anmeldetresen.

Klinikum-Sprecherin Tamara ­Burkardt schildert die weiteren Schritte: Am Anmeldetresen wird der Patient erfasst und über die Ticketvergabe in das neu eingeführte Patientenaufrufsystem eingespeist. Hierüber werden Patienten entsprechend ihrer geschilderten Beschwerden in die Behandlungsreihenfolge eingeordnet und datenschutzkonform zur Untersuchung aufgerufen. Dafür stehen den Patienten vier Behandlungszimmer – eines davon eigens für die Untersuchung der kleinen Notfallpatienten – zur Verfügung. Von dort aus werden die Patienten dann in die unterschiedlichen Bereiche weitergeleitet. Um die Zeit bis zur Untersuchung für Notfallpatienten so angenehm wie möglich zu gestalten, ist der Wartebereich direkt gegenüber der Anmeldung großzügig angelegt, hell und freundlich gestaltet und mit mehreren Bildschirmen ausgestattet. So erhalten Patienten aktuelle Informationen rund um das Helios-Klinikum Meiningen und können sich TV-Beiträge ansehen.

Hinter der Anmeldung und den Untersuchungsräumen befinden sich die verschiedenen Bereiche wie ein Isolierzimmer mit eigener Liegend­anfahrt und Zugang von außerhalb (zur Erstversorgung infektiöser Patienten), die Chest-Pain-Unit, die Alters-Unit, drei große Schockräume für die Versorgung von Schwerverletzten und Schwerkranken, eine Beobachtungsstation sowie ein sogenannter „Fast-Track“-Bereich für Patienten mit leichten Verletzungen, die nach rascher Diagnostik und Therapie das Notfallzentrum schnell wieder verlassen können, wie etwa bei einer Prellung oder Verstauchungen. Auch die neue, überdachte Liegendanfahrt für Notfälle mit Schleuse erfüllt einen neuen Zweck: So können Elektiv- und Notfälle besser voneinander getrennt werden, sodass die Privatsphäre von Schwerstverletzten besser gewahrt werden kann. Dafür wurde auch im Außenbereich umgebaut und die Zufahrtsstraße verbreitert.

Das Aufrufsystem teilt die Patienten nach Einschätzung der Schwere ihrer Verletzungen und Beschwerden ein. Mithilfe der direkt ans Notfallzentrum angegliederten Beobachtungsstation mit sechs Bettplätzen, einer Teeküche, Duschen, Schließfächern und Toiletten kann während einer maximalen Aufenthaltsdauer von 24 Stunden unter stetiger Beobachtung der stationäre Behandlungsbedarf abgeklärt sowie ein freier Bettplatz im entsprechenden Fachbereich angefragt werden.

Für desorientierte und demente Patienten mit alterstypischen Verletzungen oder Erkrankungen wurde im neuen Notfallzentrum eine eigene Alters-Unit mit drei Bettplätzen eingerichtet. Der Raum ist nach einem beruhigenden Farbkonzept gestaltet worden und sorgt mithilfe von speziell geschultem Pflegepersonal für die altersgerechte Betreuung. Dieser zentral gut einsehbare Bereich liegt direkt gegenüber dem Stützpunkttresen, der alle Einheiten miteinander verbindet. Vom Stützpunkttresen aus weiter in Richtung Schockräume befindet sich die sogenannte Chest-Pain-Unit: Hier werden Patienten mit Schmerzen im Brustkorb anhand eines standardisierten Ablaufes mit Labor-, EKG-, Herzultraschall- und Röntgen-Untersuchungen behandelt, um bedrohliche Herzerkrankungen zügig erkennen und schnell einer Behandlung (Herzkatheter) zuführen zu können.

Im neuen Notfallzentrum stehen 22 Monitorplätze zur Verfügung, die alle zentral überwacht werden. Zuständig dafür sind neben dem Ärzte-Team insgesamt 32 Pflegekräfte. 16 davon haben im vergangenen Jahr dafür die Zusatzausbildung „Notfallpflege“ absolviert. Um das Wissen über die Arbeit im Notfallzentrum immer auf dem aktuellen Stand zu halten, ist in das neue Notfallzentrum ebenfalls ein großer Fortbildungsraum integriert worden. Ein eigens dafür ausgebildeter Notfallkoordinator soll dafür sorgen, dass die Organisation und Kommunikation mit Leitstelle, Angehörigen und Bettenmanagement im Sinne der Patienten reibungslos verläuft.

 

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